Nach den Vorgängen um die Linkspartei in Bayern braucht man kein Prophet zu sein, um eine schlechte Prognose für die Nicht PDS-Kandidaten bei der bevorstehenden Aufstellung der hessischen Kandidatenliste der Linkspartei abgeben zu können. Viele Aktive der südhessischen Kreisverbände der Linkspartei ahnen bestenfalls, daß sie einen schwierigen Partner im Boot haben. Aber das reicht einfach nicht aus – so viel kann man aus Bayern lernen.
Keiner beherrscht das Spiel der taktischen Winkelzüge zur Durchsetzung der eigenen Kandidaten besser als die westdeutschen linken Splitterparteien wie die PDS.
Ex-SPDler und andere in der Linkspartei Aktiven aus Gewerkschaft und sozialen Verbänden werden keine wichtige Rolle spielen, außer sie bringen einen Popularitätsvorsprung mit. Ohne Erfahrung und PDS Stallgeruch setzt sich ein unabhängiger Kandidat gegen die Erfahrung und den abgebrühten Zynismus der PDS in einer gemeinsamen Linkspartei nicht durch.
Nur die Kandidaten werden Erfolg haben, die schon im Vorfeld der hessischen Listenabstimmung taktische Absprachen vereinbaren, auch über die Grenzen des eigenen Wahlkreises hinaus. Das ist nicht schön, das verträgt sich nicht mit der mir sympatischen linken Träumerei von einer besseren Welt für uns Alle und es wird auch kein Beispiel für eine Lehrstunde der basisdemokatischen Mitsprache sein, aber ein zweckmässiges und an die Realität angepasstes Verhalten – und nur das wird zählen. Alle anderen Kandidaten werden auf die unteren Listenplätze durchgereicht- bestenfalls.
2005 – das wird die Sternstunde der erfahrenen PDS Netzwerker werden – so siehts jedenfalls derzeit aus.
Kommentar aus der TAZ zum Listendurchmarsch der PDS auf den bayerischen Wahlisten der Linkspartei
Das Pikante an diesem Tohuwabohu ist, dass die WASG-Linken Opfer der Instrumente ihres eigenen Werkzeugkastens wurden. Denn bei vielen kleinen linken Parteien und ihren Strategen gilt der taktische Winkelzug so viel wie der ideologisch makellose Vortrag. Wer sein Weltbild irgendwann umsetzen will, muss zunächst eine Parteiversammlung beherrschen – ohne dass es der gutgläubigen Parteibasis zu sehr auffällt.




Das Thema geht vielen unter die Haut, hier ein paar weitere Links mit spannenden Diskussionen:
Politblog: http://politikblog.blogg.de/eintrag.php?id=238
Sehpferd Blog:
http://sehpferd.blogg.de/eintrag.php?id=164
Das ist doch Quatsch. In Bayern traten einfach unpopuläre Kandidaten – die Lebenspartnerin von K. E. und der selbst in der WASG sehr umstrittene Landessprecher S. – an und stellten sich sehr unvorteilhaft vor.
In Hessen geht die WASG viel kollegialer mit der Linkspartei.PDS um. Das wird anders laufen.
@Big Cheese: Warum sollte das anders laufen? Seit wann gibt es Erfahrungen einer kollegialen Zusammenarbeit mit der PDS in Hessen, die diesen Schluss nahelegen. Hab ich da was verpasst?
was bedeutet eigentlich “kollegial” ?
dass man regional mit leuten aus der jeweils anderen partei
gut klarkommt sagt absolut nichts über die hegemonie auf
bundesebene, das bild in der presse usw aus.
fest steht, dass 50% der wähler, die die linkspartei gewählt haben,
die WASG wollten, und die jetzt nur mit 12 von 54 abgeordneten
völlig unterrepräsentiert sind.
man stellt das jetzt als selbstverständlich da: denn 1. war es mit dem
wahlgesetz nicht anders zu machen und 2. entspricht das der
grösse (i.e. mitgliederzahl) der beiden parteien.
beide argumente sind richtig, nur das änders leider nichts an
der tatsache, dass die wähler und viele gutgläubige fusionsbegeisterte
WASG mitglieder getäuscht worden sind.
denn beides war den machern des bündnisses auch vorher klar.
hier treffen die ideen der demokratie von unten und des dirigismus
von oben aufeinander, und genau darüber muss die nächsten jahre
gestritten werden.
allerdings möchte ich hinzufügen, dass das prinzip des dirigismus
von oben – und das ist keine polemik sondern meine analyse – erst keineswegs eines ist, was es nur in der PDS gibt …
niemand hat vor den Maurer zu hauen.
einige brisante hintergrundinformationen findet ihr hier:
http://linkspartei-frankfurt.de/