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Zu hohe Belastung durch Pflanzengifte in der Gersprenz – 4

Von Peter Löwenstein • 21. Apr 2006 • Kategorie: Alle Artikel, Reinheim, Südhessen, Umweltschutz

Pflanzenschutzmitteleinsatz am Reinheimer TeichGestern Abend bin ich mit dem Rad einmal um das Naturschutzgebiet Reinheimer Teich gefahren, nebenbei bemerkt findet man dort die mitteleuropäische Sumpfschildkröte und dieses Jahr zum ersten Mal ein brütendes Storchenpaar. Innerhalb einer knappen halben Stunde habe ich sieben verschiedene Bauern beim Pflanzenschutzmitteleinsatz gezählt – in unmittelbarer Nähe zum daneben liegenden Gewässer. Es kann ganz sicher nicht nicht darum gehen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verteufeln und die Bauern an den Pranger zu stellen. Aber sollte nicht verstärkt darüber diskutiert werden, wie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Zukunft besser kontrolliert werden kann? “Wir können doch nicht neben jeden Bauern einen Hilfssheriff aufs Feld und auf den Hof stellen, wenn der anfängt zu spritzen,” – so oder ähnlich ist die Meinung bei vielen öffentlichen Verwaltungen.
Pflanzenschutzmitteleinsatz am Reinheimer Teich
Fakt ist aber auch das bis jetzt keinerlei Kontrolle der Bauern stattfindet, ob diese ihre Pflanzenschutzmittel fachgerecht auf dem Feld einsetzen oder die Arbeitsgeräte umweltschonend gereinigt werden. Genau das sollte sich ändern.

Zum Vergleich, was in anderen Bereichen geleistet wird: Jeder Hausbesitzer muß seine Heizöltanks vom TÜV regelmässig warten lassen und jede Heizung muss auf die Einhaltung von Grenzwerten zur Schonung der Umwelt kontrolliert werden.

Echo-Online schreibt heute:

Wer ist Schuld an der hohen Belastung von Bächen und Flüssen mit Pflanzenschutzmitteln? Nicht die Landwirte, sagt der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Starkenburg Walter Schütz.

Die Vermutung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises, dass Bauern durch unsachgemäßen Umgang mit Pestiziden für die hohe Konzentration der Gifte mitverantwortlich seien, lässt er nicht auf seinen Kollegen sitzen.
Wie berichtet, hat das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) in Gersprenz, Semme, Ohlebach und Länderbach Belastungen gemessen, die die Grenzwerte um ein Mehrfaches übersteigen. Als Verursacher gelten bei den Wasserbehörden sowohl Landwirte als auch Privatpersonen, die mit Pflanzengiften hantieren.

„Wir haben eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet“, sagt Schütz. Zudem gehöre bei jüngeren Landwirten der richtige Umgang mit Pestiziden zur Ausbildung für den Gesellen- oder Meisterbrief. Wer diese Ausbildung nicht nachweisen kann, muss eine Sachkundeprüfung beim Regierungspräsidium ablegen. Das gilt laut Schütz auch für Nebenerwerbslandwirte.
„Ich kann mir höchstens vorstellen, dass es bei einigen Älteren noch Lücken gibt“, sagt Schütz.
Die Landwirte seien „sehr sensibilisiert“. Unter anderem bemühten sie sich um genügend Abstand zum Ufer und um eine umweltverträgliche Reinigung der Pestizid-Spritzen: „Die Landwirte kippen das nicht in den Kanal.“ Die Tanks würden nach dem Spritzen mit Pflanzenschutzmittel mit Wasser aufgefüllt und das dann auf den Feldern verteilt.

Gerade das unsachgemäße Reinigen der Geräte ist nach Ansicht von Peter Seel, Chemiker und Biologe beim HLUG, wesentliche Ursache für die Belastung der Fließgewässer – mehr als der Einsatz auf dem Feld. Über den Kanal gelangten die Schadstoffe zwar in die Kläranlage. „Doch die können die Pflanzenschutzmittel in der Regel nicht abbauen“, erklärt er.

So gelangt die Fracht weiter in den Fluss. Appelle an die Verwender der Pflanzengifte seien bislang das einzige Mittel zur Vorsorge gewesen.

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