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Zu hohe Belastung durch Pflanzengifte in der Gersprenz 5

Von Peter Löwenstein • 25. Apr 2006 • Kategorie: Alle Artikel, Südhessen, Umweltschutz

Das Pflanzengifte im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind heute Thema in der Frankfurter Rundschau.

Als Ursache für die unverändert starke Belastung nennt das Landesamt vor allem den Einsatz der Pflanzenschutzmittel von Seiten der Landwirtschaft, Kommunen und Firmen. Es hatte beispielsweise in der 47 Kilometer langen Gersprenz, aber auch in der Modau, hohe Werte gemessen. Für den Menschen sei die Konzentration der verschiedenen Mittel im Moment unbedenklich, sagt Peter Seel, Chemiker und Biologe bei der HLUG. “Auch sind die von uns analysierten Stoffe nicht derart beschaffen, dass sie sich im Gewebe von Fischen einlagern”, ergänzt er. Allerdings bedrohten die Pestizide und Herbizide Wassertiere und Pflanzen, die in den Bächen bislang für ein ökologisches Gleichgewicht sorgen.

Das Thema hatte schon vor drei Jahren auf der Agenda gestanden, im Januar hakten die Bündnisgrünen mit einer Anfrage im Kreistag nach. “Wie sehen die Ergebnisse der letzten Jahre aus, insbesondere die nach 2003 gemessenen?”, lautete eine der Fragen. Die Antwort aus dem Kreistagsbüro, wonach es keine weiteren Messungen gegeben habe, gilt mittlerweile als widerlegt. Denn nach Auskunft von Manfred Kissel, dem Leiter der Unteren Wasserbehörde, ist das Schreiben der HLUG zwar im Juli 2005 eingegangen; “es landete aber in einer falschen Akte, so dass wir es übersehen haben.” Doch auch wenn der Amtsleiter den Vorfall bedauert, hätte sich seiner Meinung nach nicht viel geändert, wenn das Schreiben schon vorher aufgetaucht wäre: “Es gibt kaum Möglichkeiten bei einer so diffusen Sachlage, die Schuldigen zu überführen”, sagt er. Wenig Personal stehe eine Vielzahl von Privatleuten und Landwirten gegenüber, die aggressive Pflanzengifte zum Schutz von Feldern und Schrebergärten anwendeten.

Manfred Kissel und die untere Wasserbehörde sehen offenbar immer noch nicht, daß es schon ein Anfang wäre wenn auf Feldern und den Höfen überhaupt erstmal kontrolliert werden würde. Soweit ich weiß hat die untere Wasserbehörde seit 2003 bis heute keine Bodenproben von Äckern und Höfen auf Pestizide untersuchen lassen – woher weiß die untere Wasserbehörde dann aber daß die Sachlage diffus ist ? Ich sehs so: Die Behörde sollte mal Gas auf die eigene Turbine geben und sich selbst, den Politikern des Kreises und der Öffentlichkeit Klarheit verschaffen.

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3 Kommentare »

  1. Die Pestizidbelastung der Gewässer und so des Grundwassers hat seine Ursachen in einem Landbewirtschaftungsverständnis, das technokratischer und industrieller Natur ist. Verursacher letztendlich sind einerseits die Saatgut- und Pestizidindustrie und andererseits VerbraucherInnen, die unaufgeklärt zum “billigsten”Lebensmittel greife. Die Politik tut ein Übriges in ihrer Ignoranz der Ökosysteme gegenüber.
    Der Landwirt selbst wird immer mehr zum Handlanger einer unheilvollen Entwicklung, deren Folgen weltweit zu sehen sind. (Verwüstung und Wasserknappheit etwa) Die Agrarindustrie samt Anhang und eine Lebensmittelexportsubventionspolitik vor allem der Industrieländer verursacht nicht nur irreparable Umwelt- und Gesundheitsschäden, sondern auch Hungersnöte, weil die Subsistenzlandwirtschaft und kleinbäuerliche Betriebe keinerlei Chancen haben gegenüber subventionierten Angeboten.

    Aber die Shareholder von Bayer und Monsanto etwa freut es, bis auch sie merken: Geld kann man nicht essen.

  2. Claudia, leider empfinde ich deine weltumspannende globale Sichtweise auf die Ursachen eher vernebelnd für eine klare Abschätzung der Möglichkeiten hier vor Ort, wie das Problem in den Griff zu bekommen wäre. Ich mags halt gerne konkret.

    Du schreibst zu den Ursachen: “und andererseits VerbraucherInnen, die unaufgeklärt zum “billigsten”Lebensmittel greife.”

    Selbst wenn ein Bauer als Ökobetrieb zertifiziert ist und selbst wenn die Verbraucher ihm seine gesunden Produkte für einen teureren Preis als die industriell angebauten Früchte aus den Fingern reissen, dann passieren immer noch merkwürdige Vorfälle, ein Beispiel: Ein bekannter Ökobauer aus Habitzheim verkauft zweimal im Jahr seine im ökologischen Anbau gewonnenen Heilpflanzen.
    Die zweite Ernte des letzten Jahres wurde vom Ankäufer mit einem positiven Laborbefund zurückgewiesen: Zuviel Rückstände eines Pflanzengifts auf den Pflanzen. Wobei das im Labor gefundene Gift ausschliesslich im Weinbau auf Weinbergen verwendet wird. Der nächste Wingert ist allerdings über ca. 6 km Luftlinie weit weg in der Weininsel Groß-Umstadt. Offenbar hat ein Weinbauer dort seine Spritzbrühe in einem wenig fachgerechten Verfahren angewendet, wenn sich das Gift noch über so weite Entfernung in einer bedenklichen Konzentration auf anderen Pflanzenoberflächen nachweisen lässt.

    Und das ist kein Einzelfall.

    Ich sage jetzt mal: Wenn die Bauern wüssten, daß ihr Acker oder Wingert und ihre Spritzbrühanwendung auch tatsächlich regelmässig kontrolliert werden würde, dann wäre schon viel gewonnen. An eine Änderung der Verhältnisse alleine durch Aufklärung der Landwirte, und sei es auch über die globalen Ursachen, kann ich nicht glauben.

  3. [...] Folgen auf die Umwelt, wie der aktuelle Gersprenztal-Skandal zeigt. Nachzulesen etwa beim Regioblog. Sinnvoll ist es aber durchaus, dass Landwirte Genossenschaften bilden, um bei der Anschaffung von [...]

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