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	<title>Kommentare zu: Die Zeitung wird überleben</title>
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	<description>Artikel und Meinungen aus Südhessen</description>
	<lastBuildDate>Mon, 31 Jan 2011 16:15:22 +0100</lastBuildDate>
	
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		<title>Von: Klaus Brandstetter</title>
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		<dc:creator>Klaus Brandstetter</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jan 2007 22:09:42 +0000</pubDate>
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		<description>Sorry, d e r Kommentar wird lang. Und noch was: Dieser Kommentar war fertig, bevor Peter hier das Seine dazu gesagt hat. Die teilweise fast wortgleiche Formulierung ist kein Echo, sondern ich hatte sie geschrieben, bevor diese Zeilen wussten, dass sie hier im regioblog zum Kommentar werden würden. Ich habe sie drin gelassen - ist ja auch mal ganz interessant.

Zu These eins: Die Tageszeitung informiert qualifiziert 

Die meisten Meldungen, die wir zu sehen und hören bekommen, entstammen nicht der Recherchearbeit der  Tageszeitungen selbst, sondern kommen von Agenturen. Wie sonst wäre es auch erklärbar, dass wir über einen Sachverhalt quer durch den Blätterwald fast wortgleich in Kenntnis gesetzt werden. Dies zugrunde gelegt habe ich mehr davon, ein Wochenzeitschrift zu lesen, die aufgrund eigener Nachforschungen auch tatsächlich an die Hintergründe geht. Die Tagesmeldungen besorge ich mir von deren Online-Dienst als Feed. Da bin ich in der Summe qualifizierter informiert.

Beispiel: Als kürzlich der Verdacht aufkam, ein Bundestagsabgeordneter könne abgehört worden sein, war das in den Online-Nachrichten zunächst d e r  Renner. Über den Tag beobachtet konnte man ein allmähliches Abflauen des Themas beobachten, bis immer klarer wurde, dass alle Sachverhalte rund um die Story noch äußerst unklar waren, nichts, was wirklich Substanz für eine Bewertung hatte. Am nächsten Morgen aber war es in vielen gedruckten Zeitungen auf Seite 1 zu lesen. Kalter Kaffee! Hat man tags drauf etwa eine relativierende Meldung gelesen? Fehlanzeige. Ist das qualifizierte Information?

Zu These 2: Zeitung wird es immer geben.

Schon möglich, aber Zeitung ist nicht gleich Zeitung. Diese Aussage ist zu allgemein, als dass sie wirklich Bestand haben könnte. Die Frage ist: Welche Zeitung wird es in Zukunft noch geben? Und damit ist nicht der vielfach austauschbare Name des Blattes, sondern sein inhaltliches Format gemeint. Was auf Fachtagungen neuerdings als Bürgerjournalismus, etwas weniger nett als Hobbyjournalismus, bezeichnet wird, offenbart nicht selten weit mehr Sachverstand als so manche mit Agentur-Einheitsbrei gefütterte Profi-Redaktion, die einmal drauf beißt und es dann gedruckt wieder ausspuckt. Dies Art Zeitung braucht heute keiner mehr, der sich in der Online-Welt auch nur halbwegs auskennt. &quot;Bürgerjournalismus&quot; ist heute schon vielfach &quot;näher dran&quot;, vor allem authentischer, denn er hat keine stilistische oder gar inhaltliche Schere im Kopf. Er ist frei.

Es grenzt zudem an Arroganz, wenn regionale Tageszeitungen sich auch nur andeutungsweise abfällig über schreibende Bürger äußern. Man möge doch einmal zählen, wie viele nicht ausgebildete ReporterInnen heutzutage die Lokalredaktionen mit Stoff füttern. Werden die plötzlich zu Fachleuten im Sinne dieser Diskussion, nur weil sie gedruckt publizieren?

Und dann liegt hier doch ein klassischer Versuch der sich selbst erfüllenden Prophezeiung vor: Solange Verlage im Internet immer nur die halbe Wahrheit wiederholen, unter Hinweis auf die ganze in der gedruckten Fassung, so lange schaffe ich mir selbst die Rechtfertigung meiner Existenz. Diese Politik wird sich indessen als ein Versuch am untauglichen Objekt erweisen.

Zu These 3: Die Zeitung kann ich mitnehmen

Eigentlich das schwächste aller denkbaren Argumente für die Existenzberechtigung eines Mediums. Und zudem eines, das - Beleg für qualifizierten Journalismus? - sehr kurz greift. Hat man denn in den Redaktionen noch nicht bemerkt, wie schnell tragbare Informationstechnologie sich entwickelt, welchen rasanten Fortschritt die Qualität der Displays macht? Die Verfügbarkeit des Mediums ist nahezu grenzenlos. Selbst am Fuße des Himalaya-Massivs gibt es Internet-Cafés. Ja, auch dort, wo ungünstigsterweise grade deine BMW die Grätsche macht und du überhaupt nur noch via Internet Ersatzteile bekommst.

Und wenn ich denn sonntags ins Frühstückscafé sitze, dann nehme ich ganz gewiss keine Tageszeitung mit, sondern mein Wochenmagazin.

Zu These 4: Die Zeitung trägt zur Demokratie bei

Hier liegt ein Irrtum vor. Oder Selbstüberschätzung. Nicht das Medium trägt zur Erhaltung der Demokratie bei, sondern die Meinungsvielfalt an sich. Bekannter Maßen wird aus jeweils gegebenem Anlass immer wieder einmal darüber diskutiert, wie sehr Medien Meinung machen, das Denken von Menschen beeinflussen. Im politischen Teil einer Tageszeitung findet sich, aufgrund der Struktur des Nachrichtenhandels, zumeist nur noch in den Kommentaren annähernd freier Journalismus. In den Lokalteilen dagegen wird die Ausrichtung eines Blattes richtig spürbar. Da die meisten Regionalblätter heute konkurrenzlos sind, gibt es damit im gedruckten Bereich eben keine Meinungsvielfalt mehr.

Ganz anders verhält sich das in einem Medium wie dem Internet, in dem viele - auch sog. Nichtfachleute - publizieren. Hier bekomme ich zu einem Sachverhalt in der Tat eine Vielzahl von Ansichten und Einsichten präsentiert, zu denen ich mir meinen eigenen Reim machen kann.

Und wenn Herr Meier sich sicher ist, dass &quot;Journalismus [nie ausstirbt]&quot;, kann man ihm nur beipflichten. Denn Journalismus ist genauso wenig ans Fernsehen wie an die Druckpresse gebunden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sorry, d e r Kommentar wird lang. Und noch was: Dieser Kommentar war fertig, bevor Peter hier das Seine dazu gesagt hat. Die teilweise fast wortgleiche Formulierung ist kein Echo, sondern ich hatte sie geschrieben, bevor diese Zeilen wussten, dass sie hier im regioblog zum Kommentar werden würden. Ich habe sie drin gelassen &#8211; ist ja auch mal ganz interessant.</p>
<p>Zu These eins: Die Tageszeitung informiert qualifiziert </p>
<p>Die meisten Meldungen, die wir zu sehen und hören bekommen, entstammen nicht der Recherchearbeit der  Tageszeitungen selbst, sondern kommen von Agenturen. Wie sonst wäre es auch erklärbar, dass wir über einen Sachverhalt quer durch den Blätterwald fast wortgleich in Kenntnis gesetzt werden. Dies zugrunde gelegt habe ich mehr davon, ein Wochenzeitschrift zu lesen, die aufgrund eigener Nachforschungen auch tatsächlich an die Hintergründe geht. Die Tagesmeldungen besorge ich mir von deren Online-Dienst als Feed. Da bin ich in der Summe qualifizierter informiert.</p>
<p>Beispiel: Als kürzlich der Verdacht aufkam, ein Bundestagsabgeordneter könne abgehört worden sein, war das in den Online-Nachrichten zunächst d e r  Renner. Über den Tag beobachtet konnte man ein allmähliches Abflauen des Themas beobachten, bis immer klarer wurde, dass alle Sachverhalte rund um die Story noch äußerst unklar waren, nichts, was wirklich Substanz für eine Bewertung hatte. Am nächsten Morgen aber war es in vielen gedruckten Zeitungen auf Seite 1 zu lesen. Kalter Kaffee! Hat man tags drauf etwa eine relativierende Meldung gelesen? Fehlanzeige. Ist das qualifizierte Information?</p>
<p>Zu These 2: Zeitung wird es immer geben.</p>
<p>Schon möglich, aber Zeitung ist nicht gleich Zeitung. Diese Aussage ist zu allgemein, als dass sie wirklich Bestand haben könnte. Die Frage ist: Welche Zeitung wird es in Zukunft noch geben? Und damit ist nicht der vielfach austauschbare Name des Blattes, sondern sein inhaltliches Format gemeint. Was auf Fachtagungen neuerdings als Bürgerjournalismus, etwas weniger nett als Hobbyjournalismus, bezeichnet wird, offenbart nicht selten weit mehr Sachverstand als so manche mit Agentur-Einheitsbrei gefütterte Profi-Redaktion, die einmal drauf beißt und es dann gedruckt wieder ausspuckt. Dies Art Zeitung braucht heute keiner mehr, der sich in der Online-Welt auch nur halbwegs auskennt. &#8220;Bürgerjournalismus&#8221; ist heute schon vielfach &#8220;näher dran&#8221;, vor allem authentischer, denn er hat keine stilistische oder gar inhaltliche Schere im Kopf. Er ist frei.</p>
<p>Es grenzt zudem an Arroganz, wenn regionale Tageszeitungen sich auch nur andeutungsweise abfällig über schreibende Bürger äußern. Man möge doch einmal zählen, wie viele nicht ausgebildete ReporterInnen heutzutage die Lokalredaktionen mit Stoff füttern. Werden die plötzlich zu Fachleuten im Sinne dieser Diskussion, nur weil sie gedruckt publizieren?</p>
<p>Und dann liegt hier doch ein klassischer Versuch der sich selbst erfüllenden Prophezeiung vor: Solange Verlage im Internet immer nur die halbe Wahrheit wiederholen, unter Hinweis auf die ganze in der gedruckten Fassung, so lange schaffe ich mir selbst die Rechtfertigung meiner Existenz. Diese Politik wird sich indessen als ein Versuch am untauglichen Objekt erweisen.</p>
<p>Zu These 3: Die Zeitung kann ich mitnehmen</p>
<p>Eigentlich das schwächste aller denkbaren Argumente für die Existenzberechtigung eines Mediums. Und zudem eines, das &#8211; Beleg für qualifizierten Journalismus? &#8211; sehr kurz greift. Hat man denn in den Redaktionen noch nicht bemerkt, wie schnell tragbare Informationstechnologie sich entwickelt, welchen rasanten Fortschritt die Qualität der Displays macht? Die Verfügbarkeit des Mediums ist nahezu grenzenlos. Selbst am Fuße des Himalaya-Massivs gibt es Internet-Cafés. Ja, auch dort, wo ungünstigsterweise grade deine BMW die Grätsche macht und du überhaupt nur noch via Internet Ersatzteile bekommst.</p>
<p>Und wenn ich denn sonntags ins Frühstückscafé sitze, dann nehme ich ganz gewiss keine Tageszeitung mit, sondern mein Wochenmagazin.</p>
<p>Zu These 4: Die Zeitung trägt zur Demokratie bei</p>
<p>Hier liegt ein Irrtum vor. Oder Selbstüberschätzung. Nicht das Medium trägt zur Erhaltung der Demokratie bei, sondern die Meinungsvielfalt an sich. Bekannter Maßen wird aus jeweils gegebenem Anlass immer wieder einmal darüber diskutiert, wie sehr Medien Meinung machen, das Denken von Menschen beeinflussen. Im politischen Teil einer Tageszeitung findet sich, aufgrund der Struktur des Nachrichtenhandels, zumeist nur noch in den Kommentaren annähernd freier Journalismus. In den Lokalteilen dagegen wird die Ausrichtung eines Blattes richtig spürbar. Da die meisten Regionalblätter heute konkurrenzlos sind, gibt es damit im gedruckten Bereich eben keine Meinungsvielfalt mehr.</p>
<p>Ganz anders verhält sich das in einem Medium wie dem Internet, in dem viele &#8211; auch sog. Nichtfachleute &#8211; publizieren. Hier bekomme ich zu einem Sachverhalt in der Tat eine Vielzahl von Ansichten und Einsichten präsentiert, zu denen ich mir meinen eigenen Reim machen kann.</p>
<p>Und wenn Herr Meier sich sicher ist, dass &#8220;Journalismus [nie ausstirbt]&#8220;, kann man ihm nur beipflichten. Denn Journalismus ist genauso wenig ans Fernsehen wie an die Druckpresse gebunden.</p>
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