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Heute: Die Drohung mit dem Rechtsanwalt

Von Peter Löwenstein • 1. Mrz 2007 • Kategorie: Alle Artikel, Bloginfos, Recht

Wer kommt schon gern in Kontakt mit Abmahnungen und dem Vorwurf des wettbewerbswidrigem Verhalten?

Ich habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, immer erstmal per Telefon nachzufragen, wenn ich Probleme zu erkennen glaube, die bei einem weiteren unvorsichtigem Umgang für alle Beteiligten in einem nervenraubenden und kostenpflichtigen Gang vor Gericht landen könnten.

Heute wurde das extrem schwierig: Die andere, abhebende Seite am Draht hatte als Praktikant offenbar keinerlei Entscheidungsbefugnis. Da bleibt nicht mehr Spielraum als mich nach der Schilderung des Problems um eine schriftliche Darstellung per Briefpost zu bitten, um nach der “Save my ass” Methode mit meinem Brief die Absicherung in Händen zu haben, dass auch ja alles richtig verstanden wurde. Weil irgendeiner weiter oben in der Entscheidungskette fragt bei der Themenvorlage dann nach, wer das Geschrieben hat, welchen Beleg es für die Behauptung gibt und so weiter. Ich war selber auch schon Praktikant in einer kommunalen Einrichtung mit politischem Hintergrund und weiss wie schwer die Position am Ende der Weisungskette ist.

Doch dann ging die Kommunikation richtig schief: Der Verantwortliche, offenbar vom Praktikanten und einer weiteren Email informiert ruft mich am sehr späten Nachmittag an und legt gleich los. Ob ich Jurist sei. Ob ich Bescheid wüsste. Wie ich dazu komme. Wir leben in einem freien Land. Und er kann in seinem Bundesland tun was er will, andere Bundesländer wie mein Hessen haben unterschiedliche Geltungsbereiche für deutsches Recht. Ich erkenne wieder mal auf Anhieb: Er ist kein Jurist und er weiss nicht Bescheid. Weiss z.B. nicht dass Bundesgesetze in allen Bundesländern gleich gelten.

Er hat eine furchtbare Angewohnheit, die mich beim weiteren Telefonat annervt: Er redet mit eingebautem doppeltem Ausrufezeichen. Seine Satzenden haben etwas ungeheuer Wichtiges, Brutales, Gewaltiges.

Er unterbricht mich laufend mitten im Satz. Das mag jeder, ich weiss. Er unterbricht mich mit klaren, eindeutigen Sätzen, die mit Begriffen wie “Rechtsanwalt”, “Abmahnung” und “Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht” gespickt sind, und sich sogar in meinen juristisch nur laienhaft geschulten Ohren ziemlich falsch anhören.

Irgendwie endet das Gespräch damit dass ich ratlos und ziemlich still geworden bin, die andere Seite hat nach einer letzten Drohung mit dem bevorstehenden Gang zum Rechtsanwalt aufgelegt.

Soviel also zu meinem vergeblichen Versuch, mit einem Telefonat Probleme zu deseskalieren, ohne Gerichte und Anwälte bemühen zu müssen, denke ich still vor mich hin, und überlege mir schon Udo Vetter mal wieder Bescheid zu sagen, dass da ein neuer Job auf ihn zukommt.

Zurück vor den Schirm blinkt eine neue Email vom Gesprächsgegner (“Partner” ist das für mich keiner mehr): Die Angelegenheit wird geändert, und die Email liest sich dem Ende zu “der von mir informierte Rechtsanwalt wird weitere Schritte gegen Ihr wettbewerbswidriges Verhalten prüfen”.

Wieder so ein Satz. Anstatt einfach mitzuteilen dass die fragliche Angelegenheit geändert wurde und das Problem aus der Welt ist muss am Schluss noch seine Drohung stehen. Als ob es in Deutschland immer noch das Schlimmste der Welt wäre, als Führungskraft einen Fehler zuzugeben, ohne vorher Rechtsanwälte zu bemühen. Ich frage mich wie teuer dieser Knilch seiner politischen Organisation noch zu stehen kommen wird, wenn er immer erst einen Richterspruch braucht um eigenes Handeln zu überdenken.

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