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Artikel und Meinungen aus Südhessen

In Groß-Umstadt diskutiert die FDP den Tourismus Odenwald

Von Peter Löwenstein • 10. Mai 2007 • Kategorie: Alle Artikel, Groß-Umstadt, Südhessen, Wirtschaftsförderung

Die Umstädter FDP hatte gestern eingeladen, sich ein bisschen zu unterhalten über die Frage, wie der Tourismus im Odenwald gestärkt werden könne.

Wie ist der Stand der Dinge? Was ich verstanden habe:

Es gibt viele Organisationen, die sich gegenwärtig darum kümmern. Leider heisst das auch: Die wichtigsten zwei, drei Organisationen arbeiten wie Dachverbände, unter deren Regie sich mehr als 12 verschiedene eigenständige Organisationen (Wandervereine, Kommunen, Wirtschaftsverbände) angeordnet haben. Viel Geld in Millionenhöhe geht verloren, solange es nicht eine Dachorgansiation gibt, die eine multiple Mitgliedschaft der Mitglieder bei den verschiedenen, gegenwärtig zersplittert agierenden Tourismus-Organisationen zum Thema Odenwald überflüssig macht.

Ein schöner Punkt: Was macht den Odenwald aus? Dazu waren Folien zu sehen, welche die Ergebnisse extern beauftragter Berater zusammenfassten. Es mag ja sein, daß die Ergebnisse für die Macher und Verantwortlichen der bestehenden Tourismusorganisationen eine Überraschung gewesen sein muss. Aber zeigt dies nicht den eigentlichen Mangel?
Der Odenwald braucht m.E. keine weitere externe Beratung, um seine Stärken und Wettbewerbsvorteile im europäischen Wettbewerb in fein ausgearbeiteten Analysen und Handlungskonzepten benannt zu bekommen. Der eigentliche Mangel besteht darin, daß die Kompetenz und Lösungsbereitschaft der eigenen Tourismusbetriebe und engagierten Odenwälder, also ihre Ideen und Initiativkraft brach liegen, weil die verantwortlichen Landräte dafür in den von ihnen verantworteten Tourismusorganisationen bisher keine funktionierenden Schnittstellen einrichten konnten.

Die maßgeblichen Köpfe der Organisationen sind immer dieselben: Die Landräte des Odenwaldkreises, des Kreises Bergstraße, Darmstadt-Dieburg und der OB der Stadt Darmstadt. Persönliche Befindlichkeiten zwischen Wilkes-Kreis Bergstraße/Schnurr-Odenwaldkreis prägen mittlerweile die Arbeit der größten Organisationen und haben unüberwindliche Hürden geschaffen.

Das hat zwei Effekte:

  • Die Destinationen (ein anderes Wort für auf der Landkarte eingezeichnete und verwaltungstechnisch beschlossene Urlaubsgebiete ) Bergstrasse und Odenwald konkurrieren als unmittelbare Nachbarn. Diese Konkurrenz wirkt nach Innen und nach Aussen. Die innere Wirkung ist kritisch: Ihre Köpfe arbeiten in den Dachorganisationen aneinander vorbei, wo immer sie auch aufeinander treffen. Kommunen fragen sich, ob sie sich zur Destination Bergstrasse oder zur Destination Odenwald zählen lassen sollen -wo springt mehr heraus, wer macht mehr Faltblätter fürs eigene Städtchen?
  • Der zweite Effekt: Engagierte, langjährige hauptamtliche Mitarbeiter der zweiten Reihe reiben sich in ihren Bemühungen auf, den Odenwald auf der Tourismuslandkarte, in den Köpfen der Touristen zu prägen und zu stärken. Das ist für die eigentlichen Macher ein Minenfeld der jeweiligen Befindlichkeiten der Landräte. Der Gang darüber kostet unzumutbar viel Kraft und Zeit auf der ständigen Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner für alle Beteiligten. Gute neue Projektideen zerlegen sich so von selbst, sie werden im politischen Ringen um für alle akzeptable Beschlussvorlagen zerbröselt. Zweieinhalb Jahre haben manche Vorstände schon nicht mehr in einer gemeinsamen, beschlusskräftigen Sitzung getagt, wurde uns erklärt. Wer als betroffener festangestellter Macher in den Organisationen diese schlechten Ergebnisse nicht länger akzeptieren möchte, der fängt an, eigenständig zu agieren und überstrapaziert dabei die eigenen Kräfte und den vereinbarten, auch rechtlich vorgegebenen Handlungsrahmen der eigenen Organisation. Mit den Jahren wird das zur Selbstverständlichkeit, die fatalerweise nicht mehr hinterfragt wird. Das eigentliche Handeln wird dabei nicht mehr davon bestimmt, für den Odenwald eine handlungsfähige, akzeptierte Tourismusorganisation auszubauen, sondern stattdessen wird der Mangel gestaltet, im Versuch die verbliebenen eigenen Kompetenzen und Handlungsfelder bis aufs Äußerste Auszureizen. Der individuelle Tunnelblick kann das fehlende, gemeinsame Leitbild für den Tourismus Odenwald nicht ersetzen – eine Tatsache, die auch schon die Region Starkenburg bitter büssen musste.

Der Odenwald reicht über die drei Landesgrenzen Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Übergreifende Tourismusprojekte sind angelaufen. Die Macher handeln, das ist die gute Nachricht. Ob das Agieren einwandfrei ist, bleibt kritisch zu bewerten, siehe einen Punkt vorher.

Offenbar sucht der Zweckverband Starkenburg neue Schwerpunkt Themen und hat dabei das Thema Tourismus Odenwald wieder ins Auge gefasst. Allen Ernstes wurde an diesem Abend der Versuch gemacht, den Zweckverband als Diskussions-Plattform über die Zukunft der touristischen Vermarktung des Odenwaldes zu positionieren. Wie ich auch selber am gestrigen Abend sagte: Davor kann man nur warnen. Dieser Zweckverband kann gegenwärtig weder die Strukturen noch die Prozesse anbieten, um Initiativen und Anregungen der Gastronomen, Hoteliers, engagierter Odenwälder oder anderer Tourismus-Dienstleister effektiv zu behandeln und umsetzen zu können. “Essen, Trinken und Wandern kann jeder, aber das heisst noch lange nicht das man damit zum Experten für Tourismus wird.” bemerkte ein Podiumsvertreter gestern Abend. “Es geht um mehr als einen weiteren Termin für eine weitere Kartoffelwoche miteinander abzustimmen.”

Mehr dazu im Darmstädter Echo und im Umstädter Audio-Journal.

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