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Die Bedeutung und Zukunft von politischen Blogs Teil 2

Von Peter Löwenstein • 27. Aug 2008 • Kategorie: Alle Artikel, Bloginfos, Kooperationen
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Zu politischen Blogs wird in den letzten Wochen verstärkt diskutiert. Verkürzt dargestellt bleibt übrig, daß es in Deutschland anders als in den USA keine nennenswerten, in ihrem Stellenwert auch nur annähernd vergleichbaren und deutschlandweit bekannte Blogs gibt.
Endlich ist es an der Zeit den zweiten Teil zu schreiben: Im ersten Teil pflanzte ich im Kern drei Eckpfosten zum Thema Politische Blogs, deren Belastbarkeit sich in den seitdem vergangenen drei Jahren als hervorragend herausstellte.


Politische Blogs taugen bestenfalls dazu, die Meinung des Autors darzustellen. Aufwändige Recherche haut nicht hin, was bleibt ist das Wiederkäuen der Berichte großer Online Redaktionen. Die Unterstützung der Parteien entfällt – und damit der Zugang zu den innerparteilichen Diskussionen.


Etablierte, regionale Politiker schotten sich gegenüber Bloggern ab. Was vor allem daran liegt, daß viele Politiker in der regionalen öffentlichen Verwaltung und ihrer Versorgungsbetriebe mitwirken oder angestellt sind oder ihre nächste Karrierestufe dort sehen.


Die Zukunft politischer Blogs liegt in der Kooperation mit regionalen Zeitungen.

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, in denen ich massig Erfahrungen mit der regionalen, politischen Berichterstattung als Blogger sammelte. Drei verschiedene von mir initiierte Ansätze regionaler Blognetzwerke mit anderen Bloggern, neben diesem Regioblog, schliefen nacheinander wieder ein. Das Scheitern hatte seine Gründe in Streitereien der Blogger untereinander, der Konzentration auf den eigenen Blog ohne Reserven und Einsicht in die Bedeutung der Mitarbeit am regionalen Bloggernetzwerk, der fehlenden oder gescheiterten Einbindung regionaler Politiker und in einem Fall waren ausschliesslich kommerzielle Interessen des Bloggers deutlich geworden, der das Netzwerk als Plattform für seinen eigenen Blog nutzte. Diese Erfahrungen decken sich mit anderen ähnlichen Initiativen anderswo.

Was also in der Region bleibt, sind einzeln agierende politische Blogger – in der Großstadt sieht das oft anders aus.

Jetzt ein paar Überlegungen zur möglichen Zukunft politischer Blogs durch die Kooperation mit Tageszeitungen. In diesem zweiten Teil geht es um die mitzubringenden Voraussetzungen (… neben dem Interesse an Politik):

  • Der Blogger sollte nicht durch ein Amt oder Mitgliedschaft an eine Partei gebunden sein. Wie will man vom politischen Geschehen glaubhaft berichten können, wenn man auf einem Auge blind ist, oder vom Leser unter diesen Generalverdacht gestellt wird?
    Interessanterweise stelle ich aber auch fest, daß vielen politischen Blogger ihre frühere Parteizugehörigkeit massiv schadete. Das Motiv für ihr Bloggen ist die Rache der Fallengelassenen und Verschmähten: Rache an ihrer ehemaligen Partei und ihren persönlichen Feinden der regionalen Parteispitze, bis zum Erbrechen durchgenudelt. Der Hass auf die ehemalige politische Heimat wird zum persönlichen Hobby, ohne daß sich durch dieses Wiederkäuen irgendwas bessert oder ein Horizont erweitert. Solche Blogs bieten zwar anfangs ganz großes Kino, laufen sich aber tot und werden zum Sammelbecken für die Kommentare von Männern mit ähnlichen Erfahrungen.
  • Mindestens zwei Jahre Blogerfahrungen sollten sein. Die Pflege des Blogs braucht Erfahrung und viel Geduld. Natürlich ist ein Blog in 5 Minuten installiert. Aber die Wordpress Supportforen wimmeln von Fragen in der Art von “Wie mache ich das, wo finde ich dies, wie geht jenes.” Der große Baukasten der über 1000 Themen und fast 1000 Plugin Erweiterungen muss erst verstanden worden sein. Kaum einer fährt seinen Blog von der Stange, irgendwo ja auch verständlich. In zwei Jahren schöpft man Wissen im Online-Recht, pflegt Kontakte zur regionalen Politik und Verwaltung.
    Ein Gefühl für die richtige Artikellänge, warum Bilder wichtig sind, wie man Suchmaschinenfreundlich schreibt und wie man mit Kommentatoren umgeht stellt sich kaum in kürzerer Zeit ein.
    Zusammengefasst: Man kommt einigermaßen auf Augenhöhe mit Redakteuren und hat ein Gefühl für seine Leser.
  • Verzicht auf die Einbindung von Werbeanzeigen, z.b. durch Google. Diese Werbung nervt nur beim Lesen. Sie kann beim Leser von Werbeblockern in jedem Browser leicht ausgeblendet werden. Der Ertrag ist den Schaden nicht wert. Und schliesslich ist Online-Werbung sowieso ein rotes Tuch für jede regionale Tageszeitung, die im Printgeschäft seit Jahren Werbekunden verliert. Also besser die Finger davon lassen.
  • Verzicht auf die Illusion, daß Parteispitzen kooperieren. Wie im ersten Teil schon festgestellt: Etablierte regionale Politiker schotten sich gegenüber Bloggern ab. Dies gilt auch für die Parteivorstände auf Landesebene. Selbst persönlich bekannte kommunale Parteivorstände können mangels Internet Medienkompetenz mit politischen Bloggern wenig anfangen. Es gibt erfreulicherweise in letzter Zeit aber immer mehr Ausnahmen.

Im dritten Teil dann ein Ausblick, wie die konkrete Kooperation eines politischen Bloggers mit Tageszeitungen aussehen kann, und warum das Sinn macht. Mal sehen.

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