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Im Kreisgespräch: Hessen anders ist gestartet

Von Peter Löwenstein • 16. Jan 2009 • Kategorie: Podcast, Südhessen
Hessen anders Gründungsversammlung

Am Wahlsonntag wird man sie noch nicht auf dem Wahlschein finden: Die heute Abend im Bürgerzentrum Weiterstadt neugegründete Landespartei “Hessen anders”. Und die hessische Linke wird sie dort auch nicht vermissen. Womit die in der Presse unterstellte Motivation, warum “Hessen anders” gegründet wurde, auch schon deutlich wird: Teile der 14 “Hessen anders” Mitglieder gehörten bis vor kurzem noch zum prominenten Stamm der südhessischen Linken. Zählen zwei Monate Parteizugehörigkeit? Zählt ein Jahr?

Was zählt ist die ganz persönliche Art und Weise, wie jeder mit der Erfahrung umgeht, wenn die Illusionen über eine scheinbar tolle Idee verloren gehen. Wenn man etwas später die Augen geöffnet bekommt, als es der eigenen Selbstachtung oder vielleicht auch dem eigenen Stolz gut tun würde. Wenn ins Herz Narben geschlagen werden, die einen bitter werden lassen. Oskar vs. SPD. Deswegen fuhr Ich skeptisch zur heutigen Parteigründung, im Hinterkopf das aufgeschnappte Bonmot des ebenfalls vor kurzem aus der Linkspartei ausgetretenen Mitglieds Pit Metz über die linke Krankheit, immer gleich eine neue Partei gründen zu müssen, wenn es mit der bisherigen Partei nicht klappt. Ich dachte also: Rückwärtsgerichteter Groll alleine trägt einen bei jedem Vorhaben nur über die kurze Distanz.

Ich erlebte eine Gründungssitzung, die sich in ihrer drögen Art in Nichts unterschied von der jährlichen Mitgliederversammlung eines x-beliebigen Kaninchenzüchter oder SPD Partei Ortsvereins. Außer dem diesmal fehlenden Bier plus dem dazu gehörenden Schnitzel mit Pommes und Eimersalat. Nach einer Stunde und 40 Minuten war die trockene Angelegenheit erledigt und die Tagesordnung durchgestimmt worden. Jeder Kandidat wurde natürlich einstimmig gewählt – wie immer, bei einer Vereinsgründung. Anschliessend wurde Sekt in Plastikbechern gereicht.

Und natürlich stellte ich mir mittendrin die Frage, was treibt mich dazu, ein Wochenende mit einer Einladung zu einer Parteigründungsversammlung einzuläuten? Jüngst schrub ich hier schon mal dazu: Ich bin neugierig auf Utopien. “Hessen anders” ist eine Partei mit einer utopischen Botschaft: Mehr Basisdemokratie. Mehr Volksbegehren. Mehr Bürgerbeteiligung. Das unterscheidet sie von den etablierten hessischen Parteien und ist ein urdemokratisches Ziel. 14 Mitglieder werden diese Botschaft ins Land tragen – und ich habe nicht den Eindruck, dass deren Herzen vernarbt sind .
Im Kreisgespräch: Hessen anders

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