Heute Nacht kam mir auf dem Weg zum nächsten Interview etwas dazwischen. Ein Corsa war die Böschung hinab in den tiefen Graben gerutscht, als die Fahrerin auf der nächtlichen Landstrasse rückwärts auf dem Feldweg wenden wollte, -und die Einfahrt verpasste. Klingt blöde, ist auch blöde, und mir auch schon passiert. Wir warteten zusammen im Auto, bis die benachrichtigte Polizei kam, um die Bergung durch einen Autokran abzusichern. Währenddessen organisierte Sie mit dem Handy die Abholung ihrer Kinder, zu denen sie eigentlich unterwegs war. Andere Autofahrer passierten uns, und fast alle waren hilfsbereit. Die jungen Fahrer waren richtig nett, mit heruntergekurbelter Scheibe fragten sie, ob alles ok sei und ob sie helfen könnten. Ältere Männer, alleine im Auto, fuhren schweigend ganz langsam vorbei und glotzen nur hinter ihren sicheren Käfigscheiben.
Wir unterhielten uns über die gekündigte Vollkasko Versicherung, einen leeren Handyakku, aber nicht über die Wahl. Vermutlich war ihr heute den ganzen Tag etwas dazwischen gekommen. Ich dagegen kam gerade vom Umstädter Hamburger-Drive-In, wo ich einige Interviews zur Wahl aufschnappen konnte. Als die Polizei schliesslich eintraf, fuhr ich weiter. Jetzt war es zu spät, um noch zum Interviewtermin zu fahren. Doch mir was etwas eingefallen: Wie sich die Wähler und Nichtwähler eingruppieren lassen.
Wer wählen geht, erzählt es selbstbewusst. Das sind entweder Leute über 40 oder junge Zwanziger, denen durch die Stirn so ein “Ich bin Grünwähler” Leuchten hindurch schimmert.
Wer nicht wählen geht, weil was dazwischen kam, erzählt das auch noch. Examen, Prüfungen, Studium, jetzt schnell noch Essen, keine Zeit für Wählen gehen, ist auch eigentlich nicht so wichtig, lieber noch mit Freunden treffen.
Wer nicht wählen geht, weil das Thema sowieso egal ist, gibt kein Interview mit eingeschaltetem Mikrofon. Das waren die Meisten. Und sie waren ganz Jung. Die gehen nie zur Wahl, dachte ich. Never. Für die ist auch TSG einer vom Mars.



