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Mit dem Erdgasauto in Südhessen

Von Peter Löwenstein • 27. Jan 2009 • Kategorie: Südhessen, Wirtschaftsförderung

Creative Commons License Photo: PercyGermany

Mit dem neu angeschafften Erdgasfahrzeug haben wir die 1.200 Kilometer zurückgelegt. Wir schon hier in der Erfahrungen der Suche nach einer Probefahrt beschrieben steht jetzt tatsächlich ein VW Caddy EcoFuel mit Erdgasantrieb, unterstützt von einem kleinen Benzintank, in der Garage. Zeit für ein Zwischenfazit.

Zwei Aspekte waren für den Kauf des Erdgasfahrzeugs entscheidend: Im Vergleich zu Benzin oder Dieselantrieb ist Erdgas billiger. Das rechnet sich bei mehr als 20.000 km Fahrleistung im Jahr auf den ersten Blick, wie mit diesem Erdgasamortisations-Rechner im Internet nachgerechnet werden kann. Dann lockt noch eine Prämie der Energieversorger, die zwischen 500 und 1.000 Euro liegt. Und sauberer ist Erdgas im Vergleich auch, ein bißchen. Doch es gibt auch Nachteile.

Das Erdgas-Tankstellennetz ist noch recht dünn – ohne einen Straßenatlas mit den eingezeichneten Erdgastankstellen, oder eine Internetrecherche mit einem Erdgastankstellenfinder vor Fahrtantritt geht es nicht. Für die Tankstellensuche am besten geeignet fanden wir unser Navigationssystem, daß auch die aktuellen Erdgastankstellen, hinter dem Menüpunkt “Sonderziele” versteckt, anzeigen kann. Ob das eigene Navigationssystem mit den Adressdaten nachgerüstet werden kann, sollte dort auch mal im Internet nachgeschaut werden. Gegenwärtig mit einem Overlay für Erdgastankstellen unterstützt werden die Navisysteme Destinator ab 3.xx, Falk 5.0/6.0, Falk bis 4.xx, Garmin (CSV-Format für POI-Loader), NAVMAN (ASC-Format für ältere System), NAVMAN (CSV-Format für neuere Systeme), POI-Warner (navigating.de) z.B. für MEDION GoPal u. Navigon, Route66 PDA u. PNA Version 7, TomTom (alle Versionen). Viele der verbreiteten, im Auto von Werk aus eingebauten Navigationssysteme fallen da unangenehm auf, weil sie bisher nicht mit den frei verfügbaren Adressdaten gefüttert werden können.

Eine interessante Preisauszeichnung fanden wir hier in Südhessen an einer Tankstelle im Kreis Offenbach, denen der Erdgaspreis mit der üblichen Auszeichnung pro Kilogramm offenbar noch nicht toll genug aussieht. Erdgas wird an der Tanke in der Maßeinheit Kilogramm verkauft, was im deutschen Eichgesetz so geregelt ist. Die Besitzer von Erdgasfahrzeugen rechnen eben mit dieser Preisangabe anstatt Liter. Ein Kilo Erdgas kostet derzeit so zwischen 0.90 und 1.09 Euro.

Wer aber die Tankstelle in Dreieich anfährt, sieht am baumhohen Preisständer vor der Tankstelle schon von weitem einen konkurrenzlos günstigen Erdgaspreis von aktuell 0,68 Euronen angeschlagen. Die Überraschung über das Schnäppchen hält nicht lange an: An der Erdgastankzapfsäule selbst wird ein ganz anderer Preis berechnet, der um einen Euro liegt, aktuell bei 1,019 Euro/kg. Was ist das los? Ganz einfach: Um den Käufer darüber zu informieren, was ihn eine zu einem Liter Benzin umgerechnete Erdgasmenge kosten würde, wird ihm an der Total/Fina Tankstelle in Dreieich der Erdgaspreis in Liter umgerechnet angegeben. Ein Kilogramm Erdgas entspricht in seinem Energiewert ungefähr 1,5 Liter Benzin. So auf dem Preisschild ausgezeichnet halbiert sich der runde Europreis fürs Kilogramm dann um fast die Hälfte, weil für den Liter gerechnet.

“Das nenne ich eine Irreführung des Käufers” kommentierte Herr Rebel, Pressesprecher und Vorstandsmitglied des Energieversorgers GGEW in Bensheim diese merkwürdige Praxis der Stadtwerke Dreieich.”Überall hat sich längst durchgesetzt, daß die Erdgastanker an der Tankstelle einen Kilogrammpreis ausgezeichnet sehen wollen. Eine solch komische Preisauszeichnung vor der Tankstelle kann ich nicht nachvollziehen. Das macht doch Ärger.”

“Sie sind wirklich nicht der Erste, der sich über die Preisauszeichnung hier beschwert” bemerkte die Tankstellenbesatzung hinter dem Tresen der Dreieicher Tankstelle.”Da müssen sie sich an die Stadtwerke Dreieich wenden”. Tatsächlich: Für den falsch ausgezeichneten Erdgaspreise vor der Tankstelle sind die Stadtwerke Dreieich verantwortlich, welche der Tankstelle das Erdgas bereitstellen und die Tankstelle selbst betreiben . Als ich dort um eine Erklärung bat, wollte man mir beim Presseamt keine telefonische Auskunft geben, sondern nur schriftlich gestellte Fragen beantworten. Duck and cover …


Creative Commons License Photo: PercyGermany

Herr Rebel der GGEW in Bensheim konnte mir eine andere Frage beantworten: 500 Euro Tankgutscheine, ausgestellt auf das Kennzeichen des Erdgasautos und damit nicht Ebay-kompatibel, werden von der GGEW einem Erdgasbesitzer als Förderprämie geschenkt. Nur einzulösen bei der einzigen Tankstelle der GGEW, die in Bensheim liegt. Was mich eigentlich nicht interessiert, da Bensheim viel zu weit weg liegt. Es gibt ja noch die Förderprogramme der anderen Energieversorger hier vor meiner Haustür, bei denen ich auch jede Woche tanke. Doch ich irrte mich; – wie viele Besitzer von Erdgasfahrzeugen, die ihren Stromversorger wechselten und ihren Haushaltsstrom jetzt von einem billigen Stromanbieter irgendwo in Deutschland beziehen. Der Fehler liegt gut verborgen im Detail: Die Erdgasfahrzeug Förderprämie wird beim eigenen Stromversorger beantragt, und das ist eben Pech für den, der in Hamburg wohnt und seinen Strom von der GGEW bezieht. Die Aral Tankstelle in Bensheim ist diese 600 km Reise mal eben fürs Tankgutschein einlösen wirklich nicht wert. Wer Glück hat, der versorgt seinen Haushalt außerdem mit Erdgas, kann damit auf Plan B zurückgreifen und beim örtlichen Erdgasversorger die Prämie beantragen.
“Sie müssen sich als Kunde vor dem Wechsel ihres Stromanbieters eben gut informieren, welche Konsequenzen das hat” meinte Herr Rebel dazu. Meine Frage, warum denn die Stromanbieter ihre Förderprogramme nicht besser gestalten, beantwortete Herr Rebel mit dem Eigeninteresse des Unternehmens. “Wir wollen natürlich vor allem den Erdgasabsatz in unserem Versorgungsgebiet steigern.”

Die Förderprogramme machen aus der Sicht der Erdgasversorger Sinn: Der Spitzenverbrauch von Erdgas wird übers Jahr gesehen in der Heizperiode der kalten Jahreszeit notiert. Im Tagesrhythmus wird Ergas vor allem zum Kochen in den Mittags- und Abendstunden bereitgestellt. Mit einem gesteigerten Absatz an den Erdgastankstellen dagegen werden diese starken Verbrauchsschwankungen entzerrt, – getankt wird immer. Und die Absatzschwäche der Sommermonate ohne Gasheizungsbetrieb wird mit dem Mehrverbauch der Ferienfahrer etwas ausgeglichen.

Zurück zum VW-Caddy. Er läuft. Problemlos, komfortabel und mit irre viel Platz. Und mit kleinen Macken, über die auch in den Internetforen viel gelästert wird. So kann man die aktuelle Verbrauchsanzeige fürs Erdgas, angezeigt in der Multifunktionsanzeige des Cockpits, bestenfalls als einen Vorschlag werten, der auch mal 2 kg/100 km weniger betragen kann. Hin und wieder leuchtet daneben die Tankanzeige fürs Benzin auf: Der Tank sei jetzt recht bald leer. Als ich das zum ersten Mal erleben durfte, war der nächste Weg zur Tankstelle gleich über den Berg nicht so weit – und dann tankte ich für sagenhafte 7 Euro den Benzintank wieder randvoll. Nach den Erfahrungen an der Tankstelle in Dreieich frage ich mich im Stillen, ob von der Caddy Tank- und Verbrauchsanzeige vielleicht auch der Erdgas Kilogrammverbrauch in Liter und umgekehrt der Benzinstand in Kilogrammeinheiten ausgerechnet wird.

Jetzt muß ich aber los. Wurde eben zufällig zu einer weiteren Probefahrt eingeladen. In einem Auto mit Elektroantrieb.

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