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Buschmann vs. Schellhaas: Sprunghafte Zahlen und Fakten

Von Peter Löwenstein • 3. Mrz 2009 • Kategorie: Alle Artikel, Groß-Umstadt, Kreistag, Podcast
OP-Saal
Creative Commons License Photo: tomt6788

Das Heringsessen zum Aschermittwoch hat am Otzberg eine lange Tradition, und wird vom dortigen SPD Ortsverein in Lengfeld ausgerichtet. Diesmal stand die Tagesordnung auf dem Kopf: Patrick Koch musste zum Abschluß seiner kurzen Begrüßungsrede auch gleich das Büffet mit viel Fisch eröffnen, weil Pit Schellhaas sich verspätete. Die Gästen waren dankbar, sie hatten genau wie wir drei Hunger mit gebracht.

Wenige Kartoffeln und viel Hering später legte Pit Schellhaas vor den gut 160 Gästen, die allermeisten im besten Seniorenalter, los. Zahlen und Firmennamen prasseln auf uns ein, die den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Arbeit der Ära Jakoubek als “insgesamt sehr gut” dastehen lassen und auch die Zukunft des Landkreises mit den aktuellen Bemühungen des vor uns stehenden Kandidaten werden vorgestellt..

Weitere 20 Minuten später diskutierten meine Nachbarn und ich die Pit Schellhaas Rede: Die Zahlen über geleistete und versprochene Investionen werten wir als wenig glaubhaft. Wir legten unsere von Pit Schellhaas aufgeschnappten Zahlen und die Firmen mit den genannten Investitionsvorhaben zum Vergleich nebeneinander: So kann das kaum sein, das passt nicht zu dem was wir wissen.

Am nächsten Morgen startet ein gemeinsamer Faktencheck: Ein paar Anrufe bei den Sprechern der Firmen im Landkreis, die Pit Schellhaas gestern Abend mit Namen und mehrstelligen Millionenbeträgen für konkret bevorstehende Ausbau- und Investitionsprogramme aufführte.
Beispiel Caparol:
Pit Schellhaas sagte beim Heringsessen der SPD Lengfeld, dass Caparol zukünftig zeitnah 27 Millionen in den Ausbau des Standortes Ober-Ramstadt steckt.
Dem ist nicht so. Im Telefonat mit dem Pressesprecher, Herrn Dörner der Firma Caparol konnte ich klären, dass Caparol derzeit über keinen weiteren Ausbau des Werkes in Ober-Ramstadt entschieden hat. Möglicherweise werden so wie in der Vergangenheit zukünftig auch einige Ausbau und Modernisierungsmaßnahmen gestartet, diese Entscheidung steht aber aktuell nicht zur Diskussion, also auch keine 27 Millionen.

Ernüchtert frage ich bei Pit Schellhaas nach. Am Ende des Telefonats mit ihm denke ich: Gut, daß wir zu Dritt am Tisch das gemeinsam Gehörte miteinander verglichen haben. Anders als von Schellhaas vermutet habe ich den 10 minütigen Hörfehler nämlich nicht alleine gehabt. Pit Schellhaas bedauert schließlich den so nicht beabsichtigten Effekt, dass wir seine Rede als eine Aussicht in die Zukunft verstanden haben. Er wollte stattdessen eigentlich einen Ist-Status über die genannten Firmeninvestitionen der letzten 3-5 Jahre vermitteln. Ich setze einen Haken an die Geschichte.

Wenige Tage später beim Lesen der lokalen Zeitung wird ein anderes Thema für den Wahlkampf zwischen den Landratskandidaten hoch gekocht. Dass Krankenhaus Groß-Umstadt soll auf der grünen Wiese im Norden der Stadt jetzt zeitnah neu aufgebaut werden, fordert jetzt die CDU mit ihrem Kandidaten Harald Buschmann.
Das klang vor ein paar Wochen im persönlichen Interview mit Harald Buschmann noch ganz anders. Welche Veränderungen bewirken, dass für den Landratskandidaten Buschmann innerhalb von 2,3 Monaten ein radikaler Ortswechsel des Krankenhauses als die nunmehr beste Lösung erscheint? Wie kann es angehen, dass ein so wichtiges Krankenhausvorhaben mit 20 Jahren Laufzeit von einem Landratskandidaten dermaßen schnell in eine vollkommen andere Ausrichtung gedrängt wird?

Nachtrag, die Frankfurter Rundschau dazu, ein Kommentar von Silke Rummel – “Eigentor“:

“Keine Frage: Die Debatte um einen neuen Standort fürs Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt hatte stellenweise einen hohen Unterhaltungswert. Endlich hat die CDU ihren Wunsch von einem Neubau in Form gegossen und als entsprechenden Prüfantrag im Kreistag eingereicht.
Selbst der CDU-Landratskandidat Harald Buschmann war zu der Kreistagssitzung gekommen. Seine erste. Er verfolgte sie von den Besucherplätzen aus.
Warum hat die CDU erst jetzt ihren Antrag eingereicht? Warum hat sie nicht schon früher auf ihrer Forderung insistiert? Im August vergangenen Jahres keimte die Idee auf. Dass der Erste Kreisbeigeordnete Klaus Peter Schellhaas (SPD) nicht viel davon hielt, war rasch klar. Das Kreiskrankenhaus jetzt zum Wahlkampfthema zu machen, ist weder den Patienten noch den Beschäftigten gegenüber fair. Es ist billig. Und ein Eigentor für die CDU.”

Ich staune also insgesamt nicht alleine, wie sprunghaft von den Kandidaten neue Positionen eingenommen werden. Mir wird ein weiteres Mal klar: Ich werde Nie alles verstehen, und derzeit muss ich mich einfach öfters mit minutenlang andauernden Hörfehlern arrangieren, die auch mein Aufnahmegerät falsch gehört mitschneidet.

Am Rande des SPD – Landesparteitages traf ich den Vorsitzenden der SPD Groß-Umstadt, Matthias Kreh und fragte ihn zum Thema Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt und dessen möglichen Neubau auf der grünen Wiese. Podcast mit Matthias Kreh: Wie ist aus seiner Sicht für das Kreiskrankenhaus der Stand der Dinge?
Nachtrag: Es gibt die Internetseite Klinikbewertungen.de, auf der man eigene Erfahrungen mit Krankenhäusern loswerden kann. Kennt man ja von den Lehrerbewertungen. Das Umstädter Krankenhaus hat dort Stand eben bisher 8 Bewertungen bekommen, die durchweg positiv sind. Und das ist auch eine Antwort auf die Frage, ob das Thema im Wahlkampf mit dem Argument “Neubau-jetzt-sofort” so hart übers Knie gebrochen werden muss. Ich finds ein bisschen eklig ein Thema anzuheizen, dessen emotionale Synergieeffekte (bäääh, jetzt geh ich erstmal Zähneputzen) beim Wähler das eigene Profil schärfen.
Im Kreisgespräch: Matthias Kreh, Ortsvereinsvorsitzender der SPD Groß-Umstadt

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2 Kommentare »

  1. @ Thema Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt – Das ist zu durchsichtiges Wahlkampfgetöse bei Harald Buschmann und der Darmstadt-Dieburg CDU

  2. Danke für den Blog und die Informationen. Sonst findet man leider nicht so viel über Regionalpolitik aus der Region.

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