Im Odenwaldkreis wurde gestern zum ersten Mal über die drei Kandidaten für das Amt des Landrats abgestimmt. Dietrich Kübler konnte sich überraschend deutlich absetzen und geht nun als Favorit am 29. März in die Stichwahl , gegen die SPD Kandidatin Erika Ober.
Nun wohl doch nicht, Erika Ober hat gestern Abend ihren Verzicht auf eine weitere Kandidatur öffentlich gemacht. Mehr dazu auf ihrer Webseite …
Damit bleibt für den 29. März nur Dietrich Kübler auf dem Wahlschein, über den die Wähler mit Ja oder Nein abstimmen können. Anschliessend steht ihm und der ÜWG das Kunststück bevor, sich mit der starken, machtgewohnten SPD im Kreistag zu arrangieren, und womöglich sogar gegen eine trotzig-verbockte Kreistagsmehrheit sein Amt anzutreten. Was im benachbarten Wahlkreis Darmstadt-Dieburg genauso der Fall wäre, sollte Helmut(Blöder Fehler, Entschuldigung) Harald Buschmann im April das Landratsamt gewinnen, weshalb SPD und Grüne gemeinsam vor diesem Fall der Fälle warnen.
Heute wollte ich die beiden verbleibenden Kandidaten für das Landratsamt im Odenwald, Frau Erika Ober (SPD) und Dietrich Kübler (ÜWG) und den ausgeschiedenen Kandidaten Arno Zips (CDU) zur Bedeutung ihres Internetwahlkampfes für den Wahlausgang befragen. Was mir bei einem Kandidaten bisher auch gelang.
Was ich wissen wollte: Wie wahlentscheidend wird die Internetpräsenz eines Landratskandidaten von diesem selbst gewertet? Laut einer mir vorliegenden Analyse der Verwaltungsfachhochschule Freiburg von 2007 (Verfasser: Prof. Paul Witt, Bürgermeister Klaus Muttach, “Wer wird gewählt”) zählt die Wahlkampf-Homepage der Kandidaten für die Wählerentscheidung nicht wirklich, wenn es um die Wahl eines Bürgermeisters, in ländlich eher dünn besiedelten Räumen, geht. Eigentlich sind alle anderen Faktoren für den Wahlausgang weitaus wichtiger.
Für den Wähler gilt, grob zusammengefasst, vielmehr das Naheliegende:
- Sympathischer Eindruck im persönlichen Kontakt, der persönliche Eindruck insgesamt
- Hoher Bekanntheitsgrad im Wahlkreis (aber auch zu beachten ist dabei: Kein Dauerkandidat sein)
- Beruflicher Werdegang, zum Amt passende fachliche Kompetenzen
- Das Programm (als gedruckter Flyer oder als Plakat)
- und dann erst der Internetauftritt
Vom Wähler kaum mehr beachtet werden die Partei- oder Religionszugehörigkeit oder der Familienstand der Kandidaten. Zur Altersfrage lässt sich sagen, dass zwischen 40 und 50 als das ideale Alter für einen Bürgermeisterkandidaten gilt, was für das Amt eines Landrats ähnlich gelten dürfte.
Mittlerweile erlebten wir den US Wahlkampf. Seitdem müssen Twitter und Social Networks und damit das Internet in ihrem Wert für den Wahlausgang neu eingeordnet werden. Das Internet wird hochgejazzt bis hin zu Wahlentscheidend. Für den Wahlkampf der Politiker scheint das Internet zu einer unergründlich tiefen Schultüte voller Zaubergimmicks geworden zu sein. Man hält sie staunend im Arm und fragt sich, was am Ende des Wahlkampfes an Nützlichem rausgekommen ist.
Regionale Kandidaten im Landkreis Darmstadt-Dieburg werden aktuell mit der jetzt einsetzenden Nutzung der “kollektiven Intelligenz” ihrer Wähler zitiert, nur weil sie ihre im Januar neu gestaltete Wahlkampfhomepage jetzt auch offiziell über die Startlinie gehen lassen. Vor drei Jahren blubberte so was noch der No.1-Blogger Robert Basic, wenn er neue technische Blogfeatures vorstellte. Heute druckt die regionale Tageszeitung sowas kommentarlos ab, wenn es der möglicherweise nächste Landrat sagt. Wobei der durch ” “ eingerahmte, in dieser Form also nur wenig hinterfragte Zitatabdruck eher ein Ausdruck der Verunsicherung ihrer Redakteure zu sein scheint, ob man bitte solchen offensichtlichen Quatsch noch extra kommentieren muss.
Falsche Twitter Kandidaten für den Landratsposten
Anders bei Frau Ober, die auch als Ärztin beruflich stark gefordert ist: “Es gibt ganz schlimme Internetseiten” antwortete mir Frau Ober zur telefonischen Anfrage für ein Interview, “deswegen schaue ich mir ihre Seiten erst an, bevor ich einem Interview mit ihnen zustimme. Rufen sie mich doch am Besten erst Mittwoch wieder an, vielleicht passt es mir bis dahin, ihre Seite zu besuchen.” Eine eher zurückhaltende Reaktion. Die ich mir damit zu erklären versuche, daß Erika Ober mit ihrer Kandidatur für das Amt der Landrätin im Internet neben ihren Freunden im Gästebuch ihrer Homepage auch ihre Gegner mobilisierte, z.B. bei Twitter. Mit Leidenschaft versucht dort seit Wochen eine falsche Erika Ober die echte Kandidatin zu verunglimpfen. Dabei ist Bemerkenswert: Die gefakte “ErikAOber” findet mehr Beachtung (45 following/24 followers) als der “echte” vielbeworbene Twitter des Landratskandidaten Pit Schellhaas (mit 36/17) im benachbarten Landkreis Darmstadt-Dieburg. Bleibt abzuwarten, was sich noch so entwickelt an weiteren falschen Kandidaten für regionale Ämter.
So, die falsche ErikAOber ist derzeit für die Allgemeinheit gesperrt. Das weitere Mitlesen des falschen ErikaAOber Twitters ist nur nach persönlicher Anmeldung möglich…

Das ist irgendwie krank und hat viel Ähnlichkeit mit rottenneighbor. Würde mich nicht wundern, wenn sich ein weiteres Mal herausstellt, dass hinter der falschen ErikAOber bei Twitter ein oder zwei ältere, etwas zurückgezogen lebende Männer stecken, die ihre persönliche Narbenbildung aus dem Kampf mit der SPD im Odenwaldkreis noch nicht abgeschlossen haben.
Internet: Was haben kommunale Wahlkämpfe mit dem US-Wahlkampf überhaupt gemeinsam? Fast Nichts.
Das Internet steht also auf der Liste der verfügbaren Wahlkampfhilfen nicht mehr auf dem letzten Platz. Die Antwort nach dem Nutzen für regionale Wahlkämpfe fehlt jedoch noch. Kommunale Wahlkämpfe gleichen in Nichts einem Barak Obama Wahlkampf, der über 3 Jahre geplant wurde und in den letzten 18 Monaten ein erstklassiges Internetwahlkampfteam beschäftigte, in wirklich so gut wie Nichts. Was derzeit kaum beachtet wird.
Das einzig gemeinsame Merkmal in beiden Wahlkampfarten ist: Die “kollektive Intelligenz” der Wähler findet im Internet jetzt auch Wege, die außerhalb der Kontrollmöglichkeiten des Kandidaten stehen. Einen einzelnen negativen Gästebucheintrag auf der eigenen Kandidatenhomepage kann das Wahlkampfteam schnell mal löschen – und tut dies nach wie vor. Ein durch eine gebleckte Zunge ergänztes Wahlplakat kann austauscht werden, – so wie immer schon, wobei im deutschen Kaiserreich das derartige Anreichern von Bildern des Kaisers als schwere Majestätsbeleidigung galt.
Bei den Social Networks und bei Twitter fehlt diese traditionell im Wahlkampf gern genutzte Korrekturmöglichkeit – und ist auch gar nicht mehr gewollt. Erwünscht ist vielmehr der hinten angehängte Kommentar, die persönliche Ergänzung, im besten Fall entwickelt sich so der Dialog auf Augenhöhe.
Wobei klar ist, dass mit bösartigen Zeitgenossen ein sinnvoller Dialog nicht möglich ist. Problematisch wird es also, im Gegensatz zur gut abgeschirmten Ebene der Bundespolitik, im viel engeren, regionalen Raum eines Landkreises, wenn dort Internas zu den Kandidaten per gefaktem Twitterkandidaten publik gemacht werden, die so sein könnten, aber eben nicht so sind. Der schädigende Eingriff in die Lebensqualität der Kandidaten durch Gerüchte, Halbwahrheiten und Unterstellungen ist im Kaff viel leichter möglich.
Landratswahlkampf: Kein Web 20, kein Twitter im Odenwaldkreis
Aus meiner Befragung der Kandidaten im Odenwaldkreis und die Auswertung ihrer Wahlkampfseiten ergab sich, dass keine Twitter oder andere Social Network Aktivitäten erkennbar waren, – und deren Nutzen auch nicht gesehen wird.
Emails sind im Odenwaldkreis der Honig aus dem Betrieb der Kandidatenhomepage und als einziger Nutzen unmittelbar erkennbar. Kein Kandidat ist in einem Social Network oder bei Twitter für den Wahlkampf präsent.
Mag sein, daß potentielle Wähler, die sich in den Social Networks bewegen, gar nicht erst den Weg auf die Webseiten aller drei Kandidaten des Odenwaldkreises gefunden haben, solange diese nicht in den Social Networks präsent sind und damit z.B. bei Facebook auch nicht “gefunden” werden können. Wobei ich bezweifele, dass in der Wahrnehmung des Wählers der Graben zwischen den Welten der Social Networks und dem traditionellen Internet mit der Google Suchfunktion schon so tief geworden ist.
Der persönliche Eindruck aus dem echten Leben zählt eben auch hier mehr als der virtuelle Web 20 Wahlkampf. Ich kann nur dazu raten, die angebotenen Wahlkampfveranstaltungen der Kandidaten im Odenwaldkreis und hier im Landkreis Darmstadt-Dieburg selbst zu besuchen. Anschließend wird als schöner und erheiternder Nebeneffekt mit dem zweiten Blick auf die Startseite des Kandidaten auch deutlich, ob der virtuelle Kandidat sich selbst in natura überhaupt noch ähnlich sieht.
Ohne Web20 und Social Networks im Internetwahlkampf des Odenwaldkreis, was wurde eigentlich genutzt?
Die Homepages der Kandidaten bieten den Kalender, das Gästebuch und eine Liste, in welche sich Unterstützer eintragen können, an. Was so noch überhaupt nichts mit Web 20 oder einem vernetzten Dialog zu tun hat.
Bleibt noch die Email: Wieviele Emails erreichten die Kandidaten (nach eigenen Angaben)?
Dietrich Kübler: Um die 100
Arno Zips: (Wird nachgereicht)
Wieviel Unterstützer haben sich eingetragen (Einträge gezählt auf den Seiten der Kandidaten)?
Dietrich Kübler: ca. 400
Erika Ober: ca. 160
Arno Zips: ca. 48
Diese Reihenfolge spiegelt auch den ersten Wahlgang.
Womit dieser zweite Wert auch als guter Indikator für den Wahlausgang z.B. im Landkreis Darmstadt-Dieburg beachtet werden sollte.





Ich war eben auf der Seite von Klaus Peter Schellhaas (www.twitter.com/pitschellhaas) und da hatte dieser schon 125 follwing und 50 follwers und nicht mehr nur 36/17. Mal sehen wie viele es am 26.April sind. Eins hat er aber jetzt schon geschaft und zwar den “Fake-Account” von Erika Ober deutlich zuüberholen.
Da ich meine Identität nicht verheimlichen möchte und ich quasi “befangen” bin, folgender Hinweis: Ich gehöre zum Wahlkampfteam von Klaus Peter Schellhaas und habe erheblichen Einfluss auf die Internetstrategie von Pit Schellhaas. Wobei das Thema ob Schellhaas oder nicht, gar nicht der Grund ist, warum ich hier schreibe….
Also dieser Eintrag von Herrn Löwenstein finde ich doch etwas seltsam und teilweise auch überzogen. Aber schließlich ist ein Blog ja auch dazu da seine Meinung kund zu tun und durch unser Grundgesetz schließlich gedeckt. Trotzdem möchte ich ein paar Anmerkungen machen:
Unabhängig jetzt auf welcher Seite man steht (ob Schellhaas oder Buschmann soll hier nicht weiter interessieren; der Mann heißt übrigens Harald nicht Helmut) ist die Kritik die Löwenstein äußert eher grundsätzlicher Natur. Und: Ich verstehe sie einfach nicht. Bietet das Internet in der Tat die Möglichkeit Bürgerinnen und Bürger zu integrieren, wird sie hier an dieser Stelle einfach als „offensichtlicher Quatsch” abgetan, weil man anscheinend nicht den Professionalisierungsgrad wie Obama hat?! Aber ist denn Obama der Maßstab? Nein ist er nicht! Kann er auch nicht sein und soll er auch nicht sein!
Warum sollen, dürfen und können deutsche Politiker die interaktiven Elemente des Web nicht nutzen? Warum dürfen Politiker im Web nicht um Legitimation werben? Warum darf sich die ganze Welt in Richtung Web 2.0 entwickeln, während die Politik auf dem Level des Web 1.0 stehen bleiben soll? Wer sich mit dem Thema politische Kommunikation beschäftigt, weiß, dass die Bürgerinnen und Bürger (sehr häufig zu Recht) ein doch sehr ambivalentes Verhältnis zur Politik haben: Auf der einen Seite steigt der Politikverdruss immer mehr und äußert sich in Nicht- und Protestwählen, auf der anderen Seite wird in wissenschaftlichen Untersuchungen regelmäßig ermittelt, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ein stärkeres Mitspracherecht in der Politik wünschen. Wie soll glaubhaft Authenitzität übermittelt werden, wenn nicht durch aktive Partizipation? Und es ist nun mal für viele Menschen gediegener und einfacher am heimischen Rechner bei einer Tasse Kaffee und meinetwegen in Shorts ein Kommentar zu Programm XYZ von Politiker XYZ zu schreiben, anstatt bei endlosen Debatten auf den ausgetrampelten Pfaden darauf zu warten endlich 5 Minuten von seinem/ihrem Rederecht Gebrauch zu machen → Im Web geht das einfacher…. Wenngleich auch klar sein muss: Das Web kann die herkömmlichen politischen Prozesse nicht ersetzen, aber intensiv unterstützen und verbessern.
Löwenstein nutzt als Kenner selbst das Internet als Publikationsmedium und gestaltet darüber hinaus auch beim Bürger- und Communityradio Radio Darmstadt (Betonung liegt auf Community) eigene Sendungen, kritisiert es aber als „offensichtlichen Quatsch“, wenn Politiker das Web und Community-Elemente im Web nutzen möchten? Also ehrlich gesagt frage ich mich, wenn ich diesen Eintrag lese, wie den die Politik, ganz allgemein gesprochen, eine gestaltende Rolle übernehmen soll, wenn sie neuartige und gewinnbringende Formen der Kommunikation dem Anschein nach nicht in Gänze nutzen darf.
Zu der genannten Studie aus dem Jahr 2007: Die Studie ist mir bekannt und sie enthält Daten, die hauptsächlich 2007 erhoben wurden. Nur das Ganze ist aber schon 2 Jahre her – und zwei Jahre im Web sind in etwa 10-20 Jahre herkömmliche Zeitrechnung. Vor zwei Jahren hat die Community “Wer-kennt-wen” noch kaum ein Mensch gekannt – mittlerweile entwickelt sich die kürzlich von RTL gekaufte Plattform zum deutschen Primus mit rasanten Wachstumszahlen. Ob die Deutschen für einen Webwahlkampf und zur politischen Interaktion via Web bereit sind, weiß keiner und wird sich im Superwahljahr 2009 zeigen – aber eins ist unbestreitbar: die Deutschen haben viel Spaß an Online-Netzwerken! Und was kann daran falsch sein, neue Wege zu beschreiten, von denen nicht nur der Politiker sondern auch der Bürger und unser demokratisches System etwas hat???
Und jetzt schlage ich am Ende doch den Bogen zum Internetwahlkampf von Pit Schellhaas:
Ich würde einfach mal behaupten, dass die große Mehrheit der Internet-Nutzer schon mal auf der Wikipedia oder in irgendeinem Forum nach Hilfe oder Informationen zu einem Problem oder Thema gesucht hat. Warum also ist der Begriff “Kollektive Intelligenz”, welcher bekanntlich millionenfach jeden Tag im Web praktiziert wird, ja von dem das Web quasi zum Leben erweckt wird “offensichtlicher Quatsch”?
Also für mich stellt sich hier nun hier Frage: ist denn diese Kritik wirklich substantiell, wo man sagen könnte, OK hier hat der Löwenstein in der Tat Recht und hier muss man nachbessern bzw. über einzelne Elemente diskutieren, oder geht es einfach nur um Kritik, damit man halt mal kritisiert hat? Und nochmal: jedem Wahlkämpfer ist klar, dass das Web in Deutschland (noch) keine Schlüsselrolle im Wahlkampf hat – Anregungen vom Volk wird man sich aber dennoch holen dürfen oder? Wohlgemerkt wenn das Volk bereit dazu ist! Und solange es den Kandidaten leider nicht möglich ist an jede Haustür zu klopfen und nach den Ideen und Anregungen zu fragen, ist das Netz ein ganz gutes Tool um diesen Umstand zu kompensieren..
Und eine direkte Aufforderung an Sie, Herr Löwenstein: In einem anderen Beitrag haben Sie geschrieben: ”Ja, ich habe bessere Ideen, keine Frage. Das weiß man übrigens auch in den Lagern der Kandidaten.“. Nun ich fordere Sie auf, melden Sie sich an bei Schellhaas und bringen Sie sich ein, damit ihr besseren Ideen auch die Chance haben ausdiskutiert und realisiert zu werden….
Da ich meine Identität nicht verheimlichen möchte und ich quasi “befangen” bin, folgender Hinweis: Ich gehöre zum Wahlkampfteam von Klaus Peter Schellhaas und habe erheblichen Einfluss auf die Internetstrategie von Pit Schellhaas. Wobei das Thema ob Schellhaas oder nicht, gar nicht der Grund ist, warum ich hier schreibe….
Danke für den echten Namen, überhaupt für den langen Beitrag. Dies ist der längste Kommentar seit sehr langer Zeit.
der Mann heißt übrigens Harald nicht Helmut)
Danke für den Hinweis, der blöde Namensfehler wurde korrigiert.
Das “offensichtlicher Quatsch” Zitat wurde von mir nicht im Zusammenhang mit dem Rest deines Satzes dahinter gesagt.
Liegt hier vielleicht ein Missverständnis vor?
Ich habe ganz oben im Artikel geschrieben:
“Kommunale Wahlkämpfe gleichen in Nichts einem Barak Obama Wahlkampf, der über 3 Jahre geplant wurde und in den letzten 18 Monaten ein erstklassiges Internetwahlkampfteam beschäftigte, in wirklich so gut wie Nichts. Was derzeit kaum beachtet wird.”
Das ist eine lapidare Feststellung. Aber keine Forderung, dass es so werden soll. Vielleicht war ich da nicht deutlich genug?
Was ich meine ist: Kommunale Internet Wahlkämpfe sind nicht mit dem US-Präsidenten Internet Wahlkampf vergleichbar. Kommunale Wahlkämpfe müssen im Internet meiner Meinung nach anders geführt werden. Natürlich sollen und können die Web 2.0 Werkzeuge genutzt werden. Entscheidend ist die Art, wie sie genutzt werden.
Ein Beispiel, Twitter: Mich nervt, im Twitter des Kandidaten in der überwiegenden Mehrheit Meldungen zu lesen, auf welche Veranstaltungen der Kandidat fährt, oder aus welchen Sitzungen er gerade kommt. Um dass zu wissen, reicht mir ein Blick auf den Terminkalender seiner Wahlkampfwebseite. Warum wird dass bei Twitter nochmals gesendet? Ich glaub es dem Kandidaten ja, dass sein Terminkalender stimmt. Ich habe hohen Respekt vor dem Terminmarathon. Wegen mir braucht er die Terminteilnahme nicht zu twittern. Ich würde gerne anderes zum Termin lesen. Nämlich wie ist der Termin gelaufen. Was hat ihn interessiert? Kann ich das vielleicht auch auf einer Webseite zur Veranstaltung nachlesen, solche Hintergundinfos kommen viel zu selten mal vor.. Ich will mehr wissen, als dass der Termin natürlich gut gelaufen ist, superproduktiv war, immer dieselbe Leier. Ich meine, wenn der Termin gut war, dann ist das prima. Positive Meldungen sind immer auch gute Meldungen, die ich gerne lese. Doch läuft wirklich immer alles supergut? Niemals ist was daneben gegangen, niemals hatte er einen schlechten Tag, niemals einfach mal keinen Bock mehr auf Wahlkampf, niemals Befürchtungen, dass die SPD bei seiner Wahl auch so abstürzt wie im Odenwaldkreis. Kein Wort in diese Richtung.
Also: Was ich lesen darf empfinde ich als 100% Werbung. Und ich behaupte, dass geht vielen Wählern so. Werbung in dieser Form hat nichts mit der Realität zu tun. Die Möglichkeit zur Beteiligung an politischen Vorgängen ist bei einem Wahlkampf in dieser Form nur unausgewogen, irgendwie schief möglich: Nur als positive Rückmeldung. Warum soll ich mich daran beteiligen? Ich sag gerne mal was Positives, aber ich mag es nicht, wenn Ich dazu gedrängt werde. Wer immer nur Positives, Supergutes, Tolles berichtet, der will auch nur Positives dazu hören. Das ist keine Realität. Soviel zu Twitter, als einem Beispiel.
Warum sollen, dürfen und können deutsche Politiker die interaktiven Elemente des Web nicht nutzen? Warum dürfen Politiker im Web nicht um Legitimation werben? Warum darf sich die ganze Welt in Richtung Web 2.0 entwickeln, während die Politik auf dem Level des Web 1.0 stehen bleiben soll? Wer sich mit dem Thema politische Kommunikation beschäftigt, weiß, dass die Bürgerinnen und Bürger (sehr häufig zu Recht) ein doch sehr ambivalentes Verhältnis zur Politik haben: Auf der einen Seite steigt der Politikverdruss immer mehr und äußert sich in Nicht- und Protestwählen, auf der anderen Seite wird in wissenschaftlichen Untersuchungen regelmäßig ermittelt, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ein stärkeres Mitspracherecht in der Politik wünschen. Wie soll glaubhaft Authenitzität übermittelt werden, wenn nicht durch aktive Partizipation?
Und es ist nun mal für viele Menschen gediegener und einfacher am heimischen Rechner bei einer Tasse Kaffee und meinetwegen in Shorts ein Kommentar zu Programm XYZ von Politiker XYZ zu schreiben, anstatt bei endlosen Debatten auf den ausgetrampelten Pfaden darauf zu warten endlich 5 Minuten von seinem/ihrem Rederecht Gebrauch zu machen → Im Web geht das einfacher…. Wenngleich auch klar sein muss: Das Web kann die herkömmlichen politischen Prozesse nicht ersetzen, aber intensiv unterstützen und verbessern.
Prima! Nur: Ich habe nicht gesagt, daß Politiker das Web2.0 nicht nutzen sollen oder nicht nutzen dürfen. Mich stört, dass die interaktiven Möglichkeiten des Web beim Wahlkampf lediglich zur Werbung für den Kandiaten genutzt werden. Negatives, Störendes oder Zweifel werden ausgeblendet. Irrtümer und Fehler kommen nicht zur Sprache. Deswegen ist das für mich keine glaubhafte authentische Darstellung des Kandidaten, an der ich partizipieren darf.
Löwenstein nutzt als Kenner selbst das Internet als Publikationsmedium und gestaltet darüber hinaus auch beim Bürger- und Communityradio Radio Darmstadt (Betonung liegt auf Community) eigene Sendungen, kritisiert es aber als „offensichtlichen Quatsch“, wenn Politiker das Web und Community-Elemente im Web nutzen möchten?
Das Zitat “offensichtlicher Quatsch” im Artikel oben bezieht sich auf diese Zeilen aus einem Artikel des Darmstädter Echos, und dort auf die “kollektive Intelligenz”:
Darmstädter Echo: >> Mit einem Internetforum will Landratskandidat Klaus Peter Schellhaas (SPD) den Bürgern Gelegenheit geben, sich an seinem Wahlkampf zu beteiligen. Diese interaktive Form der Kommunikation solle es den Wählern ermöglichen, direkt Kontakt mit ihm aufzunehmen, zugleich aber auch die „kollektive Intelligenz“ der Zielgruppe nutzen.< <
Also ehrlich gesagt frage ich mich, wenn ich diesen Eintrag lese, wie den die Politik, ganz allgemein gesprochen, eine gestaltende Rolle übernehmen soll, wenn sie neuartige und gewinnbringende Formen der Kommunikation dem Anschein nach nicht in Gänze nutzen darf.
Hab ich auch nicht gesagt. Mir stellt sich nicht die Frage, ob Nutzung der neuartigen und gewinnbringenden Kommuniaktion oder nicht, sondern um die Art und Weise, wie sie im Wahlkampf genutzt wird. Als Werbung. Nicht zu verwechseln mit der Nutzung der “kollektiven Intelligenz”.
Auch hier, dass sind nicht meine Argumente, dass habe ich nicht gesagt.
Überhaupt:Es ist etwas arg anstrengend, sich gegen Argumente zu behaupten, die ich nicht benutzt habe.
Nicht daß neue Wege beschritten werden, stört mich. Sondern das Wie…
Also für mich stellt sich hier nun hier Frage: ist denn diese Kritik wirklich substantiell, wo man sagen könnte, OK hier hat der Löwenstein in der Tat Recht und hier muss man nachbessern bzw. über einzelne Elemente diskutieren, oder geht es einfach nur um Kritik, damit man halt mal kritisiert hat?
Und wie ist deine Antwort auf diese Frage, die du an Dich selbst stellst? Das interessiert mich.
Und eine direkte Aufforderung an Sie, Herr Löwenstein: In einem anderen Beitrag haben Sie geschrieben: ”Ja, ich habe bessere Ideen, keine Frage. Das weiß man übrigens auch in den Lagern der Kandidaten.“. Nun ich fordere Sie auf, melden Sie sich an bei Schellhaas und bringen Sie sich ein, damit ihr besseren Ideen auch die Chance haben ausdiskutiert und realisiert zu werden….
Hmm, ich bin dort dem 7. Februar mit meinem Echtnamen angemeldet, eure damalige Email dazu an mich lautete: “Hallo Gersprenz, vielen Dank für deine Anmeldung auf klaus-peter-schellhaas.de. Damit dein Account freigeschaltet werden kann, musst du auf den folgenden Link klicken….” Ich lese also mit.
Na, da gibt es wohl ein riesiges Kommunikationsproblem
)
*Blick auf den Kalender*
Kommt da noch eine Antwort – ich sag mal als Stichwort aktive Partizipation?
ja kommt bestimmt aber erst nach der landratswahl… wenn ich mehr zeit habe.