Erbach/Odenwaldkreis (pdh) Erst die Stichwahl am Sonntag brachte die Entscheidung. Obwohl sich als einziger Anwärter auf das Landratsamt des Odenwaldkreises der 58jährige Land- und Forstwirtschaftsmeister Dietrich Kübler zur Wahl gestellt hatte, musste eine Stichwahl durchgeführt werden. Wie berichtet, hatte die zweitplatzierte sozialdemokratische Kandidatin Dr. Erika Ober einen Tag nach dem ersten Wahltermin am 8. März ihre Kandidatur als aussichtslos zurückgezogen. Auf dem Wahlzettel musste JA oder NEIN angekreuzt werden. Von 76.553 wahlberechtigten Odenwäldern haben nur 22.530 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht und zu 86,6 Prozent (19.358 Stimmen) mit JA und zu 13,4 Prozent (3000 Stimmen) mit NEIN votiert. Die Wahlbeteiligung lag bei 29,6 Prozent.
Dietrich Kübler ist Vorsitzender der Freien Wähler, die sich Odenwaldkreis Überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜWG) bezeichnen. Kübler hat viele Monate in seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Erster Kreisbeigeordneter den Landrat Horst Schnur (67, SPD) bei offiziellen Anlässen vertreten, als dieser die schwerwiegenden Folgen eines Zeckenbisses auskurierte, was nicht vollkommen gelang. Mit seiner Frau Elke leitet Kübler den Waldhubenhof in Mossautal-Hüttenthal, der sich fast 400 Jahre in Familienbesitz befindet und hat den Betrieb an moderne Rahmenbedingungen angepasst und bietet auch Familienurlaub auf dem Bauernhof an.
Horst Schnur, der vor vier Wochen seinen 67sten Geburtstag feierte, hat dem Kreis achtzehn Jahre lang als Landrat vorgestanden und ist nicht mehr zu Wiederwahl angetreten. Mit ihm endet am 1. September 2009 eine traditionsreiche sozialdemokratische Ära, denn seit 1945 stellte die SPD den Landrat im Odenwaldkreis. Eine Zäsur, die die Genossen im Kreis noch nicht verwunden haben. Daher wird sich möglicherweise die politische Ausrichtung im Odenwaldkreis zukünftig verändern. Der Kreistag in Erbach hat 51 Mitglieder und setzt sich zusammen aus SPD (22), CDU (15), ÜWG (5), Grüne (3), FDP (2), Linke (2) und Republikaner (2).
Ein Landrat aus dem Kreis der ÜWG wird sich wechselnde Mehrheiten suchen müssen, um seine politischen Vorhaben umsetzen zu können. Die historische Zusammenarbeit der SPD mit der ÜWG ist nicht mehr sicher, nachdem sich Kübler gegen den erklärten Willen der Sozialdemokraten zur Wahl gestellt hatte. Man hatte ihm bei Verzicht auf die Kandidatur zum Landrat einen gut dotierten Posten als nunmehr hauptamtlichen Ersten Kreisbeigeordneten angeboten, um die sozialdemokratische Kandidatin durchzubringen. Dieses Vorhaben war im Odenwaldkreis auf harsche Kritik gestoßen und damit gescheitert. (Danke: Text und Bilder Pressedienst Hörnlein)



