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Dies ist Satire. Muss man dazusagen. In Reinheim

Von Peter Löwenstein • 15. Mai 2009 • Kategorie: Reinheim, Südhessen

In Reinheim war auf der Mai Feier des örtlichen, personell DKP-orientierten DGB Ortsvereins dieses Lied ungefähr so wie im Video live zu hören. Wie jedes Jahr zog “Cabaret Paris” beim DGB vom Leder – der Name ist hier Programm. Seit Jahren ist “Cabaret Paris” auf vielen Bühnen in Südhessen zu hören und zu sehen gewesen, auch mit “Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten..” .

Der Spruch “Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten” stammt aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Davor war Deutschland ein Kaiserreich und parlamentarische Kräfte wie die SPD hatten nur geringen Einfluss. Er stammt von der radikalen Linken, insbesondere der KPD, die aus Deutschland gerne ein Pendant zur Sowjetunion gemacht hätten und sich darüber aufgeregten, dass die Sozialdemokraten sich stärker der zweiten Hälfte ihres Namens verpflichtet fühlten und erstmal auf der Basis “gemeinsamer Nenner” eine demokratische Republik mit gründeten. Viele Kommunisten hofften damals darauf, dass die SPD sich stärker dem Sozialismus-Kommunismus zuwenden würde. Nachdem dies nicht geschah, bekämpften die Kommunisten Nazis und die “verräterische” SPD gleichermassen. (Insbesondere in Berlin in nächtlichen Straßenkämpfen und Überfällen auf deren Treffen, bei Veranstaltungen und Kundgebungen). Heutige Vertreter der kommunistischen Nachfolgeorganisationen, wie z.B. viele DKP Funktionäre finden das damalige Verhalten der kommunistischen Kräfte bis Heute so Alles in Allem ganz in Ordnung.

In Reinheim passt genau der Song allerdings nicht zu einer Veranstaltung des DGB, geht es nach der Reinheimer SPD. Die sich deshalb mit ihren örtlichen Funktionsträgern gezwungen sah, den Saal zu verlassen, um gegen den Vortrag des Liedes zu protestieren, und jetzt medienwirksam lamentiert.

Doch darum geht es in Reinheim nicht. Jeder, der in Südhessen längere Zeit politisch aktiv ist, besucht früher oder später Veranstaltungen, bei denen auch “Cabaret Paris” auftritt. Deren Programm kennt man hier. Südhessen steht für die Freunde bitterböse Satire etwas blutleer da. Man begegnet den üblichen Verdächtigen hier und dort öfter, als ich das als Ex-Frankfurter gewohnt war.

Bei einem dieser Auftritte von “Cabaret Paris” konnte ich schon vor etwas längerer Zeit viele der regionalen Bürgermeister, Amtsleiter, den Stellvertreter des Landrats und den Leiter des Arbeitamtes Dieburg im Publikum sitzen sehen. Als das jetzt umstritten diskutierte “Wer hat uns verraten…” in voller Länge live vorgetragen wurde, war das für keinen im Publikum ein Problem – niemand verliess den Saal – obwohl die Veranstaltung, hinter der auch das Arbeitsamt als Träger mitzeichnete, genauso viel oder genauso wenig neutral ausgerichtet hätte sein müssen wie die jetzt in die Diskussion geratene Veranstaltung des Reinheimer DGBs. Man lächelte und amüsierte sich.

In Wahlkampfzeiten wird eben auch dieses Jahr wieder Empörung geheuchelt – wider besseres Wissen. Meinen Favorit zu den aktuell vom Kulturamt der Stadt Reinheim gesuchten Beiträgen für die nächste Reinheimer Satirewoche habe ich damit gefunden. Heute läuft die Frist ab.

Update 19.5. – Andere Berichte dazu..
Echo Artikel – DKP will mit SPD und DGB reden.
Reinheimer SPD Seiten “DGB beschwört alte Geister“.
DKP/Linksfraktion des Landkreises Darmstadt-Dieburg: “Ungeheuerliche Entgleisung”. “Ungeheuerliche Entgleisung” – Können die Linken und DKP’ler bitte mal nachdenken, dass außer Euch 2009 wohl keiner mehr so tote Wortzombies in der Gegend herumliegen lässt? Eure Stellungnahmen, sie sind doch von lebenden Menschen geschrieben worden? Der Säzzer

Update 19.6.

Pressemeldung des DGB-Südhessen:

Die im “Darmstädter Echo” geäußerte Empörung der SPD Reinheim über ein kabarettistisches Lied auf der 1. Mai-Feier des Reinheimer DGB hält Horst Raupp (Darmstadt), Regionssekretär des DGB Südhessen, für “rein parteipolitische Aufgeregtheit”. Raupp, selbst Sozialdemokrat und seit über 25 Jahren in verschiedenen Funktionen für die SPD aktiv, hält die Presseerklärung für “völlig überzogen” und fordert die SPD Reinheim auf, zu einem sachlichen Dialog zurückzukehren: “Der DGB ist dazu jederzeit bereit. Unsere Tür steht offen. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder und denken gar nicht daran, uns vor den Karren einer politischen Partei spannen zu lassen – weder vor den Karren der DKP noch den irgendeiner anderen Partei – übrigens auch nicht vor den Karren der SPD, auch wenn dies manche in der SPD offensichtlich gerne sehen würde. Die vom Kabarett auf die Bühne gebrachten Lieder und Texte gegen Sozialabbau und Krieg müssen nicht jedem gefallen”. Raupp weist darauf hin, dass das “Cabaret Paris” mit dem gleichen Programm schon einige Veranstaltungen des DGB kulturell umrahmt hat: “Außer in Reinheim gab es keinen Protest von SPD-Mitgliedern, ganz im Gegenteil. Die haben mitgeklatscht und das das ganze als das genommen, was es ist: politisches Kabarett“.

Soweit also der DGB – und das ist auch meine Meinung. Überall sonst hier in der Region klatschte die SPD jahrelang Beifall bei den Auftritten des “Cabaret Paris”. Auch in den vergangenen Jahren bei den Maifeiern des DGB in Reinheim. Und jetzt soll, wenn es nach den Altvorderen der Reinheimer SPD geht, wegen einem der gesungenen Lieder die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit des Reinheimer DGB in Frage stehen? Welch ein Quatsch. Hier geht es um den uralten Lagerstreit der Reinheimer SPD mit der Reinheim-Ueberauer DKP. Das ist durchschaubare Parteipolitik aus alten und früheren Zeiten. Ob das den SPD-Wählern gefällt?

Echo-Online: DGB: Reinheimer SPD lehnt Gespräch ab – Streit: Gewerkschaft bietet Dialog über Vorfall bei Maifeier an und weist Parteilichkeit zurück.

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10 Kommentare »

  1. Hallo Peter,
    ich weiss nicht ob Du auf der fraglichen DGB Veranstaltung zum 1. Mai warst, und mit den handelnden Sozialdemokraten geredet hast, aber wie Du darauf kommst, dass die Empörung geheuchelt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Ich vermute Du meinst, weil andere bekannte Politiker dieses Programm schon auf diversen anderen Veranstaltungen belächelt haben, könne heute keine Empörung folgen.

    Du verkennst aber in diesem Zusammenhang die Art der Veranstaltung:
    Wenn ich zu einer Cabaret Veranstaltung gehe, weiss ich dass grobe Sprüche und politisch halbgares und unfertiges, eben etwas spassiges serviert wird.

    Wenn ich aber zu einer Maifeier gehe, erwarte ich politische Aussagen, die in etwa meiner poltischen Auffassung entsprechen und ein Solidaritätsgefühl mit den Mitstreitern.

    Gerade eine Gewerkschaft und erst recht der DGB als Gewerkschaftsbund soll die Arbeitnehmerinteressen vertreten und verschiedene politische Gruppen zusammenführen und nicht wissentlich auseinander dividieren.

    Selbst bei den künstlerischen Darbietungen einer Maifeier machen sich Hasslieder nicht besonders gut und lassen auf wenig Geschichtskenntnis schliessen.

    Gruß Wolfgang

  2. Wolfgang, ich finde es geheuchelt, aus welchem Grund jetzt von der Reinheimer SPD Kritik am Programm der Mai-Veranstaltung des Reinheimer DGB Kritik geübt wird. “Cabaret Paris” gehört seit langem zum festen Repertoire dieser Mai Feiern in Reinheim- und wie du richtig schreibst, sind die “Caberet Paris” Lieder wohlbekannt. Wer also hingeht, darf sich hinterher nicht wirklich glaubwürdig beschweren.

    Die historische Herkunft und Bedeutung des Zitates sind denke ich unbestritten – und ich unterstelle jetzt mal auch mal allen Beteiligten bekannt.

    Das Cabaret Paris dieses Lied singt, weiss man also – oder man fragt als Veranstalter nach bei Jemandem, der die drei schon mal gesehen hat. Insoweit ist auch die Stellungnahme von Marika Tesar geheuchelt, meine Meinung.

    Warum regt sich jetzt ein Teil der SPD auf, wenn anderswo gleich nebenan dieselben Lieder bei anderen Veranstaltungen genauso gesungen und beklatscht werden, auch von den Köpfen der regionalen Parteien in Amt und Würden? Kapiere ich nicht.

    Wenn es um das Zitat geht, dann ist es entweder akzeptabel oder eben nicht im Rahmen – und das gilt unabhängig vom Rahmen der Veranstaltung.

    Du schreibst: “Wenn ich aber zu einer Maifeier gehe, erwarte ich politische Aussagen, die in etwa meiner politischen Auffassung entsprechen und ein Solidaritätsgefühl mit den Mitstreitern.”

    Na, dazu fällt mir zum Einen ein, dass jede politische Auffassung sich zuallererst durch Offenheit, Toleranz und die Fähigkeit zum sich-auch-mal-auf-die-Schippe-nehmen-lassen auszeichnen sollte. Und zum anderen hat der DGB wiederholt harte Kritik an der Politik der SPD geübt, auch auf Bundesebene. Zeichnet sich euer Verhältnis in der jüngeren Zeit nicht eigentlich durch die kritische Distanz aus?

    Ich würde an eurer Stelle Cabaret Paris als Special Act außerhalb des Wettbewerbes zu den Reinheimer Satirewochen einladen, darüber mit allen Beteiligten an einem Tisch öffentlich diskutieren und so wahre Größe zeigen. Ich übernehme auch gerne die Moderation.

  3. Ich will mich hier mal als einer der DKP-nahen Teilnehmer auf der Veranstaltung outen. Als Cabaret Paris den besagten Titel ankündigte, hatte ich schon leise Zweifel, ob das Stück so gut kommt. Wenn schon mal ein paar versprengte Sozialdemokraten auf die Veranstaltung kommen, muss man sie nicht auch noch vor den Kopf stoßen – dachte ich.
    Nach dem Beitrag habe ich wie die meisten Anwesenden Beifall geklatscht – natürlich bekommt dort hauptsächlich die SPD ihr Fett weg. Aufgegriffen wird u.a. der “Verrat” an Ypsilanti und Simonis – nicht ganz unaktuell. Karl Liebknecht wird aber auch nicht gerade im Sinne der kommunistischen Pietät erwähnt.
    Was in dem Stück definitiv nicht vorkommt ist Agitprop. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgend einer der jetzt empörten Sozialdemokraten den Beitrag wirklich kennt.
    Am Ende bleibt der Vorwurf, dass die anwesenden DKP’ler zu laut geklatscht haben. Damit kann ich leben.
    Wie soll’s den bitte schön das nächste mal laufen? Cabaret Paris das Programm vorschreiben, oder das Mikro abrehen, wenn jemand sauer schaut? Klar doch – das wäre dann wie auf der Maifeier der SED.

  4. @Friedrich: Danke für diesen Einfall “im Sinne der kommunistischen Pietät”. Das hat was. Das ist richtig gut :-)

    Naja, und das die Reinheim DKP’ler ihrer kalten und alten Wut im Beifall laut, vielleicht zu laut Ausdruck geben, kann ich verstehen. Viele DKP’ler haben sich in Reinheim an der SPD aufgerieben, lange 20, 30 Jahre lang in das Herzen hart machender Oppositionsarbeit. Und jetzt, was nun? Heute, nach dem Fall der DDR, ist für die DKP kein Horizont mehr in Sicht, der zu erreichen wäre. Wenn dann solche Mai Feiern noch mal etwas Wärme geben sollen, kann ich das verstehen. Man zündelt. Doch man reibt sich am örtlichen politischen Gegner, und nur noch am Gegner. Und das haben die anwesenden örtlichen SPD Funktionsträger natürlich gut gehört.

    Der Vergleich mit den Maifeiern ist auch gut. Um Cabaret Paris geht es hier nicht wirklich.

  5. Hallo Peter,

    Du schreibst, die Texte von Cabaret Paris seien ausreichend bekannt und wer zu einer Veranstaltung gehe, bei der diese Künstler mitwirkten, dürfe sich daher nicht über Inhalte beschweren.

    Aber wird nicht anders herum ein Schuh draus? Wenn die Texte bekannt sind und der DGB ausgerechnet diese Künstler für eine 1.-Mai-Veranstaltung bucht, wird daraus eine kalkulierte politische Aussage.

    Du begründest selbst, warum die DGB-Veranstaltung von den Sozis gemieden wird und nur ein paar “versprengte Sozialdemokraten” sich die Teilnahme angetan haben. Wer außer einem Masochisten will sich schon freiwillig Schmähungen aussetzen. Umso schlimmer, dass die Befürchtungen und die Motive des Fermbleibens berechtigt waren.

    Ich weiß nicht, ob Du die Anwesenden persönlich kennst, aber anderen Menschen Heuchelei vorwerfen ist schon ziemlich starker Tobak. Auch Satire kann – Freiheit der Kunst hin oder her – Menschen verletzen und ihnen das Gefühl geben, beleidigt worden zu sein.

    Diskussionen müssen auch über satirische und kabarettistische Inhalte erlaubt bleiben und dürfen nicht einfach mit dem Hinweis “Ist doch nur Spaß” weggewischt werden. Die Debatte über die Polenwitze vor einigen Jahren und der Protest hoher polnischer Politiker hat dazu geführt, dass Harald Schmidt seinen “täglichen Polenwitz” gestrichen hat. Waren auch die Polen einfach nur humorlos?

  6. @Jutta – ich glaube, das mit den “versprengten Sozialdemokraten” und der Begründung dazu stammt von Friedrichs Kommentar, nicht von mir.

    Nachtrag, nach einigem Nachdenken:
    Satire muss weh tun. Das ist das Wesen der Satire. (Stammt nicht von mir.)

    Aber nicht alles, was weh tut, ist Satire.
    Also bleibt die Frage, ob das fragliche Lied noch als Satire durchgehen kann. Für meinen Geschmack ist das Lied, siehe das Video, pure Satire. Sowas muss das Boot abkönnen.

    Und das Liedgut soll jetzt inhaltlich eine politische Aussage bei einer Mai-Veranstaltung des DGB gewesen sein – lese ich dich richtig? Ja und wenn? Ist doch gut so! Was wäre denn anderes zu erwarten bei einer Mai Veranstaltung des DGB? Das ist doch nicht irgendein Grillabend mit Bier und Kartoffelsalat. Und die SPD ist kein Kuschelpartner der Gewerkschaften mehr, da zeigt uns der DGB auf Bundesebene doch seit Schröders Zeiten einigermaßen deutlich.

    Zum Vorwurf der Heuchelei: Die DGB Veranstaltung in Reinheim wurde dieses Jahr in derselben Tradition wie letztes und vorletztes und das Jahr davor veranstaltet. Same procedure as every year. Mit Cabaret Paris und ihrem Song als dem Kopf des Eisbären (oder war es ein Tiger?), über den die SPD dieses Jahr in etwa so dusselig wie James drüber stolpert -meine Meinung. Hätte man kommen sehen und elegant drüberhüpfen können, so als ortsansässiger SPD’ler …

    Dass sich einzelne aufregen, mag ja gut sein. Denen will ich ja ihre individuelle Aufregung auch nicht absprechen, oder schlecht reden.

    Aber muss dann gleich der ganze Reinheimer SPD Ortsverein daraus sein SPD Aufregprogramm für den Mai machen – wider besseres Wissen? Das nenne ich geheuchelt: Wenn woanders die lokalen SPD-Größen bei den gleichen Liedern von Cabaret Paris Beifall klatschen (von mir so erlebt), und dann hier bei einer DGB Veranstaltung mit ihrer Partei den Medien-Zampano im Echo üben, als ob sie dieses Anti-SPD Lied das erste Mal mit offenen Ohren und hellwachem Geschichtsbewusstsein hören.

    Ich glaube, jetzt habe ich fertig mit diesem Thema, mir dreht sich langsam der Kopf vom im Kreis reden.

  7. Hallo Peter,

    das Argument, dass andere lokale SPD-Granden Beifall geklatscht hätten, ist ja wohl das schlechteste, das es gibt. Zustimmung und Ablehnung muß jedes Individuum selbst mit sich ausmachen, im Gegenteil haben wir doch zu viele, die einem vermeintlichen Mainstream hinterherlaufen. Hätte es keinen Widerspruch gegen den Nationalsozialismus geben sollen, weil die Mehrheit zu Hitlers oder Goebbels Reden geklatscht hat? (mal überspitzt gefragt)

    Und zum Abschluß: Selbstverständlich erwarte ich – wie Wolfgang auch – politische Aussagen am 1. Mai. Aber, um Deine Argumentation wieder aufzugreifen und diesmal mache ich es hoffentlich deutlicher – wenn Cabaret Paris, ihr Programm und der fragliche Song so bekannt sind, dass Du den Sozis nahelegst, sie sollten doch gefälligst weg bleiben, wenn ihnen das nicht passe, dann ist das auch den Organisatoren bekannt und die Beleidigung einkalkuliert oder sogar gewollt.

    So, das war´s dann auch von mir.

    Herzlichen Gruß, Jutta

  8. Also, wahrscheinlich ist doch den wenigsten Lesern bekannt, um welche Art Lied es hier geht.
    Verfasser ist Marc-Uwe Kling, der z.B. letztens im Focus interviewt wurde: Link zum Interview

    Nachfolgend der Liedtext – wer in diesem Zusammenhang wie das Darmstädter Echo (auch die SPD Reinheim?) von “alten sozialistischen Kampfliedern” redet, beweist nur, dass er Null Ahnung hat.

    ———————

    Es gibt da so’n Spruch
    Von den alten Kommunisten
    Mit dem die 1918
    Ihre falschen Freunde dissten
    Natürlich ha’m wir heute
    Eine andere politische Lage
    Und trotzdem passt der Spruch
    Irgendwie in unsere Tage

    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
    Wer hat uns verraten? Wer Hat uns verkauft?
    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
    Die ha’m uns verraten! Und die haben uns auch verkauft!

    Ich glaub, ich mach ein Lied daraus
    Mit nem Arbeiterkinderchor
    Die singen den Refrain dann
    Ihren arbeitslosen Eltern vor
    Es singen schon die Angestellten
    Die Studenten und die Bauern
    Bald singen’s sogar die
    Die noch um Ludwig Erhard trauern

    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
    Wer hat uns verraten? Wer Hat uns verkauft?
    Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
    Die ha’m uns verraten! Und die haben uns auch verkauft!

    Karl Liebknecht hatte diesen Spruch
    Auf seinem Schreibtisch stehen
    Und er hängt als Poster
    Heut bei Oskar Lafontaine
    Und auch in Schleswig-Holstein
    Versteht man gut den Sinn
    Dort flüstert’s Heide Simonis
    Beim Tango vor sich hin

    Wer hat mich verraten? Sozialdemokraten!
    Wer hat mich verraten? Wer Hat mich verkauft?
    Wer hat mich verraten? Sozialdemokraten!
    Wer hat uns verraten? Wer Hat uns verkauft?

    Dann baute Schröder Schiffbruch
    Und die Ratten, die flohen sofort
    Doch sie kamen wieder zurück
    Und brachten die Schwarze Pest an Bord
    So wird mein Chor immer größer
    Und hier auf der Titanic bleibt die Band an Deck
    Und es dauert auch nicht mehr lange
    Dann singt bei uns sogar Kurt Beck

    Wer? Wer? Wer? Wer? Wer hat uns Verraten?
    Das war’n doch, sagmal: Waren das nicht Die Sozialdemokraten
    So Sang Kurnaz in Guantanamo und manch Bombenopfer im Kosovo
    Das war’n die Sozialdemokraten: Die ha’m uns verraten
    Der Sozialstaat und der Sozialismus
    Die sind beide tot
    Übrig sind nur hohle Phrasen!
    Und literweise Rot!
    Und wer steht an ihren Gräbern?
    Und hält lächelnd noch die Spaten?
    Sag nix! Lass’ mich raten: Sozialdemokraten

    Und das ganze, schöne Geld
    Wer hat’s an die Reichen verbraten?
    Das war’n doch, sagmal: Waren das nicht Sozialdemokraten

    Und meine ganzen Persönlichen Daten
    Wer hat die ans BKA verraten?
    Und wer hat keinen einzigen fähigen Kanzlerkanditaten?

    Wer hat uns verraten? Wer hat so viel Geld?
    Wer? Wer? Wer? Wer? Wer hat uns Verraten?
    Wer hat uns verraten? Wer hat so viel Geld?
    Wer hat so viel Pinke Pinke?
    Wer hat das bestellt?
    Wer? Wer? Wer? Wer? Wer hat uns Verraten?

    Für Jobcenter, für Bürokraten
    Wer hat uns verraten?
    Für Statistiken, für Wachstumsraten
    We hat uns verraten?

    An die Weltbank und die Illuminaten
    Wer hat uns verkauft?

  9. Wegen dem Liedtext bei einer Mai Veranstaltung des DGB regt sich die Reinheimer SPD ganz offiziell und lautstark auf ? Zuviel im eigenen Saft geschmort oder was?

    Draussen im Schulhof, vor der Berufsschule und bei MacDonald gehen noch ganz andere Texte ab. Da hört nur keiner hin, weil das ja ausserhalb der politischen Arenen ist.

    Die persönliche Betroffenheit und die persönliche Weltsicht von Einzelnen, ihre ganz persönlich empfundene Meinung wegen eines Liedes, eines Bildes oder einer Theatervorführung sollte nie und nimmer zum Anlass genommen werden, um damit Politik zu machen. Das wird sehr schnell peinlich.

    Ist das so schwer zu kapieren?

    Und in Reinheim waren das einzelne SPDler, die sich aufregten. Die Partei machte daraus dann ihr Husarenstück: “Kommt, jetzt machen wir endlich den örtlichen DGB platt. Der DKP nahe Haufen nervt uns doch seit Jahrzehnten. Schnell noch beim ASB anrufen, die sind ja auch bei uns im Parteiclub dabei, damit das nicht so offensichtlich als isolierte Einzelaktion aussieht und dann eine gemeinsame Presseerklärung rauspusten – oder noch besser, ruf doch gleich beim Schieck vom Echo an …”

    Da hat die örtliche CDU und die Opposition mächtig gepennt, das sie das nicht thematisiert hat. Von den Grünen ganz zu schweigen.

  10. @Friedrich und Susanne: Danke für den Liedtext und die erfrischende Wertung.

    @Jutta – Ich kramte eigentlich schon in Godwins Gesetz (Handbuch für Usenet und andere Forenmoderatoren, Seite 1): „Man kann eine Diskussion als beendet bezeichnen, wenn einer der Teilnehmer Hitler und die Nazis herauskramt.“ Mehr dazu dort drüben bei Wikipedia: -> Godwins Gesetz

    Aber so ist es schöner. Wir haben einen Weg zurückgefunden.

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