<Nichts ist menschlicher als allem Neuen gegenüber kritisch zu sein, sodass sich die Frage stellt, ob die Piratenpartei eine mögliche Alternative zu den „herrschenden“ Parteien sein kann.
Ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht.
Natürlich sind die Wahlkriterien, die man sich bei einer Partei ansieht die Ziele, die diese erreichen will und ob sie mit der eigenen Meinung übereinstimmen. Das habe ich getan und möchte im Folgenden meine Meinung dazu kundtun.
„Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden“ heißt es auf ihrer Homepage. Das klingt eigentlich sehr gut, nur glaube ich, dass dieses Recht eigentlich schon ganz annehmbar ausgebaut ist. Nur Tatsache ist, dass es kaum jemand nutzt. Gerade im Internet gehen die Leute allzu leichtfertig mit ihren Daten um und wenn es dann tatsächlich zu einem Missbrauch kommt, gibt man die Schuld der Politik. Also sollte meiner Meinung nach nicht das Recht gestärkt werden, sondern das Bewusstsein der Leute, die einem ihre persönlichen Daten geradezu hinterherwerfen.
Ein weiteres Ziel der Piraten ist die Transparenz der gesellschaftlichen Vorgänge. Das halte auch ich für wichtig, denn wer sich mit dem Staatsgeschehen befassen und sich eine Meinung dazu bilden möchte, sollte das auch tun können. Nur wer weiß, was vor sich geht, kann für sich bestimmen, ob ihm das gefällt oder nicht und kann versuchen, etwas zu verändern. Das ist eine Grundlage der Demokratie und sollte nicht durch staatliche Geheimhaltung verhindert werden.
Für gut befunden habe ich die Forderung der Abschaffung des Kopierschutzes. Beinahe jede CD hat einen Kopierschutz, der sich entweder kaum bemerkbar macht oder das Medium stark einschränkt. Ich spreche aus Erfahrung. Ich habe eine CD mit einem starken Kopierschutz. Man kann sie nicht kopieren, aber man kann sie auch nicht überall abspielen. Die Wiedergabe auf dem PC ist unmöglich, man braucht einen CD-Spieler. Ich habe aber überhaupt keinen und konnte die CD bis heute nur auf einem ausgeliehen Discman hören. Und da man die CD nicht auf den Computer bekommt, lässt sie sich ebenso wenig auf den MP3-Player übertragen, meinem Hauptabspielgerät. Damit wurde ich, als ehrliche Käuferin bestraft. Das ist unfair, sodass mir die Abschaffung des Kopierschutzes gelegen käme, da ich mir keine Gedanken mehr machen muss, ob ich eine CD nun kaufen kann, oder nicht.
Die Idee der Piraten das Patent abzuschaffen halte ich für nicht gerade sinnvoll. Das Patent ist dafür da, den Erfinder einer Sache zu gewähren, ausreichend honoriert zu werden. Das bedeutet aber nicht, diese für alle anderen unzugänglich zu machen. Gute Ideen können oftmals noch weiter ausgebaut werden, was für jeden möglich sein sollte. Dafür sollte der Urheber natürlich trotzdem einen Anteil am Erfolg der verbesserten Erfindung bekommen. Man sollte auch zwischen den verschiedenen Erfindungen differenzieren. Während z.B. besondere Herstellungstechniken von Anderen nur eingeschränkten Zugriff bekommen kann, sollten neue Entdeckungen in der Medizin für jede Forschung zugänglich sein, denn diese dient dem Wohl der Allgemeinheit.
Der letzte Punkt, den ich hier aufführen werde ist die Abschaffung von Studiengebühren. Ich bin vollstens dafür, da ich denke, dass Bildung jedem zur Verfügung stehen sollte. Es ist schlichtweg falsch, jemandem die Bildung zu verwehren, nur weil ihm die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stehen. Außerdem wird so ein weiterer Keil zwischen die Bevölkerungsschichten getrieben. Es gäbe dann nicht nur die Schere zwischen arm und reich, sondern zusätzlich noch arm & ungebildet und reich & gebildet. So eine starke Differenzierung ist meiner Meinung nach nicht wünschenswert.
Abschließend kann ich zwar behaupten, dass einige der angesprochenen Punkte durchaus Sinn machen, nur glaube ich nicht, dass zu Zeiten des Klimawandels und der Wirtschaftskrise solche Bestreben Primärziel sein sollten. Natürlich sind diese Punkte wichtig, nur sollte man die Prioritäten anders legen und sein Hauptaugenmerk auf aktuelle größere Probleme legen.
Zur Autorin:
Ich heiße Celina, bin 18 und habe vor kurzem mein Abitur gemacht. Als neue Autorin für den Regioblog möchte ich natürlich euch Leser ein paar Dinge über mich wissen lassen.
Momentan jobbe ich salopp ausgedrückt als Tellerwäscherin in einer Bäckerei, bevor ich nächstes Schuljahr entweder ein Studium beginne oder vielleicht doch ein, zwei Noten ausbessere.
Wie jeder andere habe natürlich auch ich Hobbies. Neben dem Lesen, Schreiben, Zeichnen und Musik hören und machen bin ich viel im Internet unterwegs, wo ich auch privat über meinen Alltag blogge.
Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage, warum ich dann zusätzlich noch für den Regioblog schreibe, wenn ich doch selbst einen Blog habe, der sich quasi nur um mich dreht.
In einem privaten Blog schreibt man –logischerweise- über private Dinge. Man erzählt von seinem Alltag, die Aktivitäten die man unternommen hat, berichtet über den neusten Film, den man gesehen hat und postet hier und da ein paar Fotos. Das macht zwar Spaß aber manchmal möchte man über allgemeinere Dinge schreiben. Diese finden jedoch seltener Anklang bei den Lesern, insbesondere, wenn die Klientel eines privaten Blogs hauptsächlich aus Leuten besteht, die etwa dasselbe Alter haben wie ich.
Natürlich schreibe ich auch da über meine Gedanken und Ansichten, aber es gibt manche Themen, die ich gerne mal ausbreiten würde, bei denen ich jedoch das Gefühl habe, dass sie nicht auf einen privaten Blog passen.
Deshalb sehe ich für mich als neuen Autor die Möglichkeit, die Lücke hier zu füllen, die mir dort fehlt. Und ich hoffe natürlich, dass auch ihr Leser etwas davon habt!




Hallo Celina,
schade das du die wichtigsten Programmpunkte nicht behandelst (Privatsphäre, Überwachung, Zensur), und auich scheinbar nich 100% informiert hast. Zb fordert die Piratenpartei nirgendwo die generell abschaffung des Patentes, sondern die einschränkung der patentierbarkeit von zb Software, Tier und Pflanzenpatenten.
Und zu deinem letzten absatz: Wenn wir unsere Grundrechte nicht jetzt zum thema machen haben wir evtl irgenwann nicht mehr die möglichkeit dazu.
Grüße
Andi
hi celina,
kurz zu mir, ich bin selbst noch kein pirat, überlege aber einzutreten, gewählt habe ich sie zur europawahl das erste mal und werde das auch zur btw09 wieder tun. ich finde es zwar gut, dass du was über die piraten schreibst, aber bist du dir sicher, dass du dir die ziele der partei angeschaut hast? die wichtigsten themen, wegen genau denen nicht nur ich piraten wähle und evtl. mitglied werde, erwähnst du überhaupt nicht. das ist schade und wären es nur die von dir angesprochenen punkte, würde auch ich keine piraten wählen. aber was ist denn mit dem erhalt des grundgesetzes, das immer weiter ausgehöhlt wird? was mit dem kampf für menschen-, bürger und grundrechte, privatsphäre, datenschutz, schutz vor dem immer näher kommenden überwachungsstaat, staatlicher transparenz statt gläsernem bürger, mehr direkter demokratie und allen anderen wichtigen prorammpunkten? ich hoffe, dass sich die leser dieses artikels nicht davon beeinflussen lassen und sich selbst tiefergehender informieren, bevor man die piratenpartei aufgrund solcher artikel nicht wählt.
dir und allen anderen empfehle ich einen blick auf das wahlprogramm: http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009/Wahlprogramm
[Doppelter Eindruck wurde von der Moderation gelöscht - ]
@Andi:
Hi Andi,
zunächst einmal habe ich wirklich ein paar Punkte ausgelassen, die ich noch zusätzlich hätte ansprechen können, da hast du wohl recht, doch ob ich wirklich die wichtigsten Themen ausgelassen habe, ist meiner Meinung nach relativ.
Bei meiner Recherche habe ich mich hauptsächlich an die Homepage der Piraten gehalten, auf der es für mich klang, als sei für sie die Abschaffung des Patentrechtes eine gute Alternative.
Und nun auch zum letzten Absatz: Wird das Leben durch den Klimawandel nicht mehr lebenswert, müssen wir uns wahrscheinlich auch nicht mehr um die Grundrechte sorgen
@(noch) kein pirat:
Schön zu hören, dass du dich für eine Partei entscheiden konntest und du auch hinter ihr stehst. Es gibt ja viele, die wählen einfach irgendwas, weil sie keine Ahnung haben und sich auch nicht wirklich dafür interessieren.
Mein Bericht sollte wirklich keine Wahlentscheidungshilfe sein, er behandelt einfach nur meine Meinung zu einigen Punkten, die die Partei angesprochen hat. Das komplette Programm der Piraten anzusprechen, würde hier denk ich den Rahmen sprengen, weshalb ich eben nur ein paar Punkte angesprochen habe.
Ob ich die Piraten selbst wählen würde oder nicht, verrate ich an dieser Stelle mal nicht, nur sind sie Thema des Berichts, weil sie momentan so akut in den Medien vertreten sind, selbst nach Angela Merkels nettem Dekollté
Jemand, der in Betracht zieht, die Piraten zu wählen, sollte ohnehin nicht irgendwelche Kritiken lesen, der sollte sich das Programm ansehen und dann selbst schauen, ob die Partei zu ihm passt oder nicht.
Nur die Sache mit den Grundrechten… da werde ich vielleicht als Ausgleich einen Beitrag schreiben, da das Thema wohl tatsächlich etwas zu kurz gekommen ist (:
Hallo Celina,
vielen Dank für Deinen Artikel! Als Gründungsmitglied der Piratenpartei will ich an dieser Stelle den falschen Eindruck der Einthemen- bzw. Internetpartei korrigieren. Richtig ist, dass sich die Piratenpartei primär mit den Themenkomplexen “Geistiges Eigentum” und Überwachung beschäftigt. Daraus sollte man aber nicht schließen, dass wichtige Themen wie Klimawandel, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Globalisierung bei den Piraten keine Rolle spielen.
Der Ansatz der Piraten ist allerdings etwas anders als bei den etablierten Parteien. Statt großspurig vier Millionen Arbeitsplätze zu versprechen, gehen die Piraten den Ursachen aktueller Missstände auf den Grund und versuchen Alternativen zu erarbeiten.
Ein paar Beispiele:
1. Klimawandel: Es ist mittlerweile jedem klar denkenden Menschen bewußt, dass wir dringend neue Technologien entwickeln müssen, um das Weltklima zu retten. Die Piraten setzen sich u.a. für Open Access und gegen marktbehindernde Patente (d.h. nicht generell gegen Patente) ein. Dadurch soll die Innovationskraft unserer Forschung und Wirtschaft gestärkt werden. Dies kommt gerade auch Umwelttechnologien zu Gute.
2. Wirtschaft: Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und kann seine herausragende Stellung in der Weltwirtschaft nur durch einen Qualitätsvorteil sichern. Dies erreicht man durch gute Bildung (s.u.) und eine innovationsfördernde Umgebung (siehe Klimawandel). Natürlich lassen sich damit nicht alle aktuellen Wirtschaftsfragen beantworten und sicherlich hat die Piratenpartei in diesem Bereich noch Verbesserungmöglichkeiten. Aber wenn ich mir die wirtschaftspolitischen Positionen der etablierten Parteien anschaue, bin ich mir auch oft nicht sicher, ob ich lachen oder weinen soll.
3. Gesundheit: Der Gesundheitsbereich befindet sich in massiven Umwälzungen. Hier werden, von der Öffentlichkeit oft kaum beachtet, enorme Großprojekte angeschoben. Eines, wenn nicht sogar das wichtigste, ist die elektronische Gesundheitskarte. Das wird erhebliche Kosten verursachen und kann die Rechte der Patienten massiv gefährden. Dieses Thema wird seit langem von den Piraten bearbeitet.
4. Bildung: Die Piraten setzen sich für einen möglichst fairen und breiten Zugang zu Wissen und Bildung ein (u.a. Abschaffung von Studiengebühren). Gute Bildung ist nicht nur der zentrale wirtschaftliche Faktor für Deutschland, sondern auch von großer Bedeutung für eine funktionierende Demokratie und eine gesunde Zivilgesellschaft.
5. Globalisierung: Die Globalisierung ist und bleibt ein wichtiges weltpolitisches Thema. Aber nur eine gerechte und faire Globalisierung kann zu einer Festigung des Weltfriedens und wirtschaftlichen Chancen für die Entwicklungsländer führen. Daher setzen sich die Piraten z.B. gegen Patente auf Saatgut oder Pharmapatente ein, welche für die Entwicklungsländer ein massives Problem darstellen.
All diese Themen sind untrennbar mit den Themen “geistiges Eigentum” und informationelle Selbstbestimmung verwoben. Im 21. Jahrhundert werden die globalen Verteilungskämpfe auf diesen Feldern ausgetragen werden (und natürlich um die Restbestände an Erdöl und den Zugang zu Trinkwasser). Es geht der Piratenpartei nicht (nur) um MP3-Downloads, sondern darum, diese Verteilungskämpfe gerecht und sozial zu lösen. Nun ist es an der Zeit, dass diese Themen auch im Bundestag mit der angemessenen Kompetenz und dem nötigem Nachdruck behandelt werden.
Viele Grüße
Christof