
Rund 20 Gäste sitzen an vier Tischen im Umstädter Cafe, während das TV-Wahlduell seit einer halben Stunde live von drei Wänden leuchtet. Draußen unter den tropfenden Bistroschirmen lacht eine größere Runde im Dunklen. Als ich dort mal vorbei schaue höre ich von einem älteren Mann die klare Ansage, nicht wählen gehen zu wollen. Und wenn, dann nur die FKK, “… die sei wenigstens ehrlich bis auf die Haut”. Riesengelächter der Runde unterm Schirm.
Die Bedienung bleibt bei mir stehen, wir reden über ihr Jurastudium. Sie steht vor dem ersten Staatsexamen. “Die gehen sowieso nicht wählen” meint sie mit einem Blick zu der Runde unter dem Bistroschirm. “aber hinterher wird dann geschimpft, was in der Politik alles schief läuft …” “Und das ist die Hälfte von uns”, meine ich. Sie stimmt zu. “Ja, immer weniger gehen zur Wahl. Obwohl, was will man wählen? Hier gibt es nur das kleinere Übel.” Nach dem Studium möchte Sie mit ihrem spanischen Freund auswandern. “Besser als hierbleiben.”
Das Alles ist interessanter als die im TV-Duell gelebte Bereitschaft zur Fortsetzung der großen Koalition innen Drin. Ich gehe wieder rein. Ein blutjunges Teeniepärchen sitzt unmittelbar vor der Wand mit dem 7 qm Beamerbild und futtert Tex-Mex. Nach 40 Minuten bezahlen sie und gehen, ohne zu Grüßen.
Ich schaue mich um. Die zur Übertragung gekommenen Gäste sind jetzt unter sich. Ein ehemaliger Landtagsabgeordneter, ein Bundestagskandidat und SPD-Aktive aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Und es bleibt langweilig. Für mich deutlich spürbar: Beide Kandidaten erfüllen bei Weitem nicht die Erwartungshaltung der Zuschauer, schaffen jedoch das unglaublich schwierige Kunststück, ihr Publikum nicht wirklich zu enttäuschen.
Kurz nach dem Ende des TV-Duells erstmal Schweigen. Dann kommt in der Runde am Nachbartisch eine Diskussion auf. “Er ist nicht wie Schröder.” Nicken am Tisch. Ich will bezahlen. Patrick ruft mir von seinem Tisch zu: “Und wie fandest du es ?”. “Unglaublich langweilig”, antworte ich. Er winkt ab: “Naja, du willst ja auch eher den Streit haben, bei dir muss es immer hoch hergehen.” Ich grüße freundlich in die Runde, fahre Heim und denke an die Sendung. Welches Statement war von beiden Kandidaten wortgleich zu hören? “Wir leben in der größten Krise seit den 30′er Jahren”. Hallo? Der Streit kommt erst noch.




[...] “Yes, wie gähn!” (auch Cem liest Bild), auch das Regioblog sah nur “erdrückende Langeweile“, Luto einen Hauch von Nichts, Lifereport hörte nicht mehr als schwammiges [...]