
Erstmal diese Vorbemerkung: Es ist mir eine Ehre, dass ich für die Piraten bis zu ihrer heutigen Gründung der Kreisverbände Darmstadt und Darmstadt-Dieburg die Koordination zur Presse übernehmen darf. In dieser Rolle habe ich also vorletzte Woche an die Medienvertreter die Einladungen zur heutigen Versammlung der Piraten losgeschickt.
Gestern erreichte mich ein Anruf: Das Darmstädter Echo, Herr Wolfgang Görg, Lokalredaktion Darmstadt, fragte bei mir an, ob ich einen Artikel schreiben möchte. Über die Gründungsversammlung der Piraten in Darmstadt, Knabenschule Bessungen, heute Abend. Was auf den ersten Blick wie Anerkennung (Hey, ich darf fürs Echo einen Artikel schreiben!!) aussieht, ist tatsächlich dem wachsenden Kostendruck beim Echo zuzuschreiben. Redakteur Görg teilte mir nämlich mit, dass das Echo nicht vorhat, zu dieser Parteigründung einen eigenen Reporter zu schicken.
Mit anderen Worten: Wenn die Piratenpartei von ihrer Gründung der Kreisverbände im Echo einen Artikel abgedruckt sehen will, dann müssten die Piraten dem Echo selbst produziertes Material zukommen lassen: Ein paar Textbausteine, die Abstimmungsergebnisse und auch ein paar Bilder.
Ich habe nach einigen Telefonaten mit anderen Journalisten dem Echo abgesagt, die Darmstädter Piraten darüber informiert und auch die Frankfurter Rundschau angerufen, die immerhin vom Echo und dem dahinter stehenden Medienhaus Südhessen ihren eigenen Darmstädter Lokalteil für die FR produzieren lässt.
In unserer Demokratie geht die Staatsgewalt vom Volke aus. Parteien sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie. Wenn es dann mal einer Partei entgegen der allgemeinen Parteienverdrossenheit gelingt, innerhalb weniger Monate nahezu 8000 Mitglieder für sich zu gewinnen, dann ist das alleine schon eine Meldung wert.
Und wenn sich in Südhessen von dieser Partei für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg am selben Tag zwei Kreisverbände gründen wollen (und heute Abend tun werden), dann sollte eine Zeitung, die guten, unabhängigen Journalismus anbieten will, ihren Arsch unaufgefordert selbst hoch bekommen und einen Redakteur hinschicken. Anstatt die Partei dazu aufzufordern, selbst für die Zeitung einen Artikel über die eigene Gründung zu schreiben. Hallo?
Stattdessen werden wir sicher im Echo bald weitere Berichte darüber lesen, welcher SPD-Stadtverordnetenvorsteher, welcher SPD-Landrat und welcher sonstige altverdiente Parteikopf eine Ehrennadel angesteckt bekommen hat. Immerhin stecken dabei für das Echo handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter, weil die vielen SPD-geführten Kommunen auch Auftraggeber für Anzeigen und regionale Journale sind, die im Echo und Darmstädter Medienhaus produziert und veröffentlicht werden. So ist zum Beispiel in der Satzung des Senio Zweckverbandes mit dem Landkreis als dem größten Eigner festgelegt, dass alle amtlichen Mitteilungen im Darmstädter Echo veröffentlicht werden – andere Zeitungen werden dort gar nicht erst benannt.
Update: 18. September 2009
Mittlerweile sieht es ganz danach aus, dass sich Wolfgang Görg, Lokalredaktion Darmstadt, mit dem Vorstand der beiden neu gegründeten Piratenkreisverbände nach der Bundestagswahl treffen wird, um den Rahmen der zukünftigen Berichterstattung über die Piraten anzusprechen. Dies entnehme ich seinem Anruf heute Morgen, bei dem ich den Terminvorschlag Echo/Piratenvorstand machte. Vorher ist der Terminkalender randvoll, Endspurt im Bundestagswahlkampf.
Also lieber mal abwarten, was dabei dann konkret rauskommt und bis dahin schlage ich vor, die Füße stillzuhalten.





Bravo, diese Einstellung ist nachahmenswert. Leider werden viele Vereine, Organisationen, Firmen und Parteien nicht diese eigentlich selbstverständliche Handlungsweise übernehmen. Schade. So wird das Echo zum Totengräber des Journalismus in Südhessen. Bürger, schreibt euch eure Zeitung selbst! Wolfgang Hörnlein
NIcht jede Partei hätte den Mumm, auf einen Artikel zu verzichten und statt dessen die “Faulheit” des lokalen Pressemonopolisten anzuprangern.
Wie soll Demokratie mit sochen Medien funktioneren. Soviel auch zum “Hamburger Manifest”.
Zum Glück sind wir danke Internet nicht mehr auf die Verlag angewiesen. Es gibt ja Blogger. Aber die Zeitungen dürfen sich nciht beschweren, wenn sie überflüssig werden und die Journalisten nicht, wenn sie ihren Job verlieren.
Recht geschieht es ihnen. Carsten
Naja seid doch froh das euch die euren EIGENEN Text abdrucken würden!
Die hätten euch auch einfach ignorieren können, hast dir das schonmal überlegt.
Vor der BTW zählt jeder offline Artikel doppelt und dreifach und nur weil du entweder keinen Text nicht hast oder keienn schreiben magst würde ich die Chance nicht davonziehen lassen!
Klarmachen zum Ändern und in deinem Fall als Pressepirat Klarmachen zum Schreiben! In der Zeit wo du hier lamentierst hättest du schon einen sauberen Text gehabt!
greetz Boomel
@Boomel: Das mag zwar als Wahlwerbung toll sein, widerspricht aber einem anständigen Journalismus. Darauf sollte die Piratenpartei sich wirklich nicht einlassen. Unabhängiger Journalismus ist aber ziemlich schwer zu haben in den letzten Jahren… h0uz3
Ich war Ende der Neunziger im Stadtverbandsvorstand einer großen deutschen Volkspartei – es gab zwei verschiedene Lokalzeitungen aus dem Hause WAZ vor Ort und trotzdem kam häufig niemand zu Stadtverbandsparteitagen oder ähnlichem und die Pressemitteilungen wurden anschließend 1:1 (d. h. tatsächlich wortwörtlich) übernommen. Das ist also weder was Neues, noch hat das was mit der Onlinekonkurrenz zu tun, noch nimmt man hier die Piraten nicht wichtig genug.
Das ist einzig und allein der ganz normale Alltag in einer Lokalredaktion, die sich nunmal nicht um jeden Kleinscheiß kümmert (was passiert denn auch schon groß bei der Gründung eines Kreisverbandes einer Splitterpartei, außer Vorstandswahlen) und die einfach nicht genug Personal hat, um jede Vereins-, Parteigliederungs- und Stammtischgründung durch einen Reporter begleiten kann.
Die Kleintierzüchter haben mit Sicherheit mehr Mitglieder als der örtliche Piraten-Kreisverband und anders als hier unterstellt geht es bei der Gründung eines Kreisverbands nicht um gesellschaftliche Fragen sondern um parteiinterne, organisatorische Fragen. Wenn ein inhaltlich ausgerichteter Landesparteitag in Darmstadt stattfände, hätte das Echo sicher jemanden geschickt – aber wozu zur Gründung eines Kreisverbands? Peter
Naja – das ist doch eigentlich normal so. Ist auch nichts anderes, als eine Pressemitteilung 1:1 abzudrucken, besonders bei solchen Themen, die aus journalistischer Sicht nicht wirklich sooo viel hergeben (außer bei der Gründung des Kreisverbandes haben die Piraten ein Mega Event mit Promis geplant oder irgendwas anderes abgefahrenes). Kann da Peter nur zustimmen. Jetzt gibt es keinen Zeitungsbericht – und die Darmstädter bekommen gar nix mit. Ist doch auch doof. Marsha_
Zur Klärung – Eine Pressemitteilung der hiesigen Piraten zum gestrigen Abend ist in der Mache und wird sicher auch an das Darmstädter Echo geschickt werden, so wie an alle anderen Medienvertreter auf dem Presse-Emailverteiler auch. Einen extra fürs Echo geschriebenen Artikel wird es dagegen von mir nicht geben.
Peter Peter Löwenstein
Ich sehe das wie Boomel (3.) – früher, als Pressemitteilungen noch umgeschrieben wurden, konnte man nie wissen, was am nächsten Tag in der Zeitung steht. Heute kann man als Verein oder Partei seine eigene PR unterbringen, ohne dafür via Anzeigen € bezahlen zu müssen, das ist dann quasi durch die Zeitersparnis seitens der Red. abgegolten und die haben wieder für lau eine viertel Seite gefüllt. Everybody wins. Lokalzeitungen sind und waren noch nie der Hort des hohen Journalimus, sondern immer eine Symbiose zwischen lokalen Machtzentren und vor allem Absatzmärkten.
Vielleicht wird sich das ändern, wenn die Zeitungen endgültig pleite sind und die Zeitungsleser alter Schule alle ausgestorben sind – solange gilt aber: Wes Brot ich ess, des Lied sing ich. Jonas
Also ich sehe hier einen ganz klaren eingriff der zeitung in die objektive berichterstattung. ich komme selbst von der hess. bergstraße und bin in der kommunalpolitik tätig – kenne mich auch in der kommunalen berichterstattung aus.
die lokalzeitungen sind von informationen der lokalen (kommunal-), überregionalen (landes.) und natürlich von den ansässigen bundes-politikern abhängig. die journalisten der lokalen medien müssen sich anpassen – und sie tun es auch. dazu trägt natürlich bei, dass es keine konkurrenz gibt, oftmals nur eine (lokale) tageszeitung. so fällt es leicht, kritische berichterstattung “unter den tisch” fallen zu lassen und sich ein gutes verhältnis zu den politikern aufbauen.
die kontrollmacht der medien (auf lokaller ebene) fällt weg … sagichnicht
Es gibt große Unterschiede zwischen “eine Pressemitteilung” verwenden und “den Artikel schreiben lassen”. Gute Journalisten sollten sich dadurch auszeichnen, daß sie neutral und objektiv berichten. Das kann man mit einer Pressemitteilung, indem man die Fakten herausfiltert (in diesem Fall also Namen, Orte, Stimmergebnisse) und dann etwas recherchiert, wenn man nicht gar vor Ort sein kann und möchte. Dann entfernt man die Dinge, die man als bloße Propaganda erkennt und schreibt einen Artikel oder eine Kurzmeldung. Überläßt man das Korrektiv denen, die man korrigieren sollte, hat das nichts mit Journalismus zu tun. Man hat dann nur die Wahl, ob man den Artikel verwendet oder nicht. Es darf sich jeder selber ausmalen, wie ein Artikel einer Partei so kurz vor der Wahl aussieht, wenn sie ihn selber schreibt. Vermutlich wird da wenig kritisches enthalten sein und was man als seine Kernkompetenz ansieht, wird in hellem Licht erstrahlen. Das mag man auf Plakaten ertragen müssen, in theoretisch objektiven Zeitungen muß Werbung immer noch als solche gekennzeichnet sein und teuer bezahlt werden.
Es ist daher klug gewesen, dieses Angebot nicht anzunehmen und stattdessen den Bauchpinsel-Journalismus etwas vorzuführen. Man ist das ja von den ÖR Sendern gewohnt und daß viele große Zeitungen und Zeitschriften ganz sicher nicht neutral berichten, hat wohl auch schon jeder bemerkt, aber gerade im Kleinen, im Lokalen kann man dagegen tatsächlich etwas unternehmen.
NoWay NoWay
Die Einstellung ist lobenswert, aber habe ich eine Frage zu der internen Entscheidung, die dieses noble Verhalten vielleicht begünstigt:
“Ich habe nach einigen Telefonaten mit anderen Journalisten dem Echo abgesagt”
Nicht, dass ich eurer Verhalten nicht gut heißen würde, aber entsteht hier bei mir doch der Eindruck, dass das ganze ERST NACH Telefonanten mit anderen Journalisten gereift ist. Was ist bei den Telefonaten herausgekommen? Waren es Zusagen? Hätte man bei vielen Absagen auch so gehandelt? Ist zwar alles Spekulation aber:
Ich kann mir vorstellen, dass bei den beschriebenen Telefonanten Zusagen gekommen sind, so dass man am Ende gesagt hat, “Wir sind auf die eine Zeitung garnicht so sehr angewiesen. Hier fahren wir jetzt eine andere Strategie und machen das publik”.
Diesen Eindruck erweckt der zitierte Satz bei mir unweigerlich. Also alles doch nur PR-Strategie und keine berechtigte Kritik am Journalismus? Peter
@Peter: Das Zitat meint, dass ich die Journalisten fragte, ob eine solche Artikelanfrage mittlerweile üblich sei, und wie die Journalisten dazu stehen. Der Grund für meine Kontaktaufnahme mit Journalisten war, dass ich Bauchschmerzen hatte, einerseits die PR für die Piraten bis zur Gründungsversammlung zu koordinieren und andererseits über die selbe Gründung einen Zeitungsartikel zu schreiben, zumal das Echo selbst keinen Reporter schicken will.
Deine für dich nahe liegende Folgerung, dass ich um Zusagen anfragte, um dann dem Echo abzusagen, war für mich uninteressant. Ich habe bei keinem der befragten Journalisten nach einer kurzfristige Zusage gefragt, von der Veranstaltung am nächsten Tag zu berichten. Das wäre ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen. Mir war längst klar, dass die Terminkalender der Journalisten jetzt in der heißen Endphase des Bundestagswahlkampfs am Platzen sind.
Peter Löwenstein Peter Löwenstein
Danke für die Aufklärung! Diese Sichtweise habe ich nicht in Betracht gezogen. Sieht man mal wieder, wie schnell man jemandem was böses unterstellt. Nichts für ungut
Peter
@Jonas: “Vielleicht wird sich das ändern, wenn die Zeitungen endgültig pleite sind und die Zeitungsleser alter Schule alle ausgestorben sind”
Professionelle Journalisten wird man immer brauchen, Problem ist nur, wer will dafür bezahlen? Und gerade im Lokalteil, wo es – wenn es hoch kommt – ein oder zwei Skandale im Jahr gibt.
Bzw. will man dafür soviel bezahlen, dass einer davon mit Familie leben kann? Und gerade wenn es doch so wenige Aufreger gibt und man nicht allen Themen nachgehen kann, weil der Tag nur 24 Stunden hat. Finde ich 3000 Leute, die monatlich einen Euro dafür zahlen, dass ich lokal unabhängig (und unabhängig von Anzeigen) auf meiner Website schreibe? Unter Umständen auch nur ein Artikel pro Tag, weil Recherche dauert? Drei Artikel über Terminveranstaltungen sind am Tag drin, dannach ist es nur noch eine Meldung oder ein Foto mit Bildunterschrift – kritische recherche wird aber schwierig, weil man viel telefonieren muss und auch Internetrecherche über Wikipedia hinaus dauert.
Oder wird der Journalismus von Leuten übernommen, die einen richtigen Job haben der Geld bringt und die idealistisch sich reinhängen. Mann müsste sich auf Leute wie Peter Löwenstein verlassen, dass sie über etwas schreiben. Geht aber eigentlich auch nur in Bereichen, in denen er unabhängig ist, was würde er über die IT-Consulting-Branche schreiben? Und was wenn der Urlaub macht, oder plötzlich nur noch Katzenbilder bloggt – weil’s kuscheliger und weniger abmahnungsgefährdet ist?
Meine Vision der kommenden lokalen Medienwelt ist, dass irgendwann alle Vereine etc. ihre Websites mit Feeds haben und die werden die Menschen je nach Interessenlagen abonnieren und zusammenstellen. Die Veranstalter brauchen keine Sender mehr, sie sind es selbst. Und das wird den meisten reichen, denn die wollen wissen, was in ihrem Stadtteil los ist, wann Kerb und Kinderfußballturnier bei der Rot-Weiß ist – Ergebnisse sind auch noch prima.
Ok, bei politischen Themen wird es dann kritisch, und bei Dingen die tagsüber passieren und keiner Zeit hat, aber naja, wenn interessiert das, wenn nicht gerade die Schnellstraße vor der eigenen Tür entsteht. Und dann gibt es dafür ja den Feed von der Bürgerinitiativen-Website. Am Ende hat man sowas wie eine Zeitung mit lauter Pressemitteilungen.
Hier in Darmstadt-Nord läuft das erstaunlich gut mit einer wöchenlich erscheinenden werbefinazierten Zeitung (“Stopfzeitungen” wie Peter Löwenstein, das so schön nennt – gestopft mit Anzeigen und in die Briefkästen). Wenige eigene Beiträge, dafür schrieben Vereine die Artikel. Und das Blatt ist beliebt, weil eben alle Termine im Stadtteil auf diese Art und Weise drinstehen.
Disclaimer: Ich esse Brot eines Medienhauses. Marc
Das ist eine sehr lobenswerte Einstellung. Auch ich glaube, dass sich nicht jede Partei traut, einer Zeitung so eine Abfuhr zu erteilen. Ich kenne die Situation von vielen großen, aber auch ganz vielen kleinen Zeitungen. Es wird an allen Ecken und Enden gespart. Ich habe es erlebt, dass Redakteure ihr eigenes Büromaterial von zu Hause mitgebracht haben. Ein weiteres Exempel war, dass dem Volontär die Ausbildung verkürzt wurde, weil er zu teuer war. Zu teuer, obwohl er als Volontär untertariflich bezahlt wurde. Christina Langer
Finde einmal jemanden, der sich nicht selber wichtig nimmt. Fast jede gesellschaftliche Gruppe ist von ihrer Wichtigkeit überzeugt – ob Lehrer- Kaninchen- Bahnfahrer- Gärter oder was weis ich Verband – verein etc.. Das ein Reporter mehr zu tun hat, als den ganzen Abend bei einer einzigen Veranstaltung rumzusitzen zeigt doch sogar dass der Redakteur seine Aufgabe ernst nimmt.
Lokalzeitungen haben eben keine Reporter (die für das generieren der Nachrichten zuständig sind) sonder nnur Redakteure, die die eingehenden Nachrichten gewichten, auswählen und evtl. vertiefen. Jens Jackowski
@Peter Löwenstein: Ich will dann doch mal eine Lanze für meinen Arbeitgeber brechen. (Ja, ich bin, wenn auch an anderer Stelle, selbst Echo-Redakteur und – halten Sie sich fest – höchstwahrscheinlich Piratenpartei-Wähler.) Über die Piratenpartei und von der Leyens unsäglichen Internetsperren-Bohei hat unsere Zeitung berichtet. Könnte natürlich mehr sein, aber wir unterliegen Platzbeschränkungen angesichts einer schier unendlichen Themenflut. Vielleicht hätte ein anderer Redakteur anders entschieden, aber auch ich sehe nicht die absolute journalistische Notwendigkeit, Ihren Kreisverbandsgründungsabend zu besuchen. Außer ein paar Namen (wer ist Schatzmeister, wer Vorsitzender) gibt es i.d.R. nichts zu vermelden. Das mag für Sie bedauerlich sein, ist aber sicher kein demokratiefeindlicher Akt.
Ich glaube, der Kollege (der im Übrigen ein sehr gewissenhafter ist) hat sich nur ungeschickt ausgedrückt, denn natürlich werden bei uns alle eingesandten Texte nach den üblichen journalistischen Kriterien redigiert bzw. nachrecherchiert. Dass Sie den Kollegen nun hier namentlich an den medialen Pranger stellen, finde ich bedenklich. Gerade bei einer Partei, die den Datenschutz groß schreibt. Wäre Ihre Kritik anonymisiert nicht sinnvoller gewesen?
Gestatten Sie mir eine zweite Frage: Was wäre, wenn Republikaner, DVU oder ähnliche Gesellen in unserer Region einen Kreisverband gründen und ein Echo-Redakteur würde hingehen? Käme dann nicht genauso laut der berechtigte Vorwurf, er würde radikale Splittergruppen hofieren? Eine redigierte Pressemitteilung wäre sicher besser.
Ich glaube, Ihrem berechtigten politischen Anliegen tun Sie durch diese Art der Konfrontation keinen Gefallen, und das bedauere ich sehr. Thomas
@Thomas:
Meiner Meinung nach hält sich das Echo nicht an “übliche journalistische Kriterien”. Deswegen nenne ich Namen. Und ich hätte das schon viel früher tun sollen.
Ich hoffe jetzt mal darauf, dass auch andere Mitarbeiter des Darmstädter Echos hier ihre eigenen Erfahrungen über die journalistische Qualität des Echos kommentieren.
Es mag sein, dass sich der Kollege vielleicht ungeschickt ausgedrückt hat. Er darf sicher sein, dass ich das auch höre, wenn er mir das sagen würde.
Ich bin kein Mitglied der Piratenpartei, sondern durfte bis zur Gründung des Kreisverbandes die Koordination der Pressearbeit übernehmen. In den letzten Wochen dachte ich über einen Eintritt in die Partei nach. Ich hab mich dagegen entschieden, weil mir der Regioblog am Herzen liegt und ich dafür unabhängig bleiben möchte, um hier Meinungen (und weiß Gott nicht nur die eigene) vorzustellen, die ich für wichtig halte.
“Was wäre, wenn Republikaner, DVU oder ähnliche Gesellen in unserer Region einen Kreisverband gründen und ein Echo-Redakteur würde hingehen? Käme dann nicht genauso laut der berechtigte Vorwurf, er würde radikale Splittergruppen hofieren?” Von mir nicht. Von meinen Besuchen bei Stammtischen weiss ich, dass es genug Anhänger gibt, um das vielleicht erleben zu müssen. Darüber muss berichtet werden, aber nicht neutral, nicht nur über die Abstimmungsergebnisse und den dürren Sitzungsverlauf. Sondern subjektiv, mit der eigenen Meinung, über den eigenen Widerwillen, dass man kotzen könnte so was erleben zu müssen. Und genau das leistet das Echo nicht. Deswegen kommt ihr auch in den Vorwurf des “hofierens”. Peter Löwenstein
@Christina Langer
Ist schon lustig wie sowas heute wahrgenommen wird.
Ich denke eher, daß die Zeitung der Partei eine Abfuhr erteilt hat. Und damit natürlich auch irgendwie dem eigenen Leser.
Und das nicht aus journalistischen Gründen – Pressefreiheit heißt ja auch, daß man entscheidet worüber man berichtet – sondern aus Bequenlichkeit oder um zu sparen. Sascha
@ Thomas
Der Absatz mit REPs und DVU geht völlig am Problem vorbei.
Es geht ja nicht darum, daß die nicht berichten wollten, sondern, daß man die Berichterstattung der Partei überlassen wollte.
Und natürlich sollte eine Zeitung auch über die NPD berichten (sind wir schon so weit, daß man sich unter Berichterstattung nur Jubelberichterstattung vorstellen kann?). Aber sollte die NPD die Artikel über die NPD selbst schreiben dürfen?
Das Schlimme hier ist ja nicht, daß man sparen will. Das Schlimme ist, daß man dem Objekt der Berichterstattung die Berichterstattung überträgt.
Unabhängige Presse ist was anderes! Sascha
@Peter Löwenstein:
Du schreibst/Sie schreiben: Meiner Meinung nach hält sich das Echo nicht an “übliche journalistische Kriterien”.
Sorry, aber wenn ich sowas lese, kommt mir die Galle hoch. “Das Echo”. Wer ist denn bitte “das Echo”? Müssen solche Verallgemeinerungen sein? Wir haben 70, 80 Redakteure, politische und unpolitische, dicke und dünne, schrille und spießige. Und jeder einzelne hat andere Arbeitsmethoden. Musst Du hier alle in einen Topf werfen? Klingt ein bisschen nach Sippenhaftung, und die finde ich nicht angebracht. Wäre das Thema bei mir gelandet, hätte ich vermutlich anders entschieden. Und ein dritter Kollege eventuell wieder anders.
Deinen/Ihren Ansatz, zu NPD und Co. zu gehen und die journalistisch aufzumischen, finde ich persönlich gut. Wäre ich sofort dabei, zumal ich das Genre der Reportage liebe. Aber möglicherweise sieht das der nächste Kollege anders. Weil er den Vorwurf des Hofierens fürchtet (s.o.). Oder weil er für eine strikte Trennung von Nachricht und Meinung ist. Oder weshalb auch immer.
Ich mag es einfach nicht, à la “das Echo” für meine Kollegen in Sippenhaft genommen zu werden. Ich bemühe mich, meine Arbeit gründlich, pfiffig und journalistisch sauber zu machen. Und ich bin mir sicher, der Kollege, der nun hier am Pranger steht, versucht das auch. Ich weiß nicht, welche Motive/Erwartungen er für seinen Anruf bei Dir/Ihnen hatte. Aber ich unterstelle ihm, er hätte einen von Dir/Ihnen verschickten Bericht gewissenhaft nachrecherchiert und eventuelle Jubelpassagen gestrichen. Thomas
Peter hier anzugehen, er wäre zu faul und würde eine Gelegenheit verstreichen lassen ist unangemessen. Peter hat im Rahmen der Kreisverbandsgründung [den Mitgliedern] die Wahl gelassen, wie die Verbände mit dem Thema umgehen und es wurde von Seiten der anwesenden Mitglieder entschieden und nicht im Alleingang von Peter. Basisdemokratie, wie sie von den Piraten vertreten wird.
Dazu muss man auch sagen, dass viele von uns berufsbedingt Erfahrungen mit dem Medienhaus haben und teilweise nicht positiv. Auch über Veranstaltungen meiner Firma wird nur berichtet, wenn der Artikel von uns abgeliefert wird und das, obwohl wir mit unserer Produktsparte ein politisch hochaktuelles Thema vertreten und schon Besuch von hochrangigen Politikern hatten.
Und an die Vertreter des Medienhauses hier: Wenn dieser Vorfall eine Ausnahme gewesen sein sollte, dann kann ich das mit meinen vorhergehenden Erfahrungen nicht vereinbaren. Fakt ist aber, es ist so wie von Peter berichtet bei Außenstehenden angekommen und das ist nicht demjenigen anzulasten, der hier schreibt, sondern dem, der diesen Eindruck nach Außen vermittelt hat. S.Weber
Um hier nochmals eine Lanze für die Lokalzeitung zu brechen (Disclaimer: habe früher als Schüler Ende 80er für den BA in Bensheim geschrieben und mehrere Jahre den “Stadtpfeifer”, Auflage 3000, herausgegeben):
sagichnicht (11.) Ist im Fazit zuzustimmen und auch in der Analyse.
Jeder lokal/parteipolitisch Aktive oder Ehemaliger kennt die Situation,
die hier beschrieben wird.
Auch Jens Jackowski (19.) ist zuzustimmen: Immer noch ist ein Redakteur auch der
gate-keeper, der dafür sorgt, dass das kommerzielle Produkt nicht allzusehr nach
kostenloser Bäcker-Blume aussieht. Und Menschen, die nur eine Pressemitteilung im Jahr
schreiben und auch noch lange daran feilen, haben immer ein sehr starkes Interesse,
ihre Traktate in der Zeitung zu lesen, da kann sicherlich nicht jedem Wunsch entsprochen
werden.
Marc (17.) beschreibt das interessante Szenario von 100% web-affinen Vereinsvorsitzenden,
deren interne news syndiziert und aggregiert werden. Das ist ein schönes Zukunftsbild für 2020.
Einen Kardinalfehler begehen Zeitungen, ob lokal oder bundesweit: Sie versuchen,
eine digitale Wertschöpfung ans Ende zu integrieren, also im Wege der Zweitverwertung die digitale
Version der Zeitung zu verkaufen. Und das oft ohne oder mit geringem Mehrwertnutzen.
Ich wäre bereit, für eine online-Lokalzeitung dann Geld auszugeben, wenn eben *mehr* Inhalte drinstehen,
als in der Printausgabe, eben einfach fast alles, was eingereicht wurde, wenn es eine funktionierende Community aussenrum gibt, wenn ich das Gefühl habe, einen guten one-stop-shop für lokale Nachrichten, Events, Verkäufe etc zu haben. Das alles kostet heute kein Geld mehr, wenn man es selbst entwickelt, aber die Entscheider und Konzepter sind mut-und planlos.
Aber auch in diesem Szenario sehe ich keinen Raum für den investigativen Journalisten, der
schmutzige Hinterzimmerdeals, Vetterleswirtschaft oder Unternehmenskritik in der Zeitung unterbringt.
Das ist die Aufgabe für lokale watchdogs wie das Regioblog, vergleichbar mit einer regional operierenden NGO (nicht-regierungs-Organisation), die überwacht & anprangert.
PS Sobald es wikileaks.de mit lokaler subdomain wie bergstrasse.wikileaks.de gibt, werden die Uhren sowieso neu gestellt. Jonas
@ Jonas: Danke für die gute Idee mit Wikileaks. Ich habe Kontakt mit denen aufgenommen. Ein Hessen Portal der wikileaks würde Sinn machen und Interesse finden, denke ich. Insbesondere seit der gestrigen Wahl.
Dein anderer Aspekt einer NGO ist ebenfalls interessant. Das wäre konkret eine lokale Bürgerstiftung oder ein gemeinnütziger Verein, der den regioblog und andere lokale Meinungsplattformen unterstützt. Ich will die Idee gerne mal neu durchdenken – allerdings war ich zu einem früheren Zeitpunkt zu dem Ergebnis gekommen, dass es ohne politische Entscheiderunterstützung kaum zum Leben kommen wird.
Jonas, frage dich mal selbst: Die Grünen und die SPD hier im Landkreis Darmstadt-Dieburg würden eine solche Idee begeistert unterstützen und zur Chefsache machen, vor allem wenn ich mit im Boot bin? Dann wären auch die Sparkassen im Landkreis gerne bereit, ihren Topf zu öffnen. Der SPD-Landrat sitzt ja im Sparkassen Aufsichtsrat. Peter Löwenstein
Im echo Artikel der heutigen Ausgabe steht eine Antwort:
“Scheiß Piraten“, hatte der künftige Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) schon am Wahlabend seinem Koalitionspartner und Schuldezernenten Christel Fleischmann (Grüne) zugeraunt. Die provozierend auftretende Protestpartei, die in der Darmstädter Centralstation mit T-Shirts und Fahnen Flagge zeigte, zapfte dem rot-rot-grünen Lager auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg aus dem Stand erstaunlich viele Stimmen ab.
netzgirlande Netzgirlande
[Moderiert: Der Vorsitzende der Partei "Die Linke", Darmstadt-Dieburg teilte mir mit, das dieser Beitrag von ihr nicht autorisiert wurde. Der Absendernamen dieses Beitrag ist deswegen in "Falscher Name" geändert worden. P.L.]
Wir versuchen immer wieder Skandale die sich im Kreistag ereignen und im Landkreis Darmstadt-Dieburg, es wird alles getan eher mehr negatives über uns zu berichten als das wir uns engagieren für Interessen wie ungerechte Zahlung bei den Heizungskosten für ALG II Bezieher, Privatisierung von Krankenhäuser, nicht faire Behandlung beim Wahlkampf wie im Fall Groß-Umstadt haben nach Aussagen des Bürgermeisters die Stadt beschlossen das Die Linke KEIN Stand haben darf auf dem Marktplatz, aber die anderen Parteien dürfen alles und sogar die CDU Groß-Umstadt hetzerisch im Odenwälder Bote über uns herziehen, aber wir dürfen keine Anzeige oder sonstiges Pressemitteilung wird uns nicht genehmigt. Die Erfahrung in Odenwald sieht anders aus, da darf die Linke in fast allen Gemeindeblätter inserieren außer in den Brensbacher Nachrichten will auf Anweisung des Bürgermeister der sich auf den Vertrag mit dem Zeitungsverlag beruft das keine Artikel noch Anzeigen von der Linke im Blättchen erscheint. Falscher Name
[Moderiert: Der Vorsitzende der Partei "Die Linke", Darmstadt-Dieburg teilte mir mit, das dieser Beitrag von ihr nicht autorisiert wurde. Der Absendernamen dieses Beitrag ist deswegen in "Falscher Name" geändert worden. P.L.]
Anmerkung bei der Bürgermeister in Brensbach ist SPD, also von wegen rot-rot-grünes Lager liebe Netzgirlande. Wir bekommen Gegenwind zu spüren mal hier und da mehr oder weniger. Aber bei gemeinsamen Interessen und Vorschläge wird auch dann zugestimmt oder andere Mehrheiten gesucht das ist Demokratie und nicht anders. Aber Demokratie sehe ich nicht wenn eine Partei ein Vorschlag unterbreitet und bekommt es abgelehnt und dann kommt der selbe Vorschlag leicht anders formuliert, von einer Anderen Partei und dann stimmen die entschieden dafür und verkaufen das als ihr eigenen Erfolg ist mehr als scheinheilig. Deshalb gibt es das Internet als offene und freie Informationsquelle wo auch wir unseren Standpunkt eröffnen können. Aber die Zeitungen sollen und müssen selber fragen über ihren Codex ob noch wirklich freier, unabhängiger, kritischer, überparteilicher Journalismus gibt. [Falscher Name]
@FalscherName: Ich verstehe eure beiden Kommentare hier nicht, bzw. frag mich ernsthaft, von welchem Pilz ihr genascht habt. Das ist doch ein Fake! Peter Löwenstein