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Die Macht der einen Stimme

Von Andreas G. • 30. Sep 2009 • Kategorie: Meinung
Propaganda (cc) von Grabthar

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Warst du am Sonntag wählen? Ich hoffe ja. Nun etwas, das deinen Glauben in die Demokratie vielleicht bitter erschüttern wird: Trotz der viel zu niedrigen Wahlbeteiligung haben laut vorläufigen Endergebnis 43.357.542 Deutsche eine gültige Zweitstimme abgegeben. Was bedeutet das für dich oder mich? Es bedeutet, dass deine Stimme ein Gewicht von ziemlich genau 0,00000230640380859229 Prozent hatte. Ja richtig gesehen, erst in der sechsten Nachkommastelle spielst du eine Rolle!

Das wirkt auf den ersten Blick sehr ernüchternd. Grade deshalb lohnt ein Blick auf absolute Zahlen. Und auch wenn es am Ergebnis nicht viel ändert, darf jeder Wähler beim Anblick der absoluten Zahlen denken: Wenn ich anders gewählt hätte, stände dort keine sagen wir Sieben am Ende, sondern eine Sechs. Zumindest ich fühle mich gut beim Gedanken, dass diese Zahlen, ob beim Bundeswahlleiter oder in Zeitungen und Blogs die sie verwenden, anders aussähen, hätte ich anders entschieden.

Doch es gab auch die mega-knappen Entscheidungen. Eine davon ausgerechnet direkt bei uns, im Wahlkreis Darmstadt (186). Bei den Erststimmen kamen sowohl Brigitte Zypries (SPD) als auch Andreas Storm (CDU) auf 35,0 Prozent der Stimmen. Hinter den beiden wurde Daniela Wagner von den Grünen mit 12,1 Prozent der Stimmen Dritte. Sie zieht aber über die Landesliste der Grünen in den Bundestag.

Aber zurück zu den beiden mit ihren 35,0 Prozent. Siegerin im Wahlkreis ist letztendlich Brigitte Zypries, die auch 2005 den Wahlkreis gewann. Doch war es damals noch recht deutlich, betrug der Vorsprung diesmal genau 46(!) Stimmen. Wisst ihr was 46 Stimmen sind? Das ist in etwa ein Wahlhelfer. Ein Wahlhelfer der SPD, der sich in den letzten Wochen darum bemühte, Stimmen zu sammeln, Überzeugungsarbeit zu leisten. Oder es ist ein Wahlkämpfer der CDU, der genau das nicht tat. Oder ein Wahlkampfauftritt von Brigitte Zypries, an dem sie Unentschlossene zu Wählern für sich machen konnte. Oder eben ein nicht gemachter Auftritt ihres Konkurrenten. 46 Stimmen sind eine kleine Entscheidung. 46 Stimmen sind vielleicht sogar du!

Wie gewaltig diese 46 Stimmen sind, wird noch deutlicher wenn man bedenkt, dass Andreas Storm nun nicht im Bundestag sitzt, weil sein Listenplatz aufgrund von Überhangmandaten dieses Mal nicht ausreichte. Hätte er gewonnen, wäre er selbst ein solches- und so hätten 46 Stimmen auf einmal nicht die oben genannte lange Zahl bedeutet, sondern jeweils etwas über 0,16 Prozent. Als einer von dann 623 Sitzen im Bundestag.

Weitere interessante Rechenbeispiele mit absoluten Zahlen hat übrigens Wolfgang Michal auf carta.info angestellt: http://carta.info/15549/sieben-unbequeme-wahrheiten/

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