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Atommüll-Endlagerung in Darmstadt…

Von Andreas G. • 23. Okt 2009 • Kategorie: Neu vorgestellt, Südhessen
Angst vor versteckten Risiken? (cc) sven kindler

Angst vor versteckten Risiken? (cc) sven kindler

… und zwar an der Hochschule, Campus Schöfferstraße. Natürlich geschah das Ganze nur als Vortrag und zwar als erster aus der Reihe „Energie für die Zukunft“ (http://www.energie-fuer-die-zukunft.de/index.html), einem Gemeinschaftsprojekt der „grünen Tochter“ der HSE, NATURpur, und der Hochschule Darmstadt.

Genau genommen lautete das Thema des Vortrags am Donnerstagabend „Sicherheitsanforderungen für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen und CO2“. Da mich das Thema interessiert, ließ ich es mir nicht nehmen, die Veranstaltung zu besuchen. Begleitet von einer Freundin, die ebenso wie ich dem Thema Atomkraft und Atommülllagerung sehr kritisch gegenüber steht, nahmen wir im Vorlesungsraum des Fachbereichs Elektrotechnik Platz. Dass es Elektrotechniker und nicht etwa Raumplaner waren, die die Veranstaltung organisierten, mussten wir leider auch später beim Buffet bemerken, aber dazu später.

Der eingeladene Referent war Michael Sailer. „Das könnte wirklich interessant werden“, war mein erster Eindruck, schließlich kombinierte Sailer direkt zweierlei Dinge: Fachlich als Vorsitzender der bundesdeutschen Entsorgungskommission (für vor allem Atommüll) sicher eine Autorität und optisch, vor allem mit seinen langen Haaren, zumindest dem Stereotyp eines Ökos entsprechend.

Leider konnte sein Referat meine Erwartungen nur bedingt erfüllen, denn es verlief sehr sachlich. Nicht, dass ich etwas gegen den sachlichen Umgang mit dem Thema hätte, ganz im Gegenteil. Aber für mich persönlich wurde es immer dann spannend, wenn Michael Sailer „aus dem Nähkästchen“ plauderte. Zum Beispiel, als er aus der Sicht seiner Kommission über die Vorgänge um die Lagerung von deutschem Atomabfall in Sibirien (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,655139,00.html) sprach oder als er über das schwierige Verhältnis zu Politikern mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen berichtete. Schockierend waren auch die Fotos, die er aus dem Atommüllager Asse zeigte.

Aber das waren Ausnahme-Momente. In der Regel ging es um die nötigen Anforderungen für ein Endlager und zuvor auch ein wenig über die technischen Voraussetzungen für CO2-Einlagerung im Erdreich. Beide Themenbereiche wurden ob der begrenzten Zeit natürlich nur recht oberflächlich behandelt. Daher war für mich, und andere am Thema Interessierte, nicht viel dabei, dass nicht aus der Berichterstattung im TV oder den Zeitungen schon bekannt ist.

Interessante Publikums-Reaktionen
Interessant zu beobachten war das immer wieder auftauchende Schmunzeln oder Kopfschütteln, wenn der Referent von „millionen Jahren“ sprach, die ein solches Endlager zu überdauern habe. Besonders grotesk war dies, als er zusammen mit dem Publikum darüber nachdachte, was in so langer Zeit alles passieren könnte. Die Frage, wie lange sich an ein Endlager erinnert werden würde, blieb den meisten Zuhörern wohl noch einige Zeit im Kopf.

Verwundert bis geschockt reagierte das Publikum, als Sailer auf die Menge an Atommüll zu sprechen kam. Von über 25.000 Kubikmetern sprach er. Und das sei nur der hochradioaktive, wärmeentwickelnde Abfall. Dass bei diesem darauf geachtet werden muss, dass die Temperatur 200°C nicht überschreitet, war wohl für fast alle außerhalb der Vorstellungskraft. Genauso, wie dass noch einmal ca. 270.000 Kubikmeter nicht wärmeentwickelnder Atommüll hinzukommt.

Michael Sailer überraschte viele Zuhörer auch mit ein paar Daten zu Gorleben. Er betonte, dass es entgegen der Behauptungen einiger Politiker bis heute keinen Eignungsnachweis für das mögliche Endlager gibt. Zudem dauert die Prozedur von der Festlegung auf ein Lager bis zur eigentlichen Einlagerung des Atommülls laut seiner Aussage etwa 20 bis 30 Jahre. Freilich ein Zeitraum, den kaum eine Regierung übersteht, was die Sache alles andere als vereinfache, wie Sailer zu berichten wusste. Nach etwas über einer Stunde ging der Vortrag mit Sailers Schlussstatement zu Ende, in dem er sich für eine ergebnisoffene Standortsuche an mehreren infrage kommenden Orten aussprach.

Wenn man mich fragt, hätte die Veranstaltung gerne länger dauern dürfen. Vor allem die Fragerunde am Ende wurde mehr oder weniger abgewürgt. Referent Michael Sailer machte seine Aufgabe gut, aber wie schon erwähnt, hätte ich mir tiefergehende Informationen und mehr persönliche Eindrücke gewünscht. Stellenweise fühlte ich mich nämlich wie auf einer Info-Veranstaltung für Anwohner. Trotzdem bereue ich nicht, hingegangen zu sein.

In der Hoffnung auf noch ein paar gute Gespräche verließen meine Begleitung und ich den Vortragsraum. Die Zuhörer waren noch zu einem kleinen Imbiss verbunden mit der Möglichkeit zum Meinungsaustausch eingeladen. Wie der jedoch in einem engen Gang stattfinden sollte, in dem sogar das Buffet nur mit langem Anstellen von der Seite zu erreichen war, bleibt das Geheimnis der Organisatoren.

Zeitpunkt und Themen der nächsten Vorträge kann man hier erfahren: http://www.energie-fuer-die-zukunft.de/programm/programm.html

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