Fünfunddreißig Jahre sind es jetzt, daß ich in Reinheim in der Kommunalpolitik mitmische. Mal stärker, mal mit „gebremstem Schaum“. Angefangen hat alles mit dem Kindergarten. Damals wurden mir die Kinder zu wenig auf die Schule vorbereitet. Als Elternbeirat verfasste ich mit anderen zusammen ein sog. Sozialpädagogisches Konzept. Das ging dann in den Sozialausschuß der Stadt – und ich hatte plötzlich keinen Einfluß mehr drauf.
Na klar, dass ich nun den Einfluß auf der politischen Schiene suchte: und bei der nächsten Wahl – das war 1977 – war ich über die CDU im Parlament. Das „Einfluß nehmen“ ist es, was mich bis heute in der Kommunalpolitik hält. Ich übernahm die Geschäftsführung in der CDU-Fraktion, wenig später den Vorsitz.
Dann gab es auch mal ´ne Pause (von 1989 – 92), da hatte die CDU bei den Kommunalwahlen eine ziemliche Schlappe erlitten und die drei ersten auf der CDU-Liste sind gemeinsam zurückgetreten um neuen Leuten Platz zu machen. Das traf auch mich.
Aber einen so unruhigen Geist hält es nicht lange auf der hinteren Bank. Ab 1992 war ich dann wieder dabei, auch in der vordersten Reihe – und das bis heute.
Einfluß nehmen? Immer aus der Minderheit, der Opposition heraus? Gewiß, der Einfluß hält sich aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in Grenzen. Aber gerade vor wenigen Tagen hat es der Bürgermeister von Rödermark (ein Grüner) wie ich finde, toll formuliert: Er sieht die Kommunalpolitik als ein Mosaik aus vielen Ideen, die sich zu einem Ganzen fügen. So stelle ich mir auch Kommunalpolitik vor.
Aber in Reinheim sind wir noch weit davon entfernt. Hier gibt es nur einen, der die Richtlinien und Ideen bringt und bringen darf, der der Größte ist und neben sich keinen duldet. Die Mosaiksteinchen, die die einzelnen Fraktionen bringen, werden verworfen. Anträge kommen nur von den Oppositionsfraktionen, die dann in der Regel abgelehnt werden.
Dennoch glaube ich an den Einfluß, den Oppositionen haben – und wenn es nur in Form der Kontrolle ist, damit die Hypris nicht noch größer wird als sie schon ist.
Einfluß-nehmen, das ist auch die Motivation hier im Blog als Autor(in) aufzutauchen. Eine andere Meinung vertreten, gegebenenfalls gegen eine Mehrheit, damit aber für Vielfalt sorgen, für ein farbiges Leben, für ein spannendes Leben in ständiger Auseinandersetzung. Für ein Mosaiksteinchen.





Charmant geschrieben, Danke.
Peter Peter Löwenstein