Auf der letzen Stadtverordnetensitzung am 12. November in Groß-Umstadt war in der Mehrzweckhalle Wiebelsbach ein Hauch von Kopenhagen zu verspüren. Nicht etwa weil die Stadtverordneten das Problem Klimaschutz ernsthaft und aufrichtig diskutierten, sondern weil die Mehrheit der Stadtverordneten ähnlich wie es in Kopenhagen zu erwarten ist, sich nach dem Florians-Prinzip vor den notwendigem Entscheidungen wegducken wollten.
Auf der Tagesordnung stand der Entwurf des Regionalplans für Südhessen. Dazu hat es zwei Tage vorher eine gut besuchte Bürgerversammlung gegeben auf der sich vor allem die Windkraftgegner aus Raibach zu Wort meldeten. Sie lehnen nach wie vor die aus ihrer Sicht überdimensionierten Windkraftanlagen ab, die über dem Raibacher Tal entstehen sollen. Die eigenen Interessen in solchen Veranstaltungen einzubringen gehört zum basisdemokratischen Kern der grünen Partei. Das Traurige hier ist allerdings, dass ein Teil der Stadtverordneten rein pragmatisch populistisch dem laut geäußerten Bürgerzorn ausweichen möchte und deshalb die Ausweisung von Windvorrangflächen ganz oder teilweise wieder zurücknehmen möchte. Dankbar wurde das Thema auf irgendwann vertagt, der Unmut der anwesenden Windkraftgegner vermieden.
Dabei unterliegen sie gleich in doppelter Hinsicht einem Irrtum. Windvorrangflächen sollen Baumöglichkeiten für Windräder auf wenige Flächen beschränken und waren deshalb schon immer ein Instrument um den Bau von Windkraftanlagen zu beschränken. Ein Verzicht auf diese Flächen führt allerdings dazu, dass in der gesamten Gemarkung gebaut werden darf. Da Windkraftanlagen nach Bundesbaurecht zudem privilegiert sind, können Bauanträge kaum abgelehnt werden. Den zweiten, schwerer wiegenden Irrtum machen sie, wenn sie glauben, dass sie die protestierenden Bürgerinnen und Bürger auf diese Weise wieder friedlich stimmen können. Diese werden erst dann zufrieden sein, wenn auf den Neubau der Windräder ganz verzichtet wird.
Auch das Land Hessen hat keine glückliche Hand bei der Förderung der erneuerbaren Energien und besonders der Windkraft. Der Hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dieter Posch (FDP), gelangt im August diesen Jahres ebenfalls zu dieser Erkenntnis: Die Planungen seiner eigenen Parteifreunde und seines Koalitionspartners sind schlicht und ergreifend rechtswidrig, denn der Anteil der Vorrangflächen für Windenergie ist so niedrig, dass es einer Verhinderungsplanung gleichkommt. Wie ideologisch verblendet muss man sein, dass man lieber geltende Gesetze brechen will, als Windkraft zu fördern?
Wenn schon im Kleinen, in Groß-Umstadt, der Klimaschutz der eigenen Befindlichkeit hinten angestellt wird, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auch die Bundesregierung in Kopenhagen kleinlich verzagt am Verhandlungstisch sitzen wird.
Nachbemerkung: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst. Wir glauben gerne über uns, dass wir in Sachen Klimaschutz schon viel weiter sind, als die von uns gewählten Regierenden; aber dann taucht für jeden von uns sein persönliches Windrad auf, das wir eigentlich nur hässlich finden und verhindern wollen.




Tschja. Auch die Grünen Wähler sind interessante Besitzstandswahrer, wenn es an das eigene Eingemachte geht. Viel Bekenntnis für tolle Ziele. Wenig Einsicht, das man selbst was tun muß. Noch weniger Bereitschaft, persönliche Konsequenzen mit Nachteilen zu akzeptieren, wenn darunter die eigene Lebensqualität leidet.
Die GRÜNEN hier im Landkreis würden viel Widerstand ernten, wenn sie öffentlichkeitswirksam und konsequent für die Windräder in Raibach oberhalb von Groß-Umstadt eintreten würden.
Wenn ich das alles richtig verstanden habe, ist das der einzige Standort für neue Windräder in ganz Südhessen, richtig?
Ich finde ja so ein Atomkraftwerk optisch auch viel ansprechender.
(Ironie wieder aus, nur zur Sicherheit)
@Peter Stimmt fast. Bei Stockstadt wurde ein weiterer Standort für zukünftige Windräder ausgewiesen.
Alles in allem ein schlechter Witz, dass durch den Widerstand der regierenden SPD/Grünen Koalitionen in Südhessen nicht ein neues Windrad gebaut werden soll.
a) sollen die jetzt wegen der höhe in eine waldfläche (abholzen !!!) hineingebaut werden… soviel zu grün…
b) schaffen es die jetzigen betreiber schon nicht, dass die vorhandenen 2 w.räder immer schnell genug repariert werden und wieder laufen…
c) bin ich für erneuerbare energien, man könnte auch weiter östlich auf dem feld gg. richtg. klein-umstadt bauen… (home sweet home)
d) gibts im windigeren odenwald auf den hochflächen (unbewohnt) viel mehr platz und weniger bevölkerungsbeeinträchtigung, um windräder zu bauen – nur leider keine ausgewiesenen flächen…. vielleicht sollte man auch mit den menschen VORher reden ???
@sabine – im odenwaldkreis regiert die cdu; im flachen rhein – gebiet lohnen sich wohl windräder nicht besonders, aber richtig ist – im reinheimer hügelland / odenwald des kreises da-dieburg sind genügend flächen möglich… wo politischer wille mit den bürgern – gehts auch.
nur leider zeigen die grünen ja gerade in der sogenannten “schulrochade” im osten des landkreises da-di wie wenig interesse an mündigen bürgern sie haben. hauptsache kohle gespart – koch freut sich über solche bildungspolitik – saar’ige jamaika lässt grüssen – aber ich schweife ab.