Regioblog

Artikel und Meinungen aus Südhessen

Sich Gehör verschaffen

Von Peter Löwenstein • 25. Nov 2009 • Kategorie: Meinung
Evil Iphone (cc) von mastrobiggo

Evil Iphone (cc) von mastrobiggo

Mich freut es immer wieder aufs Neue wenn ich eingeladen werde. Mein Emailfach blättert mir viele Einladungen auf, und die allermeisten davon sind öffentliche Termine, meist mit dem Hinweis diese Mitteilung doch im Regioblog zu veröffentlichen. Slow-Motion: Die Email geht ein. Darin enthalten ein Hinweis auf eine Veranstaltung, deren Details im beiliegenden Word-Dokument zu finden sind. Dem Absender fällt das Naheliegende gar nicht auf: Einen Betreff anzugeben um was es geht. Zumindest eine Zeile Text in die Email einzubauen, was da jetzt angekündigt wird. Ich muss also das beiliegende Dokument öffnen. Das Word-Dokument enthält dann alles. Geil oder? Ein Word-Dokument.

Geht das nicht auch einfacher?
Schon. Aber bevor das Wirklichkeit wird, müssen noch Jahre ins Land gehen.
Wir müssen warten, bis die Neuen endlich auf die Sessel nachgerückt sind, deren Inhaber zur Versendung von Einladungen im Namen der Verwaltung, der Tourismuseinrichtung oder der regionalen Innovationseinrichtungen berechtigt sind. Klingt hart, ist brutal benachteiligend für die regionale Wettbewerbssituation und trotzdem meiner festen Überzeugung nach nicht zu ändern.

Nun ist es ja nicht so, dass die Kompetenz wie man es anders machen könnte nicht an Bord der Verwaltungen wäre. Stichwort Praktikum. Seit einigen Monaten begegnen mir in den Verwaltungen und den Parteiorganisationen junge Leute, die das Internet sehr gut kennen. Nur was nutzt das, wenn der Bürgermeister jede Meldung erst absegnen muss, bevor sie versendet wird? Schlimmer noch: Er muss verstehen, wohin das gesendet wird, sonst gibt er kein Ok. Was nutzt Twitter, der Google Kalender und RSS, wenn die Entscheider den Jungen nicht erlauben damit selbständig modernes Marketing zu realisieren?

iphone rules (cc) von mastrobiggo

iphone rules (cc) von mastrobiggo

Womit wir beim Kern wären. Die Entscheider verstehen nicht, wie sie sich im Internet Gehör verschaffen können. Wir haben in den Verwaltungen Fachleute an Bord, die mit ihrer mangelhaften Internetkompetenz nicht mehr entscheiden sollten, wie Marketing im Internet realisiert wird.

Was wäre denn zu gewinnen?
Ein Beispiel: Mit Google Kalender eine Geopark-Führung bewerben anstatt Emails zu versenden.

Rund die Hälfte der bei mir eingehenden Einladungen sind Terminhinweise. Die berühmten Word-Dokumente. Im Detail darf man sich das so vorstellen dass eine Entscheiderin einige Viertelstunden über die Formulierungen nachgedacht hat, anschließend das Rechtschreibprogramm startete und das Worddokument nach dem Speichern als Anhang an eine Email drangeklebt hat. Und raus damit. Der Empfänger in der Redaktion darf dann den Text in Word öffnen, kopieren und in das Blog oder das Redaktionssystem rüber schieben, falls es veröffentlicht werden soll. Falls!

Viel einfacher wäre Google Kalender: Einfach bei Google anmelden, den Kalender aufrufen und dort einen Termin einrichten. Anschliessend den Kalender auf Öffentlich sichtbar stellen und fertig. Um das Ganze bekannt zu machen schickt man noch eine Email an alle bisherigen Empfänger, doch bitte im öffentlichen Kalender der Verwaltung bei Google Kalender die zukünftigen Termine nachzulesen. Außerdem legt man einen Link vor der eigenen Webseite auf den Kalender: “Die Geopark Veranstaltungen abonnieren”.

Die 3 besten Vorteile sind:

  • Der Termin ist sofort für alle sichtbar und jeder Leser kann den Termin an seine Freunde weiter empfehlen.
  • Interessenten können sich mit Namen anmelden, für den Termin, für jede einzelne Veranstaltung. Was für die Planung z.B. einer Geopark Wanderung mit Verpflegungsstationen entscheidend sein kann.
  • Alle Internetnutzer können den Kalendereintrag kostenlos nutzen. Der Veranstalter ist nicht mehr von der Gunst einer Redaktion abhängig, ob der Termin auch rechtzeitig veröffentlicht wird, und genug Platz in der kostenlosen Stopfzeitung verfügbar gemacht werden kann (“Wolle sie nicht auch eine viertelseitige Anzeige aufgeben, dann koppeln wir das und dann ist bestimmt genug Platz im Veranstaltungskalender da, gelle?”).

4 geäußerte Gegenargumente möchte ich mit einer Antwort aufführen:

  • “Wir wollen uns nicht von einem Anbieter (gemeint ist Google) abhängig machen. Dann müssten wir ja aus Wettbewerbsgründen den nächsten Dienstleister der fragt auch mit den Terminen beliefern.” Mit dem Argument dürfte man auch nicht die Redaktion des Darmstädter Echos mit den Veranstaltungsinfo beliefern. Ist ebenfalls ein Dienstleister.
  • “Das ist zuviel Arbeit.” Gemeint sind die 5 Minuten, um den Text beim Kalender einzustellen. Slow-Motion: Eine Bürgermeisterin setzt sich eine dreiviertel Stunde hin und schreibt einen Text über eine wichtige Stadtveranstaltung. Anschließend fehlen die 5 Minuten bei der Dame im Vorzimmer, um den Text in einen öffentlichen Kalender bei Google einzustellen, der von allen weltweit gelesen werden kann? Ob der Text aber von einer Zeitungsredaktion überhaupt als lesenswert beurteilt wird ist wirklich wichtiger, bringt mehr Leser und mehr Medienrelevanz?
  • “Wer liest das denn.” Mit dem Argment wird nur verraten, das man selbst zu alt geworden ist, um über zeitgemäßes Marketing noch weiter kompetent entscheiden zu dürfen.
  • “Da ist dann Werbung dabei” Genau wie bei einer Tageszeitung auch.

Fazit:
Mich erschreckt, wie alt unsere Verwaltungen geworden sind. Wie ignorant viele der Entscheider mit dem Thema Internet umgehen. Wie wenig Verständnis für junges Marketing ( ich nenne es “Iphone kompatibles Marketing”) vorhanden ist.
Es erschreckt mich so, weil die Politik und die Verwaltungen im regionalen Wettbewerb nichts zu verschenken haben – und genau das passiert gerade. Die Entscheider in den Verwaltungen kneifen vor der Herausforderung, gutes Marketing im Internet als Herausforderung anzunehmen, mangels Kompetenz.

Share

Leseempfehlungen:

Abgelegt mit den Schlagworten: , ,

Dieser Artikel ist alt. Deswegen sind hierzu keine Kommentare möglich.

Babenhausen Bloginfo Bundestagswahl09 Bürgerbeteiligung Comic Darmstadt Darmstadt-Dieburg Datenschutz Demografie Dieburg Digitale Medien Flüsschen Gersprenz Frankfurt Geopark Bergstrasse-Odenwald Gersprenz gGmbH Groß-Umstadt Hessen Hessenwahl Im Kreisgespräch Internetrecht Journalismus Kinder Kreistag Landratswahl LaDaDi Nahverkehr Ober-Ramstadt Odenwald Parteien Photoblog Piratenpartei Podcast Politik Regionalentwicklung Reinheim Senio SPD Stadthalle Transparenz Umwelt Unser Südhessen Verkehr Wahlen Zeitungen zensursula Zukunftsfähigkeit