Jeden Morgen beim Gang zum Dienst stolpert unser Bürgermeister nach eigenen Angaben vor der Rathaustür über ein Heer unsichtbarer Interessenten für Gewerbeflächen.
Eine hübsche Formulierung. Er wollte damit sagen, dass es keine Interessenten für Gewerbe in Reinheim gibt. Und wenn es keine gibt, braucht man auch keine Gewerbeflächen vorhalten. Ja, so meint er, man kann sogar hergehen und vorhandene Gewerbeflächen in Wohnflächen umgestalten – da macht der Eigentümer sogar noch ein Geschäft dabei. Man nennt das auch unfreundlich formuliert: Spekulation.
Aber braucht man denn Wohnflächen in Reinheim, damit das Spekulationsgeschäft auch aufgeht? Die Stadt hat seit 2 Jahren ein Neubaugebiet, indem die Grundstücke, die für die Einheimischen vorbehalten waren, nicht weggehen. Damit sie endlich verkauft werden können und etwas Geld in die klamme Stadtkasse kommt, hat man altes sozialdemokratisches Gedankengut über Bord geworfen und jetzt dürfen sie auch etwas teurer an auswärtige kapitalkräftige Bewerber verkauft werden. Die unsichtbaren Interessenten rennen seitdem dem Bürgermeister das Rathaus ein…
Außerdem gibt es noch ein privates Bauvorhaben größeren Ausmaßes am ehemaligen Emylis-Gelände. Auch da wurde Wohnbebauung geplant und es können etwa 14 Wohnhäuser von unsichtbaren Interessenten errichtet werden. Sozusagen die private Konkurrenz zur Stadt.
Und rundherum im Landkreis wird es Wohnfläche in Hülle und Fülle geben (z.B.: Gundernhausen, Dieburg, Babenhausen, Darmstadt), allein das ist schon riesiger Markt.
Und nun will sich die Stadt noch mehr Konkurrenz anlocken und erneut ein Gewerbegebiet zu Wohnfläche mit rund 18 Wohnhäusern umwandeln. Das allerdings soll zu Lasten des dort auch noch vorhandenen Gewerbes gehen.
Die Gewerbetreibenden haben zwar, so werden sie getröstet, Bestandschutz, aber welcher Handwerker fürchtet nicht Beschwerden der neuen Nachbarn, wenn auch mal in der Mittagszeit durchgearbeitet wird oder am Samstag immer noch keine Ruhe ist? Wer fürchtet nicht Beschwerden, weil es zu Staubemissionen bei Schleifarbeiten kommt? Und was ist in 10 Jahren, wenn der Betrieb an einen Nachfolger übergeben wird? Bekommt dieser gleich von vornherein härtere Auflagen, damit er gleich dicht machen kann, damit seine Fläche auch Wohnfläche werden kann??
Bleibt die Frage, wer ist Befürworter für Wohnbebauung außer dem Eigentümer des Grund und Bodens? Vielleicht einflussreiche Nachbarn, die ein Interesse an einer Wohnbebauung in der näheren Umgebung haben?
Die Gewerbetreibenden jedenfalls fühlen sich nur noch geduldet – nicht willkommen in Reinheim.




Erinnern wir uns an die Erweiterungsbauten bei Mepla-Alfit.
Welche Fraktion war da auf der Seite der Anwohner, die sich beschwerten.
Die saßen im Heinrich-Klein-Saal vorne links.
Und wie heißt die Fraktionsvorsitzende? Achja! Angelika Froede…
Ein wenig mehr Kontinuität und nicht reiner Opportunismus, wie es gerade passt.
Das wäre redlich. Philipp Butschek