Regioblog

Artikel und Meinungen aus Südhessen

Der Tag einer Fachoberschul-Schülerin

Von Celina • 17. Dez 2009 • Kategorie: Meinung
Schulzimmer (cc) xeophin

Schulzimmer (cc) xeophin

Spätestens um 6:40 Uhr heißt es aufstehen, denn dann klingeln gleich zwei Wecker, denn einer reicht nicht, mich aus dem Schlaf zu holen. Eine halbe Stunde später bin ich auch schon unterwegs zur Schule. Komme ich ins Klassenzimmer, sind die ersten Klassenkameraden schon da und kaum 15 Minuten später fängt die Schule auch schon an.

Ich entsinne mich gerne noch der Zeit, als man alle zwei Schulstunden eine Pause hatte. Jetzt muss ich drei Stunden warten, bis man mal eine Denkpause einlegen kann. Zu der Uhrzeit ist keiner in der Klasse wirklich leistungsstark. Fragen werden eher träge beantwortet und man sieht kaum jemanden, der sich meldet. Besonders Doppelstunden, die im wirtschaftlichen Zweig keine Seltenheit sind, strecken einen ziemlich nieder. Ich finde es schwer, sich wirklich 1,5 Stunden mit dem selben monotonen Thema zu beschäftigen. Klar, wenn man eine Klausur schreibt, muss man noch mehr Zeit investieren, aber immerhin sind die Themen vielfältiger.

Die zweite Runde nach der Pause ist deutlich besser. Die Schüler sind endlich richtig wach, es wird mitgearbeitet und dann macht es auch Spaß.

Nach der zweiten Pause haben wir bereits Betriebswirtschaftslehre, Stochastik, Technologie, Deutsch und Englisch hinter uns gebracht. Doch nun fängt die Denkarbeit erst an. Sozialkunde ist ein Fach zum Mitdenken, schlimmer wird jedoch die Doppelstunde des philosophieträchtigen Ethikunterrichts. Der besteht wirklich auch komplizierten Gedankengängen und ob man es glaubt oder nicht, nicht selten geht man mit Kopfschmerzen aus dem Unterricht. Ob das nun an neun Stunden stickigen Klassenräumen oder tatsächlich zu viel Denkarbeit liegt, kann ich nicht sagen.

Neun Stunden Unterricht sind keine Seltenheit und zum Glück habe ich Französisch abgewählt, denn dann kämen noch einmal zwei Stunden hinzu.
Um 15:15 Uhr heißt es dann endlich Schulschluss und nichts wie ab nach Hause, denn immerhin war ich schon 7,5 Stunden in der Schule. Doch wer jetzt denkt, Freizeit sei endlich angesagt, liegt falsch. 9 Stunden Unterricht mit insgesamt 7 Fächern hinterlassen natürlich einen Haufen Hausaufgaben.

Für eine Hausaufgabe in Betriebswirtschaftslehre geht schonmal eine halbe Stunde ab, und wenn unser lieber Deutschlehrer mal wieder einen kompletten Aufsatz verlangt dann noch einmal etwa 0,75 bis 1 Stunde. Andere Aufgaben sind oftmals in weniger als 20 Minuten zu schaffen, jedoch sammelt sich da ganz schön viel Zeit an. Wenn man dann noch, wie ich ein Mathematik-Defizit hat, verlängert sich die Zeit nochmal um einiges, da ich über einer Aufgabe hänge, die ich einfach nicht verstehe. Mein persönlicher Rekord liegt beim neunmaligen Rechnen ein und derselben Aufgabe, mit jedes Mal das falsche Ergebnis, ehe ich sie frustriert in eine Ecke schmiss.

Mittlerweile ist es bereits etwa 18:00 Uhr und man kann sich vorstellen, dass man dann keine Lust mehr hat. Also ein wenig verschnaufen, ein wenig fernsehen oder lesen. Ein Stündchen später lege ich mir bereits meine Sachen für den nächsten Tag raus. Doch weil morgen ein Lehrer auf die Idee kommen könnte, eine Stegreifaufgabe schreiben zu wollen, sollte man mal schauen, was in Frage käme und wieder geht eine Weile fürs Lernen drauf. Um 20 Uhr hat man dann wirklich keine Lust mehr und man kümmert sich noch ein wenig um seine Emails und den eigenen Blog bis man dann froh im Bett liegt und darauf wartet, dass der Tag wieder von vorne losgeht.

Das fünf Tage am Stück und ich denke, man hat sich ein Wochenende verdient. Meines besteht aber leider nur aus einem Tag, denn als junges Mädchen möchte man sich ja auch etwas leisten können. Das heißt für mich: Arbeiten gehen. Und das meist Sonntags für 8 Stunden, da bleibt dann auch nicht viel vom Tag, wenn man dann abends noch etwas für den Montag lernen sollte.

Natürlich ist es nicht jeden Tag so extrem krass, es gibt auch mal Tage, an denen weniger Hausaufgaben verteilt wird. Außerdem kommt dann noch die Entspannungsphase, wenn man eine Klausur hinter sich gebracht hat, denn dann kommt in diesem Fach auch keine Stegreifaufgabe mehr.

Ich hoffe man versteht mich nicht falsch, ich fühle mich nicht ständig überfordert, aber man hat eben kaum Freizeit, deshalb sollte man die, die man hat eifrig nutzen. Außerdem sollte man kalkulieren können, wann man eine Stegreifaufgabe schreiben könnte oder abgefragt wird, denn so weiß man, wann man zu lernen hat und wann nicht. Nach 12 Jahren Schule hat man dies eigentlich schon ganz gut raus.

  • Share/Bookmark

Leseempfehlungen:

Abgelegt mit den Schlagworten: , ,

3 Kommentare »

  1. Schule ist das Gegenteil von Lernen. Und zu wissen, wann man geprüft wird und wohlmöglich noch worin, macht es noch schulischer, sprich schlechter. Im übrigen ein Thema des Bildungsstreiks, weil man das an den Unis größtenteils erkannt hat.
    Es geht nicht darum, gut in Prüfungen zu sein,.sondern zu verstehen (also wirklich zu lernen). Alles andere führt dazu, dass man für/auf eine Prüfung(ssituation) lernt, nicht aufs echte Anwenden und vor allem nicht für den Tag NACH der Prüfung  

  2. Einspruch Andreas ;) Schule ist nicht immer das Gegenteil von Lernen. Zumindest in der Oberstufe hatte ich teilweise einen tollen Unterricht, bei dem man eben nicht nur für Prüfungen, sondern für das LEBEN gelernt hat. Mein Geschi-Lehrer von damals ist übrigens nicht ganz unschuldig daran, dass ich mich heute politisch engagiere ;) Es geht also. Alles steht und fällt mit guten Lehrern. Darum: Investitionen in eine gute Bildung und Ausbildung!  

  3. Ähnlich bei mir Meike. Auch ich hatte gute Lehrer aber- das muss man mahnend dazu sagen- war dies eine bischöfliche Schule. Und eben nicht die staatliche wischi-waschi-möglichst-billig-und-ideologisch- Schule.
    Mein Schule als gegenteil von Lernen, bezieht sich somit nicht auf die Anzahl der Schulen im Allgemeinen, sondern das, was hinter der deutschen ideologie Schule steckt. Nicht umsonst spricht man im Bildungsstreik ja von verschulung  

Ich sag mal was

XHTML: Du kannst diese Formatierungen nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Babenhausen Bloginfo Bundestagswahl09 Bürgerbeteiligung Comic Darmstadt Darmstadt-Dieburg Datenschutz Demografie Dieburg Digitale Medien Flüsschen Gersprenz Frankfurt Geopark Bergstrasse-Odenwald Gersprenz gGmbH Groß-Umstadt Hessen Hessenwahl Im Kreisgespräch Internetrecht Journalismus Kinder Kreistag Landratswahl LaDaDi Nahverkehr Ober-Ramstadt Odenwald Parteien Photoblog Piratenpartei Podcast Politik Regionalentwicklung Reinheim Senio SPD Stadthalle Transparenz Umwelt Unser Südhessen Verkehr Wahlen Zeitungen zensursula Zukunftsfähigkeit