Neulich begann der Vorsitzende meines Sportvereins die Jahreshauptversammlung mit den Worten: „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“ Ich stutzte und fragte mich: Bin ich eine Mitgliederin? Muss ich mich dann auch als eine Teilin der Gesellschaft sehen, als eine Menschin von 6,8 Milliarden? Wohl kaum. Zu gut gemeinte political correctness hält uns eher davon ab, wichtige Fragen der Gleichstellungsproblematik zu klären. Und davon gibt es wirklich genug.
Greenwashing in der Gleichstellung
Noch immer liegt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen bei durchschnittlich 23 Prozent – bei gleicher Arbeit und gleicher oder oft sogar besserer Qualifikation der Frau. Wir haben zwar eine Bundeskanzlerin, aber in anderen Führungspositionen großer deutscher Unternehmen sucht man Frauen meist vergeblich. Das ist traurig und muss sich ändern, gesellschaftlich wie politisch – aber sicher nicht, indem sich mehr und mehr abenteuerliche „-innen“-Konstruktionen in den deutschen Sprachgebrauch einschleichen. Was dann nämlich passieren kann, ist folgendes: Unternehmen wenden sich in ihrer internen und externen Kommunikation vorbildlich an ihre „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ und ihre „Kundinnen und Kunden“, ändern tut sich aber trotzdem nichts. Das ist Greenwashing vom Allerfeinsten, nur nicht in der Umweltpolitik, sondern beim Gender Mainstreaming.
Kompetenzquote statt Übergangslösung
Die Frauenquote wird gern als Heilsbringer beschworen, und tatsächlich sind dank der Quote inzwischen viele Frauen in wichtige Ämter in Politik und Gesellschaft gekommen, die es ohne sie nicht durch die Männerdomäne hindurch geschafft hätten. Trotzdem ist die Quote im Grunde nur eine Notlösung und kann höchstens den Übergang zu einer echten Gleichstellung markieren. In manchen Fällen ist die Quote ja sogar kontraproduktiv. Denn mal ehrlich: Ich jedenfalls möchte nicht in irgendein Amt hereinrutschen, dem ich vielleicht gar nicht gewachsen bin, nur weil ich eben eine Frau bin. Genauso wenig sollte mir natürlich ein Amt verschlossen bleiben, für das ich geeignet bin, nur weil ich eben eine Frau bin. Darum ist der Schlüssel für echte Gleichstellung die Kompetenzquote, nicht die Frauenquote. Dafür haben wir uns bei den Jusos Darmstadt-Dieburg schon vor Jahren ausgesprochen.
Alte Klischees ade
Mindestens genauso falsch wie die Diskriminierung von Frauen ist es, ein kollektives Männer-Feindbild heraufzubeschwören und sich für die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau an der Männergeneration von heute rächen zu wollen. Viele Männer von heute sind längst in der neuen Zeit angekommen, übernehmen Haushaltsaufgaben und bleiben für den Nachwuchs in der Elternzeit daheim. Sie jedenfalls verdienen es nicht, mit dem Macho-Feindbild gleichgesetzt zu werden, nur weil sie eben Männer sind. Wer echte Gleichstellung will, darf nicht nur von Männern verlangen, sich zu ändern, sondern muss auch anfangen, sich selbst zu ändern. Wenn wir Frauen einerseits „Gleichstellung“ schreien und andererseits das Prinzesschen spielen und verlangen, dass der Mann im Restaurant immer zahlt und uns die Tür aufzuhalten hat, haben wir unsere eigene Forderung nicht richtig verstanden. Wenn wir das Frau-gehört-an-den-Herd-Image zu Recht loswerden wollen, müssen wir selbst auch bereit sein, alte Klischees aufzugeben, auch die, die ja eigentlich ganz bequem für uns waren.
Alle müssen dazulernen
Viele Frauen müssen noch lernen, sich selbst nicht so sehr in den Schatten zu stellen. Sie haben keinen Grund dafür, denn Mädchen und Frauen haben oft eine bessere Schulbildung als männliche Altersgenossen und gelten als fleißiger und gewissenhafter. Sie müssen sich mehr trauen, um mehr zu kriegen. Zugleich müssen viele Männer noch lernen, dass Testosteron eben nicht der alleinige Herrscher der Welt ist, und dass Frauen nicht nur, wie Kanzler a.D. Schröder es formulieren würde, Experten für „Familie und das ganze andere Gedöns“ sein können. Beides geht nur, wenn wir die Worthülse Gleichstellung endlich mit Taten füllen: Weiterbildungen und Förderung für Frauen und Männer gleichermaßen, flächendeckend genügend Betreuungsplätze für Kinder, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, und vor allem: offen miteinander reden.
Wenn wir das wirklich schaffen, und zwar auf politischer Basis sowie in den Köpfen von uns allen, dann kann ich jedenfalls damit leben, einfach nur als „Mitglied“ eines Sportvereins begrüßt zu werden. Der deutschen Sprache erweisen wir damit sogar auch noch einen Dienst.





Ich mag deinen Punkt unter “alte Klischees ade”. Denn hörte ich schon mehrfach von selbsternannten Ritterinnen der Gleichberechtigung den Ausdruck “haha!” auf das Thema Bund/Zivi…
Nichtsdesdotrotz bin ich fü eine Quotenregelung, abe ganz an anderer Stelle: In Kindergärten und Grundschulen brauchen wir ganz dringend mehr Männer! Vor allem in Zeiten, in denen Ehe oder Beziehung als “Zwischnlager” angesehen werden. Das ist sogar wissenschaftlich belegt (hab die Texte gerade nicht an der Hand).
Und dann relativiert sich auch “denn Mädchen und Frauen haben oft eine bessere Schulbildung als männliche Altersgenossen und gelten als fleißiger und gewissenhafter” wieder!
@Andreas: Ja sicher, wir brauchen auf alle Fälle mehr Männer in Kindergärten und Grundschulen. Aber eine Männer-Quote wäre dort langfristig auch nicht die Lösung. Das Kern des Problems ist nämlich die schlechte Bezahlung in diesen Berufen. Das heißt: Wir brauchen deutlich bessere Löhne im Erziehungsbereich, das schafft Anreize und befreit die Erzieherberufe vom Ruf der typischen “Zweitverdienst-” (ergo: Frauen-)Jobs. Franz Müntefering hat letztes Jahr bei einer Veranstaltung in Darmstadt sinngemäß mal gesagt: “Hätte es schon immer mehr Männer in Erzieherberufen gegeben, dann wären sie heute längst besser bezahlt.” Ich denke, da ist viel Wahres dran.
Ich halte Quoten generell für kurz- bis mittelfristige Dinge. Abe ich glaube nicht, dass mehr Geld als Bezahlung mehr Männe bedeutet. Das würde ja bedeuten Frauen sind “so dumm” sich billige Jobs zu suchen, Männer nicht.
Es ist viel mehr ein gesellschaftliches Phänomen, dass Männer in diesen Jobs belächelt werden- auch von Frauen. Da muss man ansetzten. Eine gute Bezahlung ist klar, aber die regelt keine Geschlechter-Verhältnisse
@Andreas: Ich komm jetzt gerade nicht mit, was du meinst.Liegt vielleicht auch an meinem verschnupften Hirn, schnieff… Lese ich, dass gute Bezahlung die Geschlechter Verhältnisse nicht regelt?
Gruß, Peter
Grundsätzlich finde ich es zwar nicht falsch, was du schreibst, aber seien wir doch ehrlich: daß Frauen immer noch benachteiligt werden, liegt weder an übertriebenem Gebrauch von “-innen” oder daran, daß Frauen zu bequem sind, eine Tür zu öffnen und auch nicht daran, daß Frauen gar so schüchterne Hascherl sind, die es nicht wagen, ihre Fähigkeiten zu präsentieren. Diskriminierung gibt es nach wie vor aus demselben Grund: Männer haben keine Lust, uns freiwillig von ihren Privilegien etwas abzugeben. Alles, was wir Frauen heute haben, mußten wir uns erkämpfen und ich sehe nicht, daß es in naher Zukunft anders sein könnte.
Sicher, nicht alle Männer sind miese Machos, im Gegenteil, in der Vergangenheit verdankten es Frauen oft engagierten Männern, daß so manches Unrecht abgeschafft wurde. Das will ich nicht schmälern und ich will auch nicht auf Männer allgemein eindreschen. Trotzdem: mir paßt dieser Kuschelkurs nicht, den so viele, vor allem junge Frauen heute drauf haben. Damit wird sich nichts, aber auch gar nichts, verbessern. Wenn wir weiter nur die Schuld bei uns selbst suchen, dann können sich die Paschas zurücklehnen und amüsiert zugucken, wie wir im Hamsterrad weiterrödeln, ohne jemals vorwärts zu kommen.
Was wir brauchen, sind um einiges verschärfte Gesetze, die z. B. mit Lohndiskriminierung aufräumen. Etwa durch den Zwang zur Offenlegung der Gehälter in Firmen. Schluß mit der Geheimniskrämerei, die nur dazu dient, Männer heimlich besser zu entlohnen. Kinderbetreuung? Schön und gut, mehr und bessere Kitas sind nicht falsch. Aber auch hier: Elternzeit sollte es nur noch geben, wenn beide, Mutter und Vater, diese zu gleichen Teilen in Anspruch nehmen. Nur so erreichen wir, daß Unternehmen nicht mehr automatisch davon ausgehen, daß nur Frauen Ausfallzeiten durch Kinder haben werden. Und: Schluß mit dieser derzeitigen Fixierung in der Frauenpolitik auf Mütter. Kinderlose Frauen sind ebenfalls nur marginal besser dran in der Arbeitswelt und von der generellen Diskriminierung kinderloser Singlefrauen in unserer gegenwärtig durch Muttiwahn geprägten Politik will ich gar nicht erst anfangen. Wobei erwähnenswert ist, daß sich hier sicher auch viele alleinstehende Männer angesprochen fühlen.
Nicht falsch verstehen, ich will nicht sagen, daß es schlecht ist, wenn Mütter (und Väter) Hilfe bekommen, so sie welche brauchen. Aber wenn Frauenpolitik zur reinen Familien-mit-Kleinkindern-Politik verkommt, dann wird die Gleichberechtigung von Frauen keinen Schritt weiterkommen. Weil diese Politik, die die Mami-Papi-Kind-Familie hochjubelt und jeden anderen Lebensentwurf für weniger wert erklärt, im Gegenteil dafür sorgt, daß das Patriarchat zementiert wird. Das Ergebnis können wir ja in unserem schönen Staat derzeit bewundern.
Sorry, wenn das alles wütend klingt. Aber ich habe den Kanal gestrichen voll von der “Frauenpolitik” made in Germany. Daß es besser geht, zeigen andere europäische Länder und die USA schon lange.
“Mitgliederin”: Haha, schönes (trauriges) Beispiel… Interessanter Artikel, gut geschrieben. Eine Anmerkung meinerseits zu dieser Aussage:
Wenn wir Frauen einerseits „Gleichstellung“ schreien und andererseits das Prinzesschen spielen und verlangen, dass der Mann im Restaurant immer zahlt und uns die Tür aufzuhalten hat, haben wir unsere eigene Forderung nicht richtig verstanden.
Ich finde/fände es ehrlich gesagt auch schade, wenn Männer in Zukunft gar nicht mehr Gentlemen sein dürften und einer netten Dame die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen dürften. Das finde ich als eine nette und aufmerksame Geste. Leider gibt es Frauen, die dafür keinerlei Verständnis haben und noch böse gucken statt freundlich zu lächeln oder danke zu sagen. Dann vergeht einem in der Tat die Lust am Tür aufhalten – was ich schade finde. Höflichkeitsetiketten sind doch im Allgemeinen begrüßenswert. Und so viele Gemeinsamkeiten wir auch haben mögen: So viele Unterschiede gibt es auch nach wie vor (offensichtlich!) zwischen Mann und Frau. Und ganz ehrlich: Das macht es doch erst so spannend, oder nicht?!
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Jegliche Form von Diskriminierung lehne ich natürlich strikt ab, gar keine Frage. Daher begrüße ich auch deinen Artikel sehr, Meike. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen von einem Extrem ins andere zu rutschen (was leider sehr menschlich ist).
@JUICEDaniel: Ein einfaches *zustimm* An manchen Ecken, geht gewollte Gleichbehandlung in Gleichmacherei über, aber wir sind halt nicht alle Zwitter!
@Peter: Ja, tust du. Aber bitte nicht verallgemeinern. Ich wollte damit nur Meike widersprechen in einem Punkt aus ihrem Kommentar, weil ich nicht glaube, dass nur weil KiTa-Betreuer besser bezahlt würden, sich dort die Geschlechterverhältnisse ändern. Was natürlich nicht bedeutet, dass dort nicht besser bezahlt werden sollte. Sollte es nämlich!
@Dune: Schuld bei sich suchen, sollte man aber nicht vergessen. Zu deinem Satz Weil diese Politik, die die Mami-Papi-Kind-Familie hochjubelt und jeden anderen Lebensentwurf für weniger wert erklärt, im Gegenteil dafür sorgt, daß das Patriarchat zementiert wird. Möchte ich etwas zu bedenken geben:
Seit der Emanzipation nehmen auch Scheidungen zu, in der folge “alleinerzogene” Kinder und noch einen Schritt weiter: Keine Kinder bekommen als Lebensentwurf. Das ist SELBSTVERSTÄNDLICH alles erst einmal eine feie Entscheidung und das sollte nicht anders sein. Aber: Eine (nicht nur temporäre) Ehe und diese mit Kinden sollte (ob man es traditionell, biologisch, religiös oder soziologisch) begründet, doch zweifelslos eine Art Ideal sein. Mich stört nämlich durchaus, dass dies nicht mehr so gesehen wird. Stichwort: Ehe als Auslaufmodel, Kinder als Karrierehindernis, etc. Das sind alles keine Fragen von Gesetzgebung, aber von unserem gesellschaftlichen Verständnis.
Zensursula wollte erst vor kurzen die Geburtenrate wieder erhöhen (die Gründe dafür sind vielschichtig, aber die Probleme die wir andernfalls haben, könnte “unseren schönen Staat” kaputt machen). Ihr Rezept: Alleineziehende besser Unterstützen. Kind und Beruf besser vereinbaren können. Alles schön und gut, aber wo ist der dritte Ansatz? Kind statt Beruf nicht meh als Looser-image verkaufen. Warum wid das so gesehen, warum wird es als Diskiminierung gesehen? Ist ein sonstwie bezahlter 42h-Job mit Fürhungsposition wirklich gesellschaftlich mehr wert, als das großziehen von Kindern? Erbärmlich materiell…
@Andreas
Die Ehe als Ideal? Nö. Einfach nö. Das ist genau der altbackene Mist von vorgestern, den wir uns heute nicht mehr antun müssen. Was du da schreibst, ist schlicht und einfach ein Rückfall in eine Vergangenheit in der Frauen nur als Heimchen am Herd eine Daseinsberechtigung hatten.
Und es ist auch kein bißchen intelligent, Frauen zu empfehlen, Karriere als “bäh” abzutun und schön daheimzusitzen. In welche materiellen Nöte das führt, wissen wir doch inzwischen alle. Oder sollten es wissen.
Außerdem frage ich mich, weshalb immer so hysterisch von der Ehe als “Auslaufmodell” gesprochen wird, sobald irgendeine Frau sagt, daß sie weder Kinder noch Ehe will. Ich gehe davon aus, daß es dich (und alle anderen, die so reagieren) offenbar ärgert, wenn eine Frau nicht in das von dir favorisierte Schema paßt. Aber stell dir vor, du wirst damit leben müssen. Denn eine ganze Menge Frauen haben keine Lust mehr, sich ein vorgestriges Ideal aufdrücken zu lassen. Und ein paar alleinerziehende Väter oder gewollt kinderlose Männer gibts ja auch, die das Geschwafel vom “Ideal” der Ehe satt haben.
Zumal die Ehe auch nie irgendwas ideales war, sondern schlichtweg ein Modell, das den Erbgang über die männliche Linie ermöglichen sollte. In grauer Vorzeit gab es keine DNA-Analyse, folglich mußten Männer auf anderem Weg sicherstellen, daß tatsächlich nur ihre eigenen Kinder erbten. Ergebnis: der Zwang zur Eheschließung und eine scharfe gesellschaftliche und juristische Ächtung von außerehelichen Sexualkontakten für Frauen. “Ideal” ist daran gar nichts, außer der Zweckerfüllung für die patriarchal geordnete Gesellschaft.
Das ist doch Quark. Ehe, Beziehungen, Vater und Mutter für ein Kind (bzw. mehrere) sind keine Erfindung, die ein paar Männer sich hinter verschlossenen Türen (oder Höhlen) ausgedacht haben, um Frauen zu unterdrücken.
Außerdem bedeutet Ehe nicht nur Frau am Herd (ich koche übrigens gerne), sondern auch Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen(!), Liebe und Treue. Sind das etwa alles Unterdrückungsmechanimsen?
Und wenn wir von diesem Familienmodel vollkommen Abstand nehmen, wohin das führt ist bislang nu in Ansätzen bekannt. Ich schieb z.B. schon darüber, dass die Quote der Abiturienten/Studenten auch daher weiblich tendiert. Ebenfalls lesenswert: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,679334,00.html
Was ich auf jeden Fall sagen möchte: So geschimpfe gegen Ehe, Männer, Unterdrückung etc. – vor allem wenn es so pauschal ist – empfinde ich als sehr abwertend und damit beleidigend gegenüber Männern, die daran glauben/hoffen/glauben wollen, dass Man(n) heutzutage längefristige Beziehungen, im Sinne von “bis das der Tod euch scheidet” führen kann, bei denen man auch Kinder hat und keine das Gefühl hat, sein Leben war nur zweiter Klasse. Und es gibt nicht nu Leute, die daran glauben, sondern auch leute, die das erleben bzw. erlebt haben
@Andreas: OOoooooooh! Hast du schlechte Laune? Denn was du bei Dune zu lesen glaubst kann ich so in ihrem Kommentar nicht lesen.
Ich sags ja, Andreas ist einer derjenigen, die stur ausschließlich den Mami-Papi-Kind-Lebensentwurf durchdrücken wollen. Alles was nicht in sein beengtes Bild paßt, ist von vornherein schlecht. Liebe und Geborgenheit gibts nur in der Zweierbeziehung mit mindestens einem Kind, alle anderen Arten des Lebens, bzw. des Zusammenlebens sind minderwertig.
Auch nur die allerkleinste Kritik an dieser schön festgezimmerten Welt wird als Bedrohung empfunden und sofort als Anzeichen eines totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft gedeutet. Alleinerziehende, Singles und Paare ohne Kinder, Schwule und Lesben werden in diesem Weltbild dann gern als Feindbild aufgebaut und zu Sündenböcken gemacht, wenn es mit der heiligen Ehe und Familie doch nicht so ganz klappt.
Und übrigens, Andreas, es ist nun einmal so, daß die Entstehung der Einehe auf Grund von Vererbungsmechanismen erfolgte, inklusive der negativen Folgen für Frauen. Das heißt nicht, daß sie in vielen Fällen nicht für das einzelne Paar auch etwas gutes sein kann. Nur taugt dieses Konstrukt nicht als Ideal, da eben viele Menschen andere Vorstellungen von ihrem Leben haben. Es ist aus diesem Grund überhaupt bedenklich, ein Ideal zu propagieren. Weshalb ja auch diejenigen, die einen anderen Lebensentwurf favorisieren, nicht die Ehe abschaffen wollen. Es geht nur darum, alle möglichen Lebensentwürfe gleichberechtigt nebeneinander zu stellen.
@Dune: Du bist wirklich erstaunlich. Du siehst und erkennst soviel. Du weisst aus z.B. aus nur zwei, drei Kommentaren, wer stur und ausschließlich nur einem / seinem Lebensentwurfsraster folgt.
Da frage ich mich, ob dir das Leben zwischen den festgezimmerten Welten all der Anderen nicht langweilig wird? Ich mein, dass könnte doch wirklich so sein, dass du dich langweilst, weil dir die Welt statisch vorkommt. Wenn die Menschen in ihrem Denken und ihre Lebensentwürfe von Dir so leicht durchdrungen, erklärt und beurteilt werden können?
Einen lesenswerten Artikel zur Gender Debatte schrieb Lena Rohrbach, Berliner Piratin
Gruß, Peter
Also we mich kennt weiß, dass ich in Blogs und Kommentaren gerne verstärkte Positionen beziehe.
Klar distanzieren muss ich mich von dem Vorwurf, Lesbe und Schwule passen nicht in mein Weltbild. Dafür müsste man nur meinen Freundeskreis betrachten…
Die “Gleichstellung” von einer funktionierenden Ehe mit “fi**dichwilddurchsleben” (wieder Extremposition) ist aber keine wirkliche Gleichstellung sondern eine Herabwürdigung einer Ehe. Im Übrigen ist eine solche “Gleichstellung” sogar Grundgesetzwidrig! (siehe Artikel 6)
Ich sagte ja bereits, ich habe nichts gegen Selbstbestimmung, Singles (hallo, ist man immer vor ner Ehe mindestens ne zeit lang) und auch nicht jede Ehe klappt, natürlich. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, dass wenn Leute ein Kind in die Welt bringen zumindest den Anspuch haben, dieses gemeinsam groß zu ziehen?
Außerdem glaube ich nicht, dass die Ehe als Unterdrückung gedacht ist. Das würde ja bedeuten, Tierarten die monogam leben wären alle mit einer Unterdrückenen, bewusst gewählten und vererbten Kultur ausgestattet. Ich weiß, dass der Mensch nicht durchgängig von Natur aus monogam ist, aber er hat solche Tendenzen.
Ich hänge diesem Text eine imaginäre Friedenspfeife an, bitte nichts damit anzünden
Wie schön. Der Friedenspfeiferer reicht die Friedenspfeife. Her damit. Dune?
Nun, Peter, Andreas dürfte mit seinem neuesten Kommentar bestätigt haben, daß er ausgezeichnet in das Bild paßt, das ich gezeichnet habe.
Schließlich fällt ihm als Gegenentwurf zur Ehe nur sofort “fi**dichwilddurchsleben” ein. Und Single ist man halt so mal, vor der Ehe. Aber nur nicht lebenslang, das wäre dann wohl wieder ein “bäh”, oder sollten wir irgendetwas anderes aus dieser interessanten Aussage folgern ? Sorry, aber ich sehe da keinerlei Ansatz seinerseits, andere zu akzeptieren, wie sie sind.
Außerdem, Andreas: selbst wenn jemand nun unbedingt den “fi**dichwilddurchsleben”-Entwurf für sich beansprucht, dann geht das alle anderen gar nichts an. Es ist auch keine “Herabwürdigung” der Ehe, wenn jemand so leben will. Es ist vielmehr eine Herabwürdigung des Individuums, wenn sein spezieller Lebensentwurf nicht akzeptiert wird, mag er auch noch so ungewöhnlich sein und nur von einer Minderheit gelebt werden. Du magst ja nicht so leben wollen und das ist vollkommen ok, aber das heißt eben nicht, daß es anderen verwehrt sein muß, so leben zu dürfen. Schließlich stellt auch niemand dein Recht infrage, eine Ehe einzugehen und lebenslang nur mit einem Individuum zusammenzusein. Also weshalb sollte der “Sichwilddurchslebenfi**er” nicht nach seiner Fasson glücklich werden dürfen?
Und das GG lassen wir hier lieber mal außen vor, denn die dortigen schwammigen Formulierungen können schließlich immer so ausgelegt werden, wie es den Herrschenden grade mal paßt. Falls du das nicht glaubst, dann erinnere ich gerne daran, daß vor noch nicht so langer Zeit Gesetze als vollkommen GG-konform angesehen wurde, die den Männern die Oberhoheit über ihre Ehefrauen zugestanden, z.B., wenn es darum ging, ob frau arbeiten gehen darf. Also vorsichtig mit solchen Aussagen wie “grundgesetzwidrig”, das kann morgen schon was ganz anderes bedeuten als das, was vorher jahrzehnteland “en vogue” war.
@ Peter, du solltest vielleicht etwas sorgfältiger meine Comments lesen, wenn du etwas dazu entgegnen willst. Wo habe ich denn gesagt, daß *alle* anderen Menschen *festgezimmerte Welten* haben? Ich habe nur ausgeführt, daß es *einen* ganz bestimmten Typ gibt, der sich an vorgestrige Werte klammert und ein sehr starres Weltbild hat und daß Andreas aufgrund seiner bisherigen Kommentare M.E. diesem Typ entspricht. Bisher hat er mir auch keinen Anlaß gegeben, dieses Bild zu revidieren, sondern, wie bereits ausgeführt, mit seinem letzten Comment nur bewiesen, daß ich nicht ganz falsch liege.
Wie du darauf kommst, daß alle anderen Menschen für mich diesem Typ entsprechen sollen, ist mir schleierhaft. Ich bin durchaus der Meinung, daß Andreas mit seiner Einstellung nicht alleine dasteht, aber ich habe nie gesagt, daß *alle anderen* außer mir so sind.
Auch ist mir nicht ganz klar, wie du aus meiner Analyse einer bestimmten Einstellung, die von einer bestimmten Gruppe nun einmal so vertreten wird, darauf kommst, mir sei “langweilig”. Das ist eine vollkommen unlogische Folgerung, die nichts mit dem Thema zu tun hat. Ich schließe mal daraus, daß dir irgendetwas an meinem Comment nicht gepaßt hat, du aber keine richtige Entgegnung dazu hast. Tut mir leid, aber damit kann niemand etwas anfangen. Entweder du hast stichhaltige Argumente, dann kann eine Diskussion stattfinden, oder du hast sie nicht. In letzterem Fall macht das Diskutieren keinen Sinn.
Und schließlich: natürlich beurteile ich das, was ich hier lese und schreibe eine Erwiderung dazu, die meine Meinung darstellt. Weshalb sollte ich das nicht tun? Auch das hat nichts mit “Langeweile” zu tun. Wozu sollte denn sonst ein Kommentarforum da sein? Ich verstehe deinen diesbezüglichen Einwurf wirklich nicht, er macht keinerlei Sinn.
Was die “Friedenspfeife” betrifft, was genau ist damit gemeint? Falls damit die Diskussion als beendet erklärt werden soll, ist mir das recht, denn so wie ich das sehe, läuft es letztendlich ohnehin nur auf das altbekannte “we agree to disagree” hinaus. Was ja nicht das schlechteste ist. Cheers!
Lesen, Dune, lesen…
Zum Beispiel auch die Klammern, dann viele dir auf, waum ich “sofort” zu fi**dichdurchsleben kam.
Und ob jemand anderes diesen Anspruch verfolgt, geht sehr wohl andere etwas an. Schließlich vögeln die wenigsten allein durchs Leben. Vermutlich gehst du aber davon aus, dass dieser (extrem) Lebensentwurf immer davon ausgeht, dass der andere ihn auch hat. Dem ist aber nicht so.
Große Lust zu beschreiben, welche Konsequenzen dies auf unser aller miteinander hat, habe ich gerade herzlich wenig. Aber vielleicht wirst du selber einsehen, dass es etwas destruktives mit sich bringt (extrem).
Und das GG hat sicher seine Schwächen und hatte auch Schwächen und ist auch sicher immer in der Entwicklung. Ausgelegt werden, wie es den Herrschenden passt, kann es aber nicht. Ich sag nur Hartz 4-Bemessung, Vorratsdatenspeicherung…
Im Kom 16 viele natürlich von fallen nicht von viel…
Lesetipp : Innensicht Gender Piratenpartei / Wir rekonstruieren nicht in der taz.
Dort heisst es:
“Für die Gleichberechtigung: Wir wollen Individuen nicht in Geschlechterkategorien einsortieren – [..] Wir wollen jedes Individuum so sehen, wie es sich selbst sehen und schaffen möchte – das heißt auch: ohne es in eine Geschlechterkategorie einzusortieren und daraus Schlüsse über seinen Kopf hinweg zu ziehen. [..] Es ist uns wichtig, dass wir als Frauen nicht prinzipiell aufgrund unseres Geschlechts als fragil betrachtet oder in eine Opferrolle gedrängt werden. Wir Autorinnen erleben die Piratenpartei als allen Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und Beziehungsformen gegenüber außergewöhnlich offen – und mit diesem Eindruck stehen wir nicht allein.”