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Bürgerbeteiligung: “Frankfurt-Gestalten”, eine Wikimap mit offener Tür zum Ortsbeirat

Von Peter Löwenstein • 29. Mrz 2010 • Kategorie: Bürgerengagement, E-Government, Netzkultur

Mein letztes Interview vom Juli 2009 mit dem Buzzrider Ideengeber Robert Basic in 6 Teilen ist ein Weilchen her. Um Buzzriders ist es inzwischen still geworden; das letzte was ich gehört habe ist, dass sich Auszubildende im Rahmen eines Praktikums am Konzept und Design der geplanten Lösung üben werden. Die Idee dahinter allerdings wurde schon vor Buzzriders und wird auch aktuell in immer neuen Varianten umgesetzt.

Hier im ersten Teil möchte ich “Frankfurt Gestalten” vorstellen, im zweiten Teil dieses Artikels findet ihr ein neues Interview: Mit dem Macher von “Frankfurt Gestalten”, Christian Kreutz.

Vorstellung “Frankfurt Gestalten” und ähnliche Lösungen
Wer Buzzriders kennengelernt hat, dem wird die hier vorgestellte Idee hinter “Frankfurt Gestalten” sehr bekannt vorkommen, wenn man das Wort “politik” einfach durch “informationen” ersetzt:

“Lokalpolitikinformationen für Dich – Von Abfall bis Zebrastreifen – Themen aus der Nachbarschaft.” und “Lokalpolitikinformationen mit Dir – Deine Straße. Dein Stadtteil. Verpass keine Entscheidung. Bring deine Ideen ein.” Der Text stammt von der Frankfurt Gestalten Website.

Frankfurt Gestalten - Die Karte mit einem angeklickten Fähnchen, hinter dem eine Anfrage steckt.

Frankfurt Gestalten - Die Karte mit einem angeklickten Fähnchen, hinter dem eine Anfrage steckt.

Die Mottos von “Frankfurt Gestalten” und die Buzzriders Mottos sind von frappanter Ähnlichkeit. Hier wie dort geht es um lokale Berichte und Meinungen über das Geschehen im Stadtteil, im Viertel, im lokalen Raum, damit wir besser informiert sind und durch Dialoge über wichtige Themen im eigenen Stadtviertel auch besser leben können.

Allerdings geht “Frankfurt Gestalten” in Sachen Bürgerbeteiligung einen Tacken weiter als das buzzriders Konzept – und ist als Internetlösung realisiert worden: “Frankfurt Gestalten” öffnet für Bürger die virtuelle Tür zum Ortsbeirat.

Doch zuerst: Ähnliche Lösungen der Stadt Frankfurt:
Die Stadt Frankfurt bietet mit dem Stadtplanungsamt unter dem Titel “Bürgermitwirkung” ebenfalls eine Möglichkeit, den Bürgerdialog mit der Stadt aufzunehmen: Per Kontaktformular und der Bereitstellung von Planungsunterlagen aktueller Vorhaben.

Eine zweite Lösung nur für den Stadtteil Nordend ist die WikiMap Nordend.

Screenshot Wikimap Nordend - Jedes Fähnchen ein Hinweis

Screenshot Wikimap Nordend - Jedes Fähnchen ein Hinweis

Hier kann Jedermann seine eigenen Tipps eintragen, was ihm gefällt, nervt oder verbessert werden sollte. Betreiber ist die Stadt Frankfurt, und im Info der Website findet sich zum Sinn und Zweck des Wikimap Nordend:

“Unter www.wikimap.nordend.de bietet die Stadt Frankfurt am Main eine öffentliche Kommunikations- und Diskussionsplattform, die auf einem interaktiven Stadtplan basiert.[..] Mit WikiMap.Nordend wird das aus dem Internet-Lexikon Wikipedia bekannte Prinzip auf einen gemeinsamen Stadtplan auf Stadtteilebene übertragen: Viele Nutzerinnen und Nutzer tragen ihre persönlichen Tipps, Kenntnisse und Meinungen zum Nordend auf einem gemeinsamen, elektronischen Stadtplan ein. Wie auf einer Pinnwand können eigene Texte, Bilder oder Multimedia-Elemente eingestellt werden. Vorhandene Einträge lassen sich einsehen und kommentieren. Das Nordend trägt somit das vielfältige Wissen über das Leben im Stadtteil zusammen und macht den Erfahrungsschatz für jedermann zugänglich.”

Die interaktive Karte bietet Tipps zu Eisdielen, wo Hundeschei**e den Bürgersteig verdreckt und welche Strassen öfters zugeparkt sind. Was aus den Hinweisen wird, wer Vorschläge und Kritik aufgreift oder Abhilfe schafft, bleibt unklar.

“Frankfurt Gestalten” setzt anders an: Dialoge und deren Umsetzung in Beschlüsse
Die Bürger können eigene Vorschläge machen, und die Vorschläge anderer einsehen und weiterentwickeln. Woraus sich konkrete Anträge ergeben können. “Frankfurt Gestalten” bietet an, den Weg eines Vorschlags bis zur Beschlussvorlage fürs Frankfurter Stadtparlament mitzugestalten.

Screenshot Frankfurt Gestalten: Das Nordend mit einem Vorschlag, Radfahren gegen die Einbahnstrasse zu erlauben

Screenshot Frankfurt Gestalten: Das Nordend mit einem Vorschlag, Radfahren gegen die Einbahnstrasse zu erlauben

Die Idee zu Frankfurt Gestalten kommt von Christian Kreutz, und Christian beschreibt sie so:

Im Internet können sich auf lokaler Ebene Bürger und Bürgerinnen vernetzen, um ihre Stadt zu gestalten. Oftmals weiß man nicht, dass es noch andere Personen mit ähnlichen Ideen oder Sorgen gibt. Deshalb wollen wir mit dieser Seite in einem ersten Schritt bestmöglichst über lokalpolitische Diskussionen und Entscheidungen informieren und Möglichkeiten zum Austausch bieten. [..] Diese Initiative ist überparteilich und hat keinerlei Zugehörigkeit zu einer Partei.

Technisch ist Frankfurt Gestalten an das Parlamentarische Informationssystem der Stadt Frankfurt angebunden. Die Übernahme von Daten aus einem Parlamentarischen Informationssystem in eine privat getragende Website ist eine bundesweit beachtete spektakuläre Lösung. Beschlussvorlagen, Protkolle und Anträge des Ortsbeirats können 1:1 mit “Frankfurt Gestalten” ausgetauscht werden. Und wofür? Der Infotext von “Frankfurt Gestalten” macht ein Angebot:

Frankfurt hat 16 Ortsbeiräte mit 274 ehrenamtlichen Mitgliedern aus verschiedenen Parteien. Diese Ortsbeiräte halten regelmäßige Sitzungen ab, bei denen Du teilnehmen kannst. Auf der Webseite der Stadt Frankfurt ist die aktuelle Liste der Ortsbeiräte mit den nächsten Sitzungsterminen.
Die jeweils für Deine Straße verantwortlichen Ortsbeiratsmitglieder können auf dieser Seite gesucht werden.

“Die „Stadtteilparlamente“ üben eine Mittlerrolle zwischen der Bevölkerung in den Stadtteilen und der Stadtverordnetenversammlung aus. Dabei bringen sie ihre genauen Kenntnisse der Probleme vor Ort ein und sind zugleich näher an der Bevölkerung. Grundsätzlich müssen sie daher zu allen Fragen, die den Ortsbezirk betreffen, von der Stadtverordnetenversammlung oder dem Magistrat gehört werden, insbesondere aber vor der Verabschiedung des städtischen Etats.”

Mehr Details und aktuelle Weiterentwicklungen dazu im Blog von Frankfurt Gestalten

Das Interview mit Christian Kreutz

Zum Abschluss noch ein Tipp auf eine ähnliche Lösung aus Hamburg: nexthamburg.

Update:
Sylvia Braun hatte sich im letzten Oktober in Politik 2.0 die Bürgerdialog Seiten der Stadt Frankfurt auch mal genauer angesehen.

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