Nebulöse Empfehlungen
Die Glühbirne wird in den kommenden Jahren schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Für effizienten Ersatz ist gesorgt. Doch welche Lampe ist nun die passende in Wohnzimmer, Küche oder Treppenhaus? Eine Energiesparlampe? Klar, aber als Spirale oder als Birne? Oder eine Halogenlampe? Warum nicht LED? Fragen über Fragen, die der Verkäufer Ihres Vertrauens beantworten sollte. Doch die Beratung im Fachhandel scheint noch wenig erhellend zu sein, wie der Umweltverband BUND und die Stiftung Warentest herausgefunden haben. Der Energieberater der Stadt Groß-Umstadt macht gerne auf die neuesten Trends aufmerksam und beruft sich dabei auf den „Umweltbrief“ eines Fachverlages für Öffentliche Verwaltung (Quelle: im Rathaus zu erfahren).
In einer Stichprobe besuchten die Testkunden des BUND 35 Filialen unterschiedlicher Bau- und Elektromärkte. Ergebnis: „Wer nicht ausdrücklich nach energiesparenden Leuchtmitteln fragt, bekommt meist stromfressende Glüh- oder Halogenlampen angeboten“, teilt der Umweltverband mit. Häufig scheint also der Griff zur alten Glühbirne noch das Übliche zu sein. „Wollen Sie nicht wieder eine Glühlampe nehmen?“, soll ein Verkäufer geantwortet haben auf die Frage der Tester, was er denn als Ersatz für die ausgediente 60-Watt-Birne im Wohnzimmer empfehlen könne. In einem anderen Markt griff man den Angaben zufolge sofort zur Glühbirne. Der Kommentar dazu: „Spart Geld, geht noch bis 2012!“ Doch das ist doppelt falsch. Denn zum einen gilt das Glühlampenverbot für konventionelle 60-Watt-Birnen bereits von September 2011 an (s.u.), zum anderen lässt sich mit der Glühbirne kein Geld sparen.
Im Gegenteil: Da die besten Energiesparleuchten rund 80 Prozent weniger Strom fressen als die Glühlampe, kann das gegenüber einer 60-Watt-Birne im Laufe von 10.000 Betriebsstunden rund 100,- Euro in der Stromrechnung ausmachen. In nicht weniger als 15 der 35 besuchten Märkte sollen die Verkäufer als Ersatz spontan wieder eine Glühbirne empfohlen haben. „In den übrigen Fällen verwiesen sie meist auf Energiesparlampen oder Halogenlampen in Birnenform“, berichtet die Stiftung Warentest. Halogenlampen sparten zwar auch Stromkosten, allerdings weniger als Energiesparlampen.
Die unzureichende Beratung führe leicht zu Fehlkäufen, schimpft der stellvertretende BUND-Vorsteher Klaus Brunsmeier: „In der Folge kann es passieren, dass enttäuschte Verbraucherinnen und Verbraucher eine Abwehrhaltung gegenüber Energiesparlampen aufbauen.“ So auch in einem schwedischen Möbelhaus, wo man zwar die 40- und 60-Watt-Glühbirnen bereits vorsorglich aus dem Sortiment genommen hat, so dass das Personal von sich aus nur Energiespar- und Halogenlampen anbot. Doch mit Empfehlungen wie „Energiesparlampen lohnen sich wegen langer Aufhellzeit erst ab drei Stunden Brenndauer am Stück“, ist man ebenfalls schlecht beraten. Denn nach den Analysen der Stiftung Warentest „erreichen die Lampen bereits spätestens nach ein bis zwei Minuten achtzig Prozent ihrer vollen Helligkeit“.
Die Ergebnisse der Beratungstester lesen Sie unter www.test.de/energiesparlampenberatung
Glühlampenverbot in Europa
Die EU-Länder haben sich 2008 darauf geeinigt, Glühbirnen schrittweise durch energieeffizientere Leuchtmittel zu ersetzen: Seit September 2009 dürfen bis auf Restbestände keine Standardbirnen mit mattem Glas mehr verkauft werden und keine Klarglaslampen mit mehr als 100 Watt. Das Verbot für Klarglaslampen wird im September 2010 auf Standardbirnen mit 75 Watt und im September 2011 auf solche mit 60 Watt ausgedehnt. Von September 2012 an dürfen gar keine Glühbirnen mehr vertrieben werden. Die EU verschärft von September 2016 an die Effizienzanforderungen der Leuchtmittel derart, dass auch viele Halogenlampen vom Markt gedrängt werden.
Das sollten Sie vorm Kauf wissen
1. Watt. Auf vielen Energiesparlampen steht „11 Watt = 60 Watt“. Gemeint ist damit, dass sie mit einer elektrischen Leistung von 11 Watt gleich hell sein sollen wie klassische 60-Watt-Glühlampen. Die Umrechnung stimmt längst nicht immer. Realistischer ist oft der Faktor 4.
2. Lumen. Diese Maßzahl für den Lichtstrom ist der wichtigste Orientierungswert, um die Helligkeit verschiedener Lampen miteinander zu vergleichen. Wird der Lichtstrom in Beziehung zur Leistungsaufnahme gesetzt, erhält man die Lichtausbeute in Lumen pro Watt. Sie gibt die Energieeffizienz einer Lampe an.
3. Farbkennzahl. Der dreistellige Kode auf den Verpackungen, zum Beispiel 827, informiert über Farbwiedergabe und -temperatur. Die erste Ziffer zeigt, wie getreu Farben unterm Lampenlicht im Vergleich zum Tageslicht erscheinen. Acht reicht meist für normale Wohnzwecke aus. Wer Farbnuancen unterscheiden muss, ist mit neun („de luxe“) besser bedient. Die anderen Ziffern stehen für
4. Farbtemperatur. Warmweiße Lampen haben eine Farbtemperatur von 2 700 Kelvin. Das entspricht etwa dem Farbeindruck einer normalen Glühlampe. „Tageslichtlampen“ arbeiten bei 5 000 bis 6 500 Kelvin und sollten insbesondere an Arbeitsplätzen auch die Farben gut wiedergeben.
5. Halogenlampen „Energy Saver“. Diese Lampen vermitteln den Eindruck, besonders sparsam zu sein. „-30 %“ (im Vergleich zu klassischen Glühlampen) prangt auf den Verpackungen. Ihr Wirkungsgrad von unter 15 Lumen pro Watt ist im Vergleich zu LED- und Energiesparlampen, die auf 20 bis 55 Lumen pro Watt kommen, allerdings relativ schlecht. Ihre Lebensdauer ist mit 2 000 Stunden doppelt so lang wie bei den Glühlampen.
6. LED-Lampen. Die sind auf dem besten Weg, ähnlich sparsam zu werden wie Energiesparlampen. Der Kauf macht sich aber nur dort bezahlt, wo sie oft und lange brennen. Draußen eignen sie sich gut in Kombination mit Bewegungsmeldern, da sie auch bei Minusgraden sofort mit voller Helligkeit leuchten.
Weitere wichtige Tipps, worauf sie beim Lampenkauf achten sollen, finden Sie unter www.bund.net/lampencheck.


