
Vorsitzender Richter Volker Wagner (Mitte) mit Richterin Dr. Sonja Feiden und Richter Harre im Landgericht Darmstadt
Hohe Freiheitsstrafen für die drei türkischen Angeklagten
Darmstadt (pdh) Schon vor der Urteilsverkündung am gestrigen Mittwoch in dem Strafprozess um die drei Morde im Verlauf der Schießerei vor einer Rüsselsheimer Eisdiele im August 2008 kam es zu Wortgefechten zwischen Zuschauergruppen, die die zahleichen Sicherheitskräfte zum Einschreiten bewogen.
Drei Menschen waren damals im Kugelhagel ums Leben gekommen, darunter die völlig unbeteiligte 55jährige Griechin Anna K. aus der Nachbarschaft des Eiscafés.
Männer verfeindeter türkischer Familien aus dem Frankfurter Türsteher-Milieu hatten sich nach eigener Aussage getroffen, um einen Streit in der Szene zu klären. Zum Treffpunkt kamen die rivalisierenden Gruppen allerdings schwer bewaffnet – mit Pistolen, Messern, einem Schlagring und einem Elektroschocker. In der Urteilsbegründung sprach das Gericht von einem “Krieg in Rüsselsheim”.

So genannter Haupttäter Taylan K. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt
Die Situation lief aus dem Ruder, es fielen Schüsse. Eine verirrte Kugel traf die unbeteiligte Anna K. tödlich. Der Schuß stammte war vermutlich von Erkan K. abgegeben worden. Er selbst kam bei dem Schusswechsel ums Leben. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft war Erkan K. für die blutige Eskalation in dem Eiscafé verantwortlich. Das dritte Opfer war Deniz E., der Bruder der beiden Angeklagten Erdal und Serdal E.

Der Verteidiger von Taylan K., Gerhard Knöss, glaubt an die Unschuld seines Mandanten
Tumulte im Gerichtssaal
Der Vorsitzende Richter Volker Wagner begann den Gerichtstermin nach Verzögerungen durch akribische Einlasskontrollen durch zwei Polizeisperren mit der Urteilsverkündung, der sich eine zweistündige Urteilsbegründung anschloss. Er verlas eine lebenslange Haftstrafe für den wegen Mordanklage so bezeichneten Haupttäter Taylan K. und jeweils zehnjährige Haftstrafen wegen versuchten Mordes für die Brüder Erdal und Serdal E. Bereits diese kurze Erklärung sorgte für Aufregung im Saal.

Polizeipräsenz vor und im Landgericht Darmstadt
Bei den folgenden Tumulten im Gerichtssaal beschimpfte der Vater der beiden wegen versuchten Mordes verurteilten Brüder den Vorsitzenden Richter. Der Mann ließ sich kaum beruhigen. Die Urteilsbegründung musste unterbrochen werden und er wurde ebenso des Saales verwiesen wie die Mutter des 29-Jährigen, die heftig protestierte, auch später noch auf den Gerichtsfluren. Ein Angehöriger der Familie E. kündigte Revision an und bezeichnete das Urteil als ungerecht. Verteidiger von Taylan K, Gerhard Knöss, gab später zu Protokoll, an Revision denke er zunächst wegen der geringen Erfolgsaussichten nicht, hoffe jedoch wegen vieler Ungereimtheiten auf eine Neuauflage des Verfahrens.

Konstantinos Kagarakis weint um seine versehentlich getötete Frau Anna
Die Verteidiger hatten Freisprüche gefordert, weil sie die Spuren anders gedeutet – und den Hauptangeklagten als Bauernopfer seines Clans gesehen hatten.
Auf dem Flur vor dem Schwurgerichtssaal brach nach Ende der Urteilsbegründung der griechische Witwer der durch Querschläger unbeteiligten getöteten Anna K, Konstantinos K. in Tränen aus. Seine 55jährige Frau komme niemals wieder, die ersten Verurteilten seien schon in einigen Jahren wieder auf freiem Fuß, klagte er vor den Mikrofonen der Medien und ließ seinen Tränen freien Lauf.


