
Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (CDU)
Landrat vermisst Willen zur Aufklärung der Missbrauchsfälle
Heppenheim/Kreis Bergstraße (pdh) Zurzeit kommt es dicke für die Odenwaldschule (OSO) und den Trägerverein. Nachdem seit Wochen fast täglich neue Missbrauchsfälle bis ins laufende Jahrzehnt bekannt werden, hatte zur Wochenmitte der derzeitige Sprecher des Trägervereins klare Worte gesprochen. Der Augsburger Zahnarzt Dr. Philipp Sturz forderte ultimativ den Rücktritt aller Mitglieder des Trägervereins, nachdem der Vorstand zwar zurückgetreten war, aber mit teils larmoyanten Erklärungen keinerlei Verantwortung für die verschleppte Aufarbeitung des Skandals übernommen hatte.
Im Gegenteil: Die Rücktritte wurden allein mit dem öffentlichen Druck begründet. Schlimmer noch, die Vorstands- und die einfachen Mitglieder des alten Trägervereins stehen in den Startlöchern, in einem neu zu konstruierenden Leitungsgremium weiter mitzumischen. Sturz kündigte seinen eigenen Rücktritt als neuer Sprecher des Vereins an, sollten nicht alle bisherigen Mitglieder des Trägervereins aus diesem ausscheiden.
Aus dem mangelnden Aufklärungswillen eines Teils des Trägervereins zieht nun der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (CDU), ebenfalls seine Konsequenzen. Vorerst, so kündigte er an, werde das Jugendamt seines Kreises keine Schüler mehr an die Odenwaldschule schicken. Seine Verantwortung für die problembehafteten Kinder, die im Rahmen der Jugendhilfe dort untergebracht worden seien, lasse derzeit keine andere Entscheidung zu. Zurzeit sind sechs Kinder vom Kreis Bergstraße an der OSO untergebracht.
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass an die so genannten Elite- und Modellschule bis zu 30 Prozent der Schüler von den staatlichen Jugendämtern aus ganz Deutschland geschickt wurden. Für jeden Platz bezahlen die Jugendämter jährlich bis zu 35.000 Euro für die Unterbringung und Unterrichtung der problematischen Jugendlichen. Die Obhutspflicht der Kreise, so Wilkes, beinhalte eine besondere Verantwortung für diese Kinder, und für diese sei die OSO aufgrund der jetzigen Turbulenzen und Ungeklärtheiten sicher nicht der richtige Platz.

