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Bundesparteitag: Reizthema Leena Simon und Piratenpartei

Von Peter Löwenstein • 15. Mai 2010 • Kategorie: Meinung
Los gehts
Bild (cc) von vinzv

Update: Am Artikelende eine Sammlung von Auszügen aus anderen Blogbeiträgen. Und der Namen wurde überall auf “Leena Simon” korrigiert.

An diesem Wochenende triffttraf sich an zwei Tagen die Piratenpartei in Bingen zu ihrem Bundesparteitag 2010. Am ersten Tag, gestern, wurden von der Versammlungsleitung 1000 Teilnehmer vor Ort und noch einmal 1000 Zuschauer am per Internet übertragenen Livestream verkündet.

Als bis dahin einzige weibliche Kandidatin entschloss sich Leena Simon vom Landesverband Berlin kurzfristig, als stellvertretende Parteivorsitzende zu kandidieren.

Klingt nach einem normalen Vorgang. Jemand entschliesst sich zu kandidieren, und gibt seine Kandidatur bekannt. Redet mit Parteikollegen und der Presse.

Allerdings sind weibliche Kandidaten bei den Piraten so selten anzutreffen wie bei keiner anderen Partei (im Vergleich zur CDU/CSU, SPD, GRÜNE, FDP und DIE LINKE).

Nehmt euch die Zeit und lest das folgende Protokoll der Vorstellung von Leena Simon. Ich habe das Protokoll ohne inhaltliche Bearbeitungen vom offiziellen Protokoll der gestrigen Versammlung, zu finden auf den Webseiten der Piratenpartei, kopiert.

Wer mit wenigen Blicken nachlesen will was im Kern passierte liest die von mir mit rot farblich markierten Stellen, die meiner Meinung nach deutlich machen, wie schwierig die Piratenpartei mit ihren Kandidatinnen umgeht. Ich habe dazu an passender Stelle gelegentlich kommentiert, gekennzeichnet in kursiver Schrift.

Zum Ablauf:

Leena Simon stellte sich vor und begründete ihre Kandidatur für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden.
Anschliessend stellte die Versammlungsleitung an alle Kandidaten gleiche Fragen, danach konnten aus der Versammlung Fragen gestellt werden. Dazu musste man sich in eine Rednerliste eintragen.

Dieses Verfahren war bei allen Kandidaten bis dahin gleich.

Bemerkenswert war, was bei Leena Simon passierte:

  • Vor der Vorstellung von Leena Simon war z.B. bei Twitter zu lesen, wie mit ihrer Vorstellung umzugehen sei. Tipps, Ankündigungen und Verhaltensratschläge wurden gegeben. Die ca. 20 getwitterten Ratschläge waren in ihrer Botschaft deutlich: Lasst euch nicht provozieren, stellt sachliche Fragen, ignoriert ihre Provokationen, geht nicht auf sie ein und wählt sie nicht. Was auffiel: Solche Hinweise waren bei keinem der bis dahin vorgestellten Kandidaten bei Twitter zu lesen. Als Absender der Tweets waren auch Teilnehmer des Bundesparteitages der Piraten zu erkennen…
  • Keine andere Kandidatur wurde von so vielen Anträgen zur Geschäftsordnung unterbrochen, die das Ziel hatten den Ablauf ihrer Vorstellung zu verändern. So sollte z.B. schließlich mit einem Antrag die Redezeit der Frager aus dem Publikum auf 0 Minuten 0 Sekunden reduziert werden. Ungehalten äußerte sich der Versammlungsleiter mit den Worten, laut Protokoll: “Ich weiß, dass Leena polarisiert und umstritten ist. Aber solange ich die Versammlung leite hat sie die gleichen Rechte”.

Zur Erklärung: Ein “GO” ist ein Antrag zur Geschäftsordnung. Solche Anträge können jederzeit gestellt werden, indem der Antragsteller beide Arme hebt. Sie haben das Ziel, den Ablauf der Veranstaltung zu ändern. So kann z.B. beantragt werden, einen Punkt der Tagesordnung vozuziehen. Oder die Redezeit von zu verlängern oder zu verkürzen. Solche Anträge werden auch benutzt, um den Ablauf der Veranstaltung je nach Verlauf zu straffen. Erfahrende Parteigänger benutzen solche Anträge allerdings zur Beeinflussung des Parteitages in ihrem Sinne, woraus sich bei schwacher Versammlungsleitung regelrechte GO-Schlachten konkurrierender Lager oder Kandidaten entwicklen können. Ich habe Absätze im Protokoll mit GO’s eingerückt, wie diesen hier…
??? = wurde vom Protokollanten nicht verstanden
LMV = Landesmitgliederversammlung
LD-Sys. = internes Online Abstimmungssystem der Piratenpartei zur Meinungsfindung oder Abstimmung über Anträge
LV = Landesverband der Piratenpartei
JuPis = Jung Piraten, Jugendorganisation der Partei
PP = Piratenpartei

-Vorstellung Leena Simon, Kandidatin für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden – Das inhaltlich unveränderte Protokoll vom gestrigen Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen.

Versammlungsleiter: Wir kommen zum nächsten Kandidat oder Kandidatin.

Simon: Mir war nach der letzten Wahl die Männerquote hier oben etwas zu hoch. Ich bin aus dem LV Berlin. Studiere ???? und Linguistik im Endstadium. Beschäftige mich ??? und immaterialgütern. Ich bin gegen das Binnen-I, auch wenn mir das oft unterstellt wird. Ich möchte vor allem an der pol. Reife der Partei arbeiten. Ich bin freie Softwareaktivistin. Bildung ist auch eins meiner Themen, ich möchte mich sehr dafür einsetzen, dass wir eine deutliche Distanz zu Nazis finden. Ich bin sehr bemüht, ich wünsche mir, dass wir unsere Themen eher erweitern. Ich setze mich auch ein gegen Atomenergie, gegen privat. von Gewinnen und sozialisierung von Verlusten. Ich möchte, dass diese Partei die 5% Hürde knackt. Und ich glaube, dass das nur geht, wenn wir auch die weibliche Hälfte der Wahlbevölkerung überzeugen. Warum sidn wir so wenige Frauen und wie k8onnen wir das ändern?

GO-Antrag auf Schließung der Rednerliste, formelle Gegenrede.
Begründete Gegenrede: Wir haben alle drei anderen Kandidaten befragt und dann die Rednerliste geschlossen.
Der Versammlungsleiter stellt fest, dass die Mehrheit der Anwesenden dafür ist.

Wahlleiter: Was ist dein größter Fail auf Bundesebene?
Simon: Dass ich heute hier keine Decke mitgenommen habe und mich erkältet habe.

Wahlleiter: Was ist dein größter Fail auf Landesesebene?
Simon: Das ich zu spät bei der letzen LMV war und daher ??? nicht gewahlt habe.

Wahlleiter: Warum vrostand?
Simon: Ich denke, Jens braucht einen starken Gegenpart im Vorstand und die weiblichen Seiten sind noch zu wenig vertreten.

Wahlleiter: Wenn ein LD-Sys. einen Willen bildet, der deinem Willen entgegensthet, wie gehst du damit um?
Simon: Ich bin immer dafür sich mit den Vor- und Nachteilen neuer Technologien zu sehen. Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Magisterprüfung mit LD. und mit den Schwierigkeiten von Basisdemokratie. ??? Man muss auch vorsichtig sein, dass man nicht zu blind folgt. Aber ich unterstütze das.

Wahlleiter: Deine Kandidatur ist noch nicht so lange bekannt, warum?
Simon: Es war hier keine einzige Frau zur Wahl und ich finde, Jens braucht einen starken Gegenpart.

GO-Antrag auf Begrenzung der Redezeit der Fragesteller auf 15 Sekunden, formelle Gegenrede.
Der Versammlungsleiter stellt fest, dass die Mehrheit der Anwesenden dagegen ist.
GO-Antrag auf Begrenzung der Redezeit der Fragesteller auf 30 Sekunden, formelle Gegenrede.
Der Versammlungsleiter stellt fest, dass die Mehrheit der Anwesenden dafür ist.

Frage: Welche Fähigkeiten bringst du für das Amt mit, außer zuerst mit der Presse zu reden und dann mit deinen Mitpiraten?

Applaus.
Frage: … welche Impulse abgesehen von Gender willst du einbringen? Und hälst du dich für eine polarisierende oder eine integrierende Persönlichkeit.
Simon: Ich habe zuerst mit meinen Mitpiraten gesprochen. Ich kann medial – ich kann mit den Medien umgehen. Ich habe mich mit pol. und philosophe viel beschäftigt. Andere Themen: Freie Bildung, gegen Atom, ich finde es wichtig, dass Frauen auch durch Themen sichtbar werden.

Frage: Du hast ja schonmal einen Schutzraum gebraucht, bist du stark genug für den Vorstand? Du hast schonmal Piraten von Diskussionen ausgeshclossen, wirst du auch im Vorstand so intransparent sein. Wirst du weiter für LEute reden, die dich nicht beauftragt haben?
Simon: Die Piraten treten auch ein für Privat- oder Piratsphäre. Das hat einen Guten grund. Ich habe niemals behauptet, für alle Frauen in Der Piratenpartei zu sprechen. Und die Kraft die traue ich mir zu, aber halle.

Frage: Du betonst immer sehr die weibliche Seite. Als Vorstandsmitglied solltest du aber die gesamte Basis vertreten. Glaubst du auch die Männer vertreten zu könenn.
Simon: Ich glaube sonst könnte ich es in dieser Partei nicht aushalten. Ich habe aber keine Sorge das die männl. Sicht hier zu kurz kommtL
Ist die Gender-Debatte dir wichtiger als die Kernthemen? Und zum Gegenpart: Wirst du nihct mit Jens zusammenarbeiten? UNd warum trittst du eine Sache los, die seit Jahren abgeschlossen ist.

Frage: Ist die Gender-Debatte dir wichtiger als die Kernthemen? Und zum Gegenpart: Wirst du nihct mit Jens zusammenarbeiten? UNd warum trittst du eine Sache los, die seit Jahren abgeschlossen ist.
Simon: Ich halte die Gender-Debatte nihct für wichtiger, habe das auch versucht, bis ich gemerkt habe das geht so für mich so nicht weiter. Und warum müssen sich alle immer einig sein? Uneinigkeit ist der Beste Weg zu einer guten Lösung.

Frage: Du bist im Landesverband Berlin Mitglied. Wie sehr bist du dort integriert, wo arbeitest du mit? Wie schätzt du den Rückhalt dort ein?
Simon: Nachdem ich vom LV Berlin verbannt wurde wegen parteischädigenden Verhaltens habe ich mich dort etwas zurückgezogen. Vorher war ich sehr aktiv, war auch in einer Crew in Kempten bis ich umgezogen bin. War oft bei den Treffen. Im Moment bin ich vom LV etwas enttäuscht.

Frage: Da du Vorsitzende der JuPis Berlin bist. Dieser LV existiert praktisch nicht. Wie kannst du im BuVo der PP bessere Arbeit machen?
Simon: Die Vereinbarung bei den JuPis war, dass ich mich um die Pressearbeit und Außenwirkung kümmer, während die Inhaltliche Arbeit von den restlichen Leuten gemacht werden sollte. Ist also eher Teamproblematik. ???

Frage [Frau, muss mal gesagt werden]: Gender-Diskussion besteht nunmal im Moment, sind wir nicht Piraten geworden um als Menschen gesehen zu werden und nicht in Gruppen eingeteilt zu werden.
Standing Ovations. Frage: Dann versuche ich es nochmal. Wie kann ich mich als PiratIn als Mensch in eine Schublade stecken lassen? Müsste ich dann nicht zu den Grünen gehen.
Applaus.
Simon: Ich habe die Erfahrung gemacht, es passiert. Auch wenn wir uns einreden, dass so etwas bei uns nicht passiert. Wir dürfen nicht so tun, als ob es das nicht gäbe. Das Problem muss gelöst werden.

Frage: Vielen Dank, dass du kandidierst. Das gibt dem Parteitag die Möglichkeit, darüber etwas zu sprechen. Hälst du das Geschlecht für ein diskriminierendes oder qualifizierendes Merkmal.
Simon: Ich finde es sollte gar kein relevantes Merkmal sein.
Applaus.
Simon: … Menschen habe unterschiedliche Fähigkeiten. Natürlich gibt es unterschiedliche Qualifikationen, wir sollten alle davon integrieren.

Frage: Mit der ganzen Debatte die du losgetreten hast, hast du darüber nachgedacht, dass die Partei eine offene Partei ist. Auch für Menshcen die zwischen den Geschlechtern stehen. Mit dieser Debatte hast du diese Menschen diskriminiert. Wie willst du als stellv. Vorsitzende für derartige Randgruppen eintreten?
Simon: Ich finde Queer-Pol. sehr wichtig und sonstige sex. Randgruppen. Ich bin selbst nicht lesbisch oder shcwul. Ich kann mich in derartige GRuppen weniger einfühlen als in meine.

GO-Antrag auf Begrenzung der Redezeit auf 0 Sekunden, begründete Gegenrede: Ich wollte grad den Antrag selber stellen, aber die Leute die hier stehen haben mir gesagt, dass sie ihre Redebeiträge für sehr wichtig halten.
Applaus.
GO-Antrag auf Meinungsbild ob sie Leena für geeignet haben.
Versammlungsleiter: Nicht zulässig.
Abstimmung zur Begrenzung der Redezeit auf 0 Sekunden.
Der Versammlungsleiter stellt fest, dass die Mehrheit der Anwesenden dagegen ist.
GO-Antrag auf Meinungsbild, wer schon eine abschließende Meinung hat und wer sich noch unschlüssig ist.
Versammlungsleiter: Nicht zulässig … zulässig … Ok.
Versammlungsleiter: Der Antrag war auf Abfrage eines Meinungsbildes wer sich schon eine Meinung gebildet hat. Ihr könnt euch auch enthalten. Ihr könnt euch einfach enthalten.
Diskussion auf der Bühne.
Versammlungsleiter: Der Antrag ist zurückgezogen.

Versammlungsleiter: Ich weiß, dass Leena polarisiert und umstritten ist. Aber solange ich die Versammlung leite hat sie die gleichen Rechte.
2010-05-15 19:54:27
Versammlungsleiter: Man hat mir eben mitgeteilt, dass diese Versammlung hier um 20 Uhr zu Ende ist.

Frage: ??? hast du weiterhin vor, unbefugte PMs rauszugeben, und letztens hast du auf der Piratinnenliste gemeint, du bist sehr beschäftigt. Wie hast du noch Zeit für diesen Posten?
Simon: Ich habe keine unbefugte PM rausgegeben, die war privat. Das Projekt was ich außerdem am laufen habe wird im Juni stattfinden, danach steht eh incht fest, wieviel da noch weitergeht.

Scamp (Organisationsteam): Ich wurde nicht richtig wiedergegeben. Wir werden das hier beenden und auch wählen. Was ich gesagt habe: Das ist nicht fair das bei der Main-Orga abzuladen.
Scamp: Einige haben hier 23h Dauerschicht hinter sich. Dieses Thema muss beendet werden, und es wird beendet werden. Bitte zieht es aber nicht in die Länge und seht zu, dass wir noch auf dieses wunderbare Schiff kommen.

Frage: Was ist die weibliche Seite und wie unterscheidet sie sich von der männlichen und warum hängt es vom Geschlecht ab.
Simon: Wir sind alle in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der verschiedene Geschlechter verschiedene Fähigkeiten antrainirt bekommen. Gerade Frauen in der IT leisten viel soziale Arbeit. Beziehungsarbeit wäre die weibliche Seite, die ich hoffentlich auch bald bei Männern erlebe.

Frage: Du hast vorhin gesagt, dass Du dich aufgrund fehlender Frauen aufgestellt hast. Ich würde gerne wissen, was dich sonst noch befähigt, außer eine Frau zu sein.
Simon: Ich meine mich zu erinnern, die Frage schon beantwortet zu haben. Ich beschäftige mich mein leben mit politik, ich studiere pol. ich bin medial erfahren. Ich habe auf die Frage schon geantwortet – und das liegt nicht daran, dass ich eine Frau bin.

Frage: Ich bewundere dein Engagement. Aber du hast gesagt du bist am EUnde eines Studiums. Ich weiß, dass das viel Zeit in Anspruch nimmt, genau wie eine Vorstadnspositien. Was hat im Zweifel priorität?
Simon: Es gibt viele Leute die Studium und Familie nebeneinandre hinbekommen. Es ist eine Herausforderung, aber es ist eine Herausforderung der ich gewachsen bin. Und ich studiere nicht auf Bachelor sondern auf Magister.

Frage: Mich interessiert die Meinung einer Medial erfahrenen Frau zum Vorstoß dieses BuPT zu den Genderfreien Toiletten interessieren.
Simon: Es gibt für viele Dinge gute Gründe, über die sich viele Menschen schon lange Gedanken gemacht werden. Genau so ist es auch mit den Toiletten. Das wird hier etwas privat, aber ihc fühle mich wohler auf einer Frauentoilette.

Frage: Du hast von einer deutlichen Distanzierung von Nazis gesprochen, inwiefern glaubst du ist das noch nicht geschehen? Und: Kannst du ein konkretes Beispiel für Benachteiligung von Frauen in der PP nennen?
Simon: Gerade junge Parteien sind in der Gefahr von Nazis übernommen zu werden, erst recht Parteien die sich für Meinungsfreiheit einsetzen. Ein Beispiel, natürlich. Ich möchte nicht als Anflirtobjekt angesehen werden, wenn ich mich eine Runde von 10 Leuten setze. Ich will pol. Arbeit machen.

Frage: Ich bin erstaunt. Du hast in deinem Background einen Studienbereich etwas erzählt. In Hamburg haben wir erzählt: Wir wollen die Künstler unterstützen. Siehst du, dass das Thema immaterialgütRecht. von den Piraten bisher gut angefasst wird?
Simon: Ich möchte mich in meinem Magisterthema damit auseindandersetzen, dass die Ethik der Technik hinterherrennt und dass wir nicht uns die ethischen Richtlinien von Firmen disktieren lassen. ??????

Frage: Leena, ich finde es gut, dass du kandidierst. Ich finde es wichtig, denn wir haben viele Leute die diskriminieren. Wenn ich sehe, dass GO-Anträge auf Fähigkeiten von Leuten gestellt werden, finde ich das schon fast unter der Würde die man in einer Demokratischen Partei haben sollte.
Versammlungsleiter: Wo ist die Frage?
Frage: Du bist der Gegenpol zu Jens ????
Versammlungsleiter: Du hättest eine Frage stellen sollen.

Frage: Ich begrüße die Spontaneität deiner Kandidatur, und finde deine Antworten besser als die andere Kandidaten, aber braucht eine Kandidatur nicht mehr vorlaufzeit?
Simon: Die besten Entscheidungen sind manchmal auch Kurzschlussentscheidungen. Ich habe mir das nochmal überlegt, es ging relativ schnell.

Frage: Ich kenne dich nicht wirklich. Alles was ich hier mitbekommen ist Gender, Gender, Gender. Ich habe ein bisshcen die Befürchtung, dass wenn wir dich im Vorstand haben, dass dieses Thema zuviel Raum bekommt. WIe willst du durchsetzen, dass du am Ende nicht die Gender-Leena bist?
Simon: Die Gender-Fragen sind aus dem Plenum gekommen, ich habe Themen genannt. Ich habe am Shcluss die Genderthematik einmal erwähnt, ich möchte, dass hier eine Stimmung herrscht, in der man sich mit den anderen Themen auch auseinandersetzen kann.

Frage: Ich muss nach dem ganzen Gebashe doch mal sagen: Danke das Leena die Eier hat, hier aufzutreten. Findest du auch schade, wie mit Leuten umgegangen wird, die eine andere Meinung haben?
Simon: Ich finde es schon problematisch. Viele Dinge können hier offen geäußert werden, aber bei der Thematik die ich angesprochen habe, ist die Schmerzgrenze gering.

Frage: Ich habe hier einen ANtrag gestellt: Freie Bestimmung von Geschlecht und sex. Orientierung. Wie stehst du dazu und wie würdest du Mitglieder der PP nennen, die kein Geschlecht haben. Und warum hast du bei der Erstellung des ANtrags nicht teilgenommen?
Simon: Ich unterstütze den Antrag, sehe aber nihct viele konkrete Maßnahmen dadrin. Ich habe nicht teilgenommen, weil ich mich aus meinem Engagement erstmal etwas zurückgezogen hatte.

Versammlungsleiter: Das war die Frage und Antwortrunde mit Leena.

Soweit das Protokoll…


Fazit:

Die Piratenpartei dokumentiert hier in ihrem Umgang mit weiblichen Kandidaten, dass sie das Thema Gleichstellung der Frauen weiter verschleppt.

Leena Simon wurden Fragen gestellt, die auf sie als Frau abzielten.
Ihre Eignung wurde von den Fragenden aus dem Saal bestritten; mit geschlechtsspezifischen Fragen, die so kein männlicher Kandidat beantworten musste.

Es ist an der Zeit, dass die Diskussion dazu neu wieder einsetzt. Abgehakt ist das Thema noch lange nicht…

Solange das Thema nicht wieder auf die Liste kommt, kann ich keinen Anreiz für Frauen erkennen, bei der Piratenpartei mizumachen.

Sehr schade.

Update:
Alex Kempe schreibt auch über die Frauenfeindlichkeit beim Bundesparteitag der Piratenpartei, wie er sie als ferner Beobachter, also so wie ich, über den Livestream erlebt hat: Piratenpartei – Comedyshow:

Kommen wir aber zum letzten Punkt, der Frauenfeindlichkeit. Die Frauenfeindlichkeit und das Bashing gegenüber der Kandidatin Leena Simon waren einfach nur ekelhaft und man muß sich über die Haltung der Piraten dabei wirklich wundern, da man doch so für die Gleichbehandlung wirbt. In diesem Zusammenhang verwenden die Piraten gerne #fail und so ein Verhalten ist schon #failfailfail. Aber so ist das anscheinend wenn einige piratige Primaten und deren weiblich Pendants auf Kandidatinnen losgelassen werden.

Die ausgewiesene Feministin Antje Schrupp beobachtet auch aus der Ferne in “Die Piraten und ihr Frauenproblem(Lena heisst übrigens wirklich Lena Simon und nicht Leena Sorry, mein Fehler. Leena heißt Leena – ich habe falsch recherchiert und mich vom Protokoll täuschen lassen. Peter):

Leena Simon war mit feministischen Begründungen angetreten (wie etwa der, dass ansonsten nur Männer kandidiert hätten) und ist genau dafür heftig kritisiert worden. Aus feministischer Sicht waren ihre Anliegen relativ moderat, jedenfalls im Vergleich zu dem, was andernorts diskutiert wird. Aber es war doch deutlich, dass viele von den Frauen, die bei den Piraten aktiv sind, sich dezidiert nicht als Feministinnen verstehen wollen. Sie wollen das Geschlecht nicht thematisieren – und warfen Leena Simon vor, dass sie es tut.

Der Nilzenburger Weltfrieden in “Demokratie ist, das auch mal alle MIR zuhören müssen – Piratenparteitag Bingen“:

Faszinierend war es im PiratenWiki mitzulesen, als eine Berliner Piratin, Leena, vorgeschlagen hatte, einen eigenen, virtuellen “Raum” nur für weibliche Piratenmitglieder zu gründen, in dem man sich austauschen kann und der eben den Frauen vorbehalten ist. Nun ist ja genug Platz da, im Internet und auch sonst macht das ja auf den ersten Blick hin Sinn, denkt man sich. Warum nicht? Schadet niemandem und bestimmt haben Frauen Themen, die sie lieber unter sich besprechen. Voll in Ordnung. Also, war jetzt so mein erster Reflex, als ich das mitbekommen habe.

Oh oh….das sehen viele Piraten aber anders. Dieser Vorstoss von Leena (den sie, zugegebenermassen mit einer unglücklichen bis doofen Pressemitteilung verlautbarte – und sich danach noch ungeschickter mit einem “das war eine private Pressemitteilung und keine offizielle von der Partei..” rauszureden versuchte..) kam eher so semi-gut an. Was wurde die beschimpfz als Emanze und was sie sich einbilde und wie sehr diese Idee der hochgelobten Transparenz der PP entgegen stünde und wieso Frauen denn eigentlich ihre eigene Mailingliste bräuchten, das wäre doch eigentlich sexistisch, weil Piraten nicht nach Geschlechtern unterscheiden würden, sondern nur Menschen sähen.

Kathrin Ganz hat auch den Livestream und Twitter beobachtet, und sie schreibt in “i heart digital life”. In “Postgender in Bingen” meint sie:

Für mich hat dieser Parteitag gezeigt, dass eine Debatte über Geschlechterpolitik bei den Piraten zurzeit sinnlos ist. Da stellen sich Frauen hin und finden allen Ernstes, dass es kein Problem gibt, dass sie in diese Partei eingetreten sind, weil für sie Kategorien keinen Rolle mehr spielen und sie nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden wollen. Schön. Warum ist die Kategorie Geschlecht dann aber doch so wirkmächtig, dass sich keine einzige Frau (außer Leena Simon) findet, die Interesse an einem Vorstandsamt in ihrer Partei hat? Ist das statistischer Zufall, oder hat es doch etwas mit der Gesellschaft zu tun?

f!xmbr, übrigens schon ziemlich lange digital unterwegs, machte sich die Mühe und beobachtete Twitter, wie dort zu Leena reagiert wurde – in “Die Piraten – ein bösartiger Kindergarten ist nichts dagegen“. Neben den Screenshots der Tweets meint er:

Was sich im Folgenden auf dem Parteitag der Piraten abspielte, spottet jeglicher Beschreibung. Manche Piraten scheinen in ihrer Entwicklung im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Um es diplomatisch auszudrücken: viele Piraten scheinen keine Erziehung im Elternhaus genossen zu haben. Mehrere Piraten haben versucht, Leena öffentlich hinzurichten, es war praktisch keine Fragerunde, sondern öffentliches Gebashe um sich selbst zu profilieren und Leena Simon lächerlich zu machen. [...]
Meine Meinung zu den Piraten ist bekannt, doch diese Fragerunde hat auch mich überrascht und ich bin ziemlich erschrocken. Dass solche Dinge im jahr 2010 möglich sind, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich denke, Fassungslosigkeit beschreibt es ziemlich gut. Im derzeitigen Zustand ist die Piratenpartei ein testosterongesteuerter Kindergarten.

Auch aus der Ferne zugeschaut, via Livestream, hat Nadine. In Schatzis Blog staunt sie in “Piratenpartei – wohin führt der Weg“:

Was mich sehr verwundert hat, als Leena Simon dran war, daß dort auf einmal sooo viele Leute da standen in der “Hühnerreihe” um Fragen zu stellen, okay, man darf Fragen stellen, sie hat die Fragen beantwortet und sich meiner Meinung nach in der Männerdomäne gut geschlagen, die “Frau” hat echt Eier in der Hose ;-) Zudem studiert sie Politik, ist jung und motiviert, aber als dann das Thema “Gender” kam, da war mir klar, daß sie die Wahl verloren hat…wie halt immer wenn es um das Thema geht. Worüber ich mich absolut gewundert habe, daß eine Frau Leena die Frage gestellt hat, ob sie das schaffen würde. Vielen vielen Männern vorher hat man diese Frage nicht gestellt…Männer sind oft noch viel mehr eingespannt als Frauen… Viele Männer tun das so ab als würde es keine “Feindlichkeit gegen Frauen” in der Piratenpartei geben, das stimmt leider nicht, es gibt solche Männer, ich habe die letzten Tage selber meine Erfahrungen mit denen machen müssen ;-)

Noch ein Hinweis: Alle Zitate stammen aus Artikeln der Google Timeline, und zwar genauso wie sie heute Sonntagabend mit einer “Leena Simon” Suche gefunden wurden. Ich hab also nicht gefiltert.
Für die Piratenpartei stellt sich damit eine Frage: Wie schafft sie es, dass in Zukunft der Live Stream vom Parteitag die Vorgeschichte und den Hintergrund der Kandidaten besser vermittelt .

Für mich ist klar: Der Live Stream alleine verkürzt den Blick.

Meine Idee wäre, mal über einen piratenkundigen, unabhängigen und auch intern als glaubwürdig vermittelbaren Kommentator nachzudenken, der einen zweiten Livestream begleitet, und mit seinem Kommentar versucht Brücken zuschlagen, Hintergründe auszuleuchten und die Kandidaten auch mal am Rande der Parteitage interviewt.

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23 Kommentare »

  1. Es wäre vielleicht anzumerken, dass über die Hälfte der kritischen Fragen von Piratinnen kam ;)

    desweiteren bitte ich die Sitaution um Lena nicht falsch zu verstehen – es hat eine gewisse vorgeschichte (google ist hierbei hilfreich). Die massive Kritik galt ihrer Person und ihren Handlungen, nicht dem Thema Gleichberechtigung, was für Piraten in der Tat ein wichtiges Thema ist. Finde auch, dass das Protokoll dies klar zeigt.

  2. Nachtrag: was viele eben nicht verstehen, ist dass es den Piraten um die Gleichstellung von Inidviduen geht, also von Menschen, unabhängig ihrer “Schubladen”. Gleichstellung und individ. Freiheit und Chancengleichheit ist wichtig – auch, aber nicht nur für Frauen. Es muss um das Inidividuum gehen!

  3. @Michel – Danke…

    So, wer am Sonntag den Piraten aus der Ferne zuschauen möchte:
    Der hervorragende Livestream ist gestartet, =>dort.

  4. Peter,

    das ist eine spannende, weil anscheinend nur auf dem Protokoll und nicht der Vorgeschichte basierte Analyse. Den Hinweis von Michael muss ich aber unterstreichen. In dem Kontext ist enorm wichtig, dass ein Großteil der kritischen Fragen an Lena, die auf Geschlechterunterschiede etc. abzielten, in der Tat von Frauen kamen, die – so interpretiere ich das – sich vehement dagegen stellen wollten, dass Lena als das Sprachrohr der Frauen in der Partei profiliert.

    Problematisch finde ich zudem Deine Schlussfolgerung: Es gibt nämlich in der Tat sehr viele Anreize für Frauen, sich in der Piratenpartei einzubringen und mitzumachen – eine übersichtliche Liste gibt es hier: http://web.piratenpartei.de/navigation/politik/unsere-ziele . In der Tat sind es genau die gleichen Gründe, die auch für Männer gelten.

    Gruß
    Florian

  5. @Florian,

    hmm, ich konnte mir auch den Livestream vom Piratentag gönnen. Also nicht nur das Protokoll alleine. Außerdem andere Webseiten. Ich sag mal im Stream war noch deutlicher zu erkennen was abgeht.

    Wie der Parteitag mit Lenas Kandidatur umgeht steht für sich und dass ich mich darauf fokussiere ist denke ich schon Ok.

    Eine Kandidatur ist in jeder Partei der auf Parteitagen gelebte Prüfstein, wie die Partei mit internen Kritikern und schwierigen, polarisierenden Positionen umgeht. Was auf dem Papier oder im Wiki steht ist die Absicht, der Parteitag steht für die gelebte Realität im Umgang miteinander.

    Wie groß der Unterschied zwischen Anspruch und der gelebten Realität ist erschreckt mich. Die Absichten und Ziele treten in den Hintergrund, wenn Kandidatinnen so krass beschädigt werden.

    Gruß, Peter

  6. Die erwähnte “Vorgeschichte” ist ja nun auch nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Piratenpartei. Das einzige, was daraus zu entnehmen ist, ist, dass Piraten noch nie etwas von Solidarität oder Respekt gehört haben. So ist das leider. In der Tat – Anspruch und Realität klaffen extrem weit auseinander. Und es ist noch nicht einmal Besserung in Sicht. #epicfail

  7. Ich bin auch völlig überzeugt, daß die Reaktionen _ausschließlich_ auf der Vorgeschichte basierten und dem daraus resultierenden Ausbrennen des Themas. Nicht im geringsten auf dem Geschlecht der Kandidatin.

    @Piratenweib: Die Vorgeschichte _begann_ doch mit einem Verstoß gegen die Solidarität, indem man mit dem Thema zu aller erst extern an die Medien ging. Daß das danach aus dem Ruder lief, ist traurig, aber die Folge vom Fehlstart und von der Existenz sehr destruktiver parteifremder Elemente, die die Chance genutzt haben, um mit dem Thema die Partei zu zermürben.

    Solange die alten Fehler auf BEIDEN Seiten nicht endlich eingestanden und verziehen werden können, kann es den nötigen Neubeginn der Diskussion auf breiter Ebene nicht geben

    Wie der Parteitag mit der Kandidatin umging… Hier muß man sich klarmachen, daß der Parteitag sich nicht von einer Mailingliste oder einem Forum unterscheidet. Das waren keine delegierten Politikprofis, sondern ganz normale und sehr subjektive Individualisten. Das ist eine Stärke und ein Problem zugleich.

  8. Hallo Michel,

    die Kritik kam von vielen weiblichen Piraten ;-)
    ICh finde nicht, dass die Fragen etwas mit Bashen zu tun haben. Lena Simon hat den Anlass für die schärfere Tonart bei Ihrer Befragung selbst vorgegeben:
    1. Andere Kandidaten hatten sich lange vorher im Wiki etc. als Kandidaten positioniert.
    2. Die Fragen des Wahlleiters waren bei allen gleich – und die meisten Herren haben mit ehrlicher Selbstkritik auch auf dei Frage nach den Fails reagiert – und Lena Simon … naja kann man oben nachlesen
    3. Sie beschwert sich anf die Genderthematik verkürzt zu werden – nur WOMIT rechtfertigte sie ihre Kandidatur?

    => wir Piraten – auch gerade die weiblichen – brauchen keine Quoten Pirateusen …

    im übrigen sind die wenigen weiblichen Piraten ziemlich aktiv und können sich in ihren Crews etc. gut behaupten.

    Gruß

    Privacy

  9. @Sleeksorrow: Woher bist du dir da so sicher?

    Die Vorgeschichte _begann_ doch mit einem Verstoß gegen die Solidarität, indem man mit dem Thema zu aller erst extern an die Medien ging.

    Meinst du nicht, dass vor der PM und der Mailingliste nicht schon einiges passiert ist, was weder Medien noch ein Großteil der Pirat_innen mitbekommen haben? Vielleicht hat Lena nicht mir _dir_ gesprochen, mit anderen aber schon? Und vielleicht sollte man sie darüber einmal _mit_ ihr reden, statt immerzu _über_ sie?
    Das ist auch ein Kennzeichen des mangelnden Respekts, den ich meine.

  10. @Privacy: Den Eindruck, dass die Piraten/w aktiv wären, konnte man auf dem Parteitag jedenfalls nicht gewinnen. Womit kannst du diesen _deinen_ Eindruck der Öffentlichkeit vermitteln?
    Im Übrigen ist es sehr wohl bashen, wenn eine Frau gefragt wird, ob sie “genügend Kraft” für ein Amt habe oder ob “sie als Frau auch für Männer sprechen könne”. Hat das bitteschön jemand die übrigen x Männer gefragt? Die doch auch alle einfach dort ohne spezielle Kompetenzen stehen und von sich behaupten, sie könnten für alle Mitglieder sprechen?

  11. Die heftigen Reaktionen stammen eindeutig aus der Vogeschichte um die Genderdebatte. Wer sich wie Lena unabgesprochenen vor die Presse stellt und sich anmaßt für “die Frauen” bei den Piraten zu sprechen und dabei “Schutzräume” fordert, die für nicht Frauen verschlossen sein sollen, muss damit rechnen eine solche Reaktion zu ernten. Diese Forderung war diskriminierend und hat viel Unruhe ausgelöst Das vor allem auch unter den Piratinnen, wie man an den Reaktionen der weiblichen Fragestellerinnen im Stream auch sehen konnte.

    Trotzdem habe ich großen Respekt vor Lena und bewundere Ihre Stärke diese Art der Kritik auszuhalten. Da gehört schon einiges dazu. Doch bei den Piraten gehört noch ein bisschen mehr dazu um zum Vorstand gewählt zu werden, als sich hinzustellen und zu sagen “Ich bin eine Frau, wählt mich”. Und da Lena bisher nur mit der Genderdebatte aufgefallen ist, hat die Mehrheit ihr wohl nicht zugetraut auch andere Themen zu vertreten.

    Ich denke diese direkte Konfrontation war auch mal nötig und kann dabei helfen dieses Thema endlich mal zu begraben.

  12. Die Wiedergabe lediglich auf Basis des Protokolls ist falsch, weil sie erstens die Vorgeschichte ignoriert, zweitens den Umstand, dass Lena Simon kurzfristig kandidierte und deswegen viele Fragen, die anderen Kandidaten bereits im Wiki und anderen Medien gestellt wurden nicht gestellt werden konnten, drittens, weil sie den Umstand unterschlägt, dass sie das drittbeste Ergebnis der Stellvertreterkandidaten hatte.

    Darüber hinaus, wäre sie am Sonntag sicherlich als Beisitzerin gewählt worden, wenn sie rechtzeitig aufgestanden wäre und nicht den Termin für die Kandidatur verschlafen hätte.

    Ich habe sie gewählt, keineswegs, weil ich ihre Positionen auch nur entfernt teile, sondern, weil ich es für nötig halte, mutige Personen im Vorstand zu haben und auf der anderen Seite, ihr die Gelegenheit gegönnt hätte, sich entgegen ihren Vorurteilen eines Besseren zu überzeugen.

    Das es im Stream und Protokoll natürlich nicht wähnt ist, will ich als Teilnehmer noch hinzufügen, dass sie von vielen (fast ausschließlich Männern) beglückwünscht und zur Kandidatur als Beisitzer aufgefordert wurde.

    Last, but not at all at least: Die Piraten setzen sich natürlich nicht für Gleichstellung, sondern für Gleichberechtigung ein. Das ist ein wesentlichen Unterschied.

    Arvid

  13. Man sollte dem im Beitrag zitierten Protokoll hinzufügen, dass Lena mit großem Applaus von der Bühne verabschiedet wurde. Den Applaus gab es vor allem für ihren Mut, sich der Kritik auf dem Parteitag zu stellen.

  14. [...] http://www.regioblog.de/index.php/archives/2010/05/15/bundesparteitag-reizthema-lena-simon-und-pirat... [...]

  15. @arvid (12): Die Wiedergabe des Geschehens mit dem Protokoll ist richtig. Im Protokoll steht was passierte. Wenn erst mal der Live Stream Mitschnitt bei Youtube steht, dann umso besser.

    Die Kandidatur von Lena wurde von der Versammlungsleitung angenommen. Du erinnerst dich? Wenn ein Stimmberechtigter mit der kurzfristigen Entscheidung des Kandidaten ein Problem hat, dann wählt er den Kandidaten halt nicht. Dieses Risiko trägt der Kandidat. So geht Demokratie. Es gibt keine Kandidatur zweiter Klasse.

  16. Ich war eine der “Fragesteller” in dieser Runde (ich glaube oben nicht nach zulesen).
    Erst einmal bewundere ich Lena für ihr durchhalte vermögen.
    Mit der Raktion auf meine Frage, habe ich so nie gerechnet, aber sie war ernst gemeint und stehe hinter meinen Redebeitrag.
    Ich bin als “frau” immer noch der Meinung, das ich zu den Piraten gegangen bin um nicht in Gruppen eingeteilt zu werden ( Frauen, Mann, Behinderte, Schwul, Lesbisch usw) sondern als MENSCH gesehen zu werden. Ich habe im Vorfeld nicht viel über Lena und ihren schädlichen Partei beiträgen gehört.
    Nach ihrer Rede ging mir das unbeding erforderliche Trennen von Piraten/PiratINNEN auf die nerven, auch vorher schon einige Fragestellungen an die Kandidaten.

    Wie gesagt wenn ich unbeding in eine “Schublade” / “Gruppe” gesteckt werden will, gehe ich zu den Grünen.

    Aso Frauen haben im übrigen mehr Eier.

  17. [...] es sich wohl um das Mittragen einer demokratischen Kultur handeln könnte, was ihr da veranstaltet, ob euch das die wenigen Frauen in euren Reihen aber seit dem Wochenende noch abkaufen, will ich fast bezweifeln. Was also ist der neue [...]

  18. Wie oben schon zutreffend gesagt:”Die Piraten, ein bösartiger Kindergarten ist nichts dagegen.”
    Politisch unreifes Gefasel wird als Diskussion ausgegeben, der politische (?) Gegner wird fertig gemacht, wie wir das aus den alten Zeiten kennen und so restlos satt haben.
    Ist das die Zukunft in der Politik ?
    So wichtig das Anliegen der Piraten – so weit ich es verstehe – auch ist, so wenig ist dieser Kindergarten für mich wählbar.

  19. “Alle mal hier kurz die Luft anhalten während ich mal Bashing-Ex versprühe. Irgendwie bekommt man das Kroppzeuch ja nie so recht aus den Blogs raus. Hartnäckige, anpassungsfähige Biester.” (…ausgeliehen bei der sehr lesenswerten Piratin Mela Eckenfels.)

  20. @ Nr 9 Piratenweib: Zum Zeitpunkt, als ich das schrieb, wußte ich es nicht. Ich hab es intuitiv angenommen, denn wenn das so gewesen wäre, hätten sowohl Lena als auch diejenigen, mit denen sie gesprochen hat, sich zu Wort gemeldet, um das klarzustellen. Wäre die einfachste und effektivste Verteidigung gewesen.

    Inzwischen habe ich in Erfahrung bringen können, daß sie nicht mit den anderen Frauen im LV Vorstand gesprochen hat (dort gabs genug, 44% Frauenquote) und bereits laufende aktive Arbeiten am Genderthema plötzlich ohne Nennung eines Grundes abgebrochen hat und dann out of the nowhere mit dieser PM kam, die das ganze vermaledeite Debakel initiierte.

  21. @Sleeksorrow (20) : Danke dafür.

    Zum selben Thema: Dein Kommentar bei Malte heute war für mich das heutige Highlight in der Debatte zu Lena und dem BPT in Bingen. Daran kaue ich auch noch ne Weile.

  22. @Peter (21) Auch wenns extrem spät kommt: Danke für Deine anerkennenden Worte (ganz egal, welches Ergebnis nach dem Kauen rauskam).

    Als kleines Update möchte ich hier kurz präsentieren, wie wir Piraten (zumindest die einer aus der Problematik resultierenden Task Force, der ich angehöre) das Thema sehen:

    Antrag: Selbstverpflichtung des Umgangs miteinander innerhalb der Piratenpartei Deutschland http://bit.ly/epca1C

    Leider konnte der Antrag aus zeitlichen Gründen nicht auf dem 2. Teil des Bundesparteitags am 20.-21. November abgestimmt werden. Es gab auch viel Gegenwind bei dem Antrag, als wir im Landesverband Berlin diese Verpflichtung vorgestellt hatten. Vor allem kam das Argument “Man darf die Satzung nicht mit Selbstverständlichkeiten vollpumpen”. Man kann also wohl davon ausgehen, daß viele der Piraten, die die Aufnahme der Verpflichtung in die Satzung ablehnen, prinzipiell den Inhalt voll unterschreiben können.

  23. @sleeksorrow Danke, der Link passt!

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