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Ausbau B26 – Altheim: Interview mit G. Bonifer-Dörr, ALMA

Von Peter Löwenstein • 2. Jun 2010 • Kategorie: Darmstadt-Dieburg, Münster
Gerhard Bonifer-Dörr (Foto: privat)

Gerhard Bonifer-Dörr (Foto: privat)

Peter Löwenstein: Herr Bonifer-Dörr, die jetzt bekannt gewordenen Details der vorgestellten Planungsentwürfe gefallen ihnen wohl gar nicht. Seit wann kennen Sie die Details?

Gerhard Bonifer-Dörr: Die neuen Planungen kenne ich erst seit vergangenen Mittwoch, 26.05.2010. Bereits Anfang 2009 war uns auf unsere Anfrage im Gemeindeparlament hin angekündigt worden, dass es Ende 2009 im Rahmen einer Bürgerversammlung die Vorstellung der neuen Pläne geben solle. Dann war Funkstille. Bis jetzt am 26.05. die Katze aus dem Sack gelassen wurde. Welch eine gigantische Fehlplanung für eine neue Trasse, deren Bedarf – nach Ansicht der Altheimerinnen und Altheimer – stark angezweifelt werden muss.

Peter Löwenstein: Das sind kräftige Worte. Zweifeln Sie an der fachlichen Kompetenz der ausführenden Beteiligten oder ärgert Sie, dass den Altheimern erst jetzt, schon weit voran geschritten, ein Modell zum Planungsentwurf gezeigt wurde? Oder beides?

Zur Person:
Gerhard Bonifer-Dörr, 56 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, Diplom-Pädagoge, Eigentümer und Geschäftsführer eines Beratungs-, Forschungs- und Fortbildungsinstituts. Seite 1984 Mitglied von B’90/DIE GRÜNEN, 1984 Mitgründer des Ortsverbandes Münster der GRÜNEN, einige Jahre Mitglied des Kreisvorstands der GRÜNEN Darmstadt-Dieburg, 1989 bis 1993 Mitglied des Kreistages Darmstadt-Dieburg, seit 1985 Mitglied der Gemeindeparlament in Münster für die GRÜNEN, zeitweise auch Beigeordneter im Gemeindevorstand, seit 2006 Fraktionsvorsitzender der Alternativen Liste für Münster und Altheim (ALMA), die aus Mitgliedern der GRÜNEN und parteilosen Mitgliedern besteht. Vielfältiges ehrenamtliches Engagement.

Gerhard Bonifer-Dörr: Ich zweifele nicht an der fachlichen Kompetenz der Planer, denn diese setzen die politischen Vorgaben in ausführbare Bauplanungen um. Sehr stark bezweifele ich – und mit mir viele Altheimerinnen und Altheimer – den Begründungszusammenhang, der den Neubau der Trasse legitimieren soll. Denn die B 26 ist aktuell weder ein Unfall- oder Gefahrenschwerpunkt, noch ist sie – abgesehen von den Hauptverkehrszeiten – ein nennenswerter Staubereich.

Und wenn Staus entstehen, dann geschieht dies in der Ortsdurchfahrt Babenhausen, die von der aktuellen Planung gar nicht erfasst wird, oder an beiden Enden der vierspurigen B 26 in Dieburg und in Darmstadt. Diese Verkehrsstaus in Babenhausen und Darmstadt wird auch der jetzt beabsichtigte Neubau nicht auflösen. Im Gegenteil: Wenn durch eine vermeintlich attraktivere schnelle Trasse auf der Ost-West-Tangente B 26 noch mehr LKW-Verkehr von der A 3 und der A 5 abgezogen wird, wird die B 26 immer mehr Teil eines – neuen – Problems als Teil einer Lösung werden.
Natürlich ärgert es mich, dass wir zwei Jahre, seit 2008, hingehalten wurden, bis uns jetzt die Pläne vorgestellt werden. Wirkliche Bürger/innen-Beteiligung müsste anders aussehen.

Peter Löwenstein: Es hängt also an der fehlenden Einbindung der Bürger in das Verfahren? Wäre dass der ihnen wichtigste Kritikpunkt?

Gerhard Bonifer-Dörr: Ja und nein, der Bürgerinnen und Bürger und ihrer gewählten Vertreter/innen. Denn aus meiner Sicht, der ich mich aktiv darum bemühte, dass Ende 2008 das Gemeindeparlament eine einstimmige Stellungnahme zum beabsichtigten Ausbau formulierte, die von den drei Fraktionen unterzeichnet worden war – bleibt wichtigster Kritikpunkt die Tatsache, dass die Planer diese Kriterien aus der Feder der unmittelbar Betroffenen schlicht ignoriert zu haben scheinen. War doch einer der Prüfpunkte der, dass eine neue Trasse keinen die Ortsteile trennenden Charakter haben dürfe und dass die Lärmimmissionen so gering wie möglich zu halten seien!
Und hätten die Verantwortlichen die Anwohnerinnen und Anwohner vor Ort tatsächlich einbezogen, hätten ihnen diese wahren Expertinnen und Experten rechts und links der Trasse deutlich machen können, dass es diese Trasse nicht braucht und schon gar nicht in der jetzt projektierten Form. Es ist schlicht ein “Sinnlosprojekt”.

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