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Kommunalcamp Mannheim? Ohne parteiübergreifende Dialoge #fail

Von Peter Löwenstein • 17. Jun 2010 • Kategorie: Südhessen
Logo des Kommunalcamp

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Ich hab mal kurz zusammengefasst, warum mich der Besuch des Kommunalkongress mit angegliedertem Kommunalcamp in Mannheim, organisiert vom Vorwärts Verlag der SPD, enttäuschte:

Partei geht vor eigene Meinung
Wenn eine Partei Angst davor hat, ihre Mitglieder unter dem eigenen Label “SPD” in den Social Medien kommunizieren zu lassen, dann stimmt etwas in der Partei nicht. In der SPD haben meinungsstarke Parteigänger in den Social Medien keine Karrierechance, solange die Altvorderen der SPD in ihrer Unkenntnis von Social Media kritische öffentliche Äußerungen im Internet verdammen. Beispiel Twitter: Dort wird schon das Followen anderer Parteigänger mit dem eigenen offiziellen SPD Twitternamen eines Ortsvereins als gefährlicher Grenzgang gewertet, weil Followen von den Altvorderen mit einer Solidariätsbekundung für den politischen Gegner verwechselt wird.

Unerwünscht: Öffentliche Dialoge mit anderen Parteigängern
Dazu passt dann auch, wenn selbst die Jugendorganisation der Partei den Dialog mit anderen Parteigängern in deren Foren oder Gruppen ablehnt, weil dass überhaupt nichts brächte an neuen Wählern und auch keine effiziente Überzeugungsarbeit wäre.
Mich erschreckt, wenn schon Funktionäre der SPD Jugendorgansisation Jusos keinen Sinn darin erkennen können, im Internet themenorientierte Dialoge mit anderen Parteigängern zu führen. Die genannten Gründe hinterlassen einen bitteren Geschmack: Jeder politische Dialog mit anderen Parteigängern kostet Zeit, die dann fehlt für die Bewältigung der parteiinternen Kommunikation in der eigenen Partei.

Parteikarriere vor Dialog
Wer aber die parteiinterne Kommunikation nicht beherrscht, oder wem die Zeit dafür fehlt , der schadet dem Aufbau der eigenen Karriere. Das deutlich erkennbare erste Ziel ist das Erreichen von Macht und Einfluß in der eigenen Partei, und primär dafür nutzt die SPD Social Media. Dagegen stehen eigentlich naheliegende Dialoge über Themen, oder mit Parteigängern anderer Parteien in den Social Media hintenan. Obwohl es noch nie so einfach war wie heute, den Dialog mit anderen im Internet zu öffnen.

Moderation des Kommunalcamps
Ich habe am ersten Tag nicht eine Session erlebt, in der die Moderation sich gut vorbereitet zeigte.

Kommunalcamp 2011?
Für das nächste Kommunalcamp wünsche ich mir, dass die Verantwortlichen die Veranstaltung für andere Parteien stärker öffnen und mehr Sessions mit meinungsstarken, vor allem älteren Politikern auch anderer Parteien schon im Vorfeld organisieren. Und eine bessere Moderation mit klaren Vorstellungen über Erfolgskriterien und den Ablauf eines barcamps tut auch dringend Not.

Andernfalls sollte der Vorwärtsverlag den Namen der Veranstaltung ändern in Jusofunktionärscamp 2010. Dazu ein aktueller Tweet der Jusos Baden-Württemberg.

“Jusos aus BaWü immer noch in Mannschaftsstärke auf DEMO-Kommunalkongress. Spricht für Jusos und für Kongress. Gelungener 1. Tag #koca10″

Das schafft Klarheit über Inhalte und Ziele: Man will sich selbstreferentiell über die eigenen politischen Karriereinhalte und die zu priorisierenden Inhalte für den Gewinn der nächsten Wahl austauschen.
Damit habe ich kein Problem. Nur das Segeln unter falscher Flagge nervt…

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4 Kommentare »

  1. Moin Moin,

    was aus meiner Sicht noch zu ergänzen ist: Es gibt auch unter den TeilnehmerInnen des KommunalCamps sowie des KommunalKongresses keine einheitlichen Erfahrungshorizonte bzgl. sozialer Medien. Die Kenntnis darüber, die Nutzungsweise und die angesprochene Bereitschaft zur Pluralität nach innen und außen sind sehr unterschiedlich. Sie lassen sich kaum über einen Kamm scheren.

    Jörg Eisfeld-Reschke

  2. Es ist ziemlich einfach, zu meckern. Es ist wesentlich schwieriger, sich auf andere Menschen einzulassen, konstruktive Vorschläge zu machen, miteinander zu diskutieren. Denn dazu muß man die Menschen an einen Tisch kriegen und auch mal in der Lage sein, die eigenen Vorurteile hinter dem Berg zu lassen.

    Das Kommunalcamp hatte ja gerade das Ziel, parteiübergreifend miteinander zu reden. Wie ich Dir auch schon am Telefon gesagt habe, haben wir die Einladung breit gestreut und breit eingeladen. Aber es hat wohl tiefere Ursachen in der deutschen Parteienlandschaft, dass die Parteimitglieder untereinander nicht reden wollen – oder eher auf neutralen Kongressen miteinander reden als als auf Kongressen, die von einer bestimmten politischen Richtung veranstaltet werden. Jedenfalls hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn auch Mitglieder der anderen Parteien (CDU, Piratenpartei, Grüne etc) auf dem Kommunalcamp dabei gewesen wären.

    Mich enttäuscht Dein Beitrag. Du kultivierst nur Deine eigenen Vorurteile. Als Du gestern gesagt hast, dass Du es komisch findest, dass man sich untereinander per Twitter nicht liest, habe ich Dir gesagt, dass das nicht stimmt – man liest und diskutiert auch parteiübergreifend. Aber eine solche Kommunikation einfach darauf zu reduzieren, dass man in den Foren der anderen Parteien diskutiert oder sich per Twitter folgt, ist ziemlich absurd. Meines Erachtens würde es überhaupt nichts bringen, wenn SPD-Mitglieder sich beim CDU-Forum einloggen würden – warum auch? Besser ist es doch bei Facebook und anderen Plattformen mit den Bürgern in Kontakt zu kommen, oder? Warum gehst Du auf diese Argumente in Deiner Polemik nicht ein?

    Gestern waren viele Jusos auf dem Kommunalcamp – logisch! Das zu verdammen halte ich für unfair. Ich fand zum Beispiel der Vortrag von Christian Kreutz zu OpenData wurde sehr positiv aufgenommen und die Teilnehmer haben dazu viel mitgenommen. Auch der Vortrag von Markus zu der Kommunikation bei Facebook war doch sehr konstruktiv. Und auch Dein Vortrag war doch Grundlage einer guten Diskussion – jetzt stellst Du Dich hier aber als Märtyrer dar, der als einziger verstanden hat, wie richtige Kommunikation im Netz und mit den Bürgern zu funktionieren hat. Ich finde, das ist echt ein Unding, dass Du die Kritik nicht den Organisatoren direkt ins Gesicht gesagt hast, sondern lieber im Nachhinein eine Veranstaltung in die Pfanne haust.

    Du warst leider nicht in der Session zu Kommunalpolitik erleben, die Chris Beil geleitet hat. Ich fand, da waren ziemlich gute Beispiele drin, wie Parteien gerade auf kommunaler Ebene aus dem üblichen Parteitrott herauskommen können. Und ja – es wurde auch selbstkritisch diskutiert, ob und wie die Parteistrukturen und die Jugendorganisationen in der Lage sind, über ihren Tellerrand hinauszugucken. Wer dann die Teilnehmer nur als Jungkarrieristen bezeichnet, setzt sich selber in einen ziemlichen tiefen Suppenteller der eigenen Politikverdrossenheit.

    Und dann noch etwas zur Moderation: das Barcamp lebt davon, dass die Teilnehmer sich selbst einbringen. Nicht alle Teilnehmer waren Barcamp-Experten wie Du und ich. Manche Veranstaltungsformate muss man auch erstmal ausprobieren. Schade, dass Du nicht mal auch positiv erwähnst, dass es die Bereitschaft gibt, mal andere Konferenzformate zu nutzen. Da gibt es keine reine Lehre – nicht alle Teilnehmer eines Kongresses wollen sofort vollkommen interaktiv sein. Du hättest mal bis zum Abend bleiben sollen – dann hättest Du vielleicht einen besseren Überblick bekommen als nach drei Stunden. Man muß Entwicklungen immer im Kontext sehen – und nicht nur als pauschale Schwarz-Weiß-Kritik.

    Jedenfalls lade ich Dich ein, am Kommunalcamp 2011 mitzugestalten – mit guten Ideen, konstruktiver Kritik, auch provokanten Vorschlägen. Aber bitte auch mit Verständnis dafür, dass es nicht nur einen Pfad der Tugend gibt.

    Viele Grüße

    Karsten
    PS Das ist meine Privatmeinung – ich spreche hier nicht für den Vorwärts-Verlag!

  3. @Karsten: Stimmt, das habe ich vergessen: Es ist positiv, dass der Vorwärtsverlag und die SPD das barcamp Format für sich entdeckt haben.

    Mir Vorurteile und Schwarz/Weiss Denken anzukreiden ist sicher nie verkehrt. Andererseits besuche ich neben den SPD Veranstaltungen auch die der Piraten, der CDU und der Grünen hier in Südhessen – und gestalte dort trotz aller Kritik auch Themen inhaltlich und konstruktiv mit. Auch die Regioblog Autoren kommen aus allen bürgerlichen Parteilagern. Wofür spricht das denn?

    Und die Einladung nehme ich an.

  4. Es gibt eine Umfrage der Veranstalter zum Kommunalcamp, Dort.

    Ich habe ein paar Fragen ergänzt, die ich beantwortet sehen möchte. Dort.

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