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	<title>Regioblog &#187; Gleichstellung</title>
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	<description>Artikel und Meinungen aus Südhessen</description>
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		<title>Ein Appell zum Weltfrauentag: Weniger „-innen“-Zwang, mehr echte Gleichstellung</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 04:28:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator><a href="http://www.spd-muenster-altheim.de" rel="nofollow">Meike Mittmeyer</a></dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
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		<description><![CDATA[Neulich begann der Vorsitzende meines Sportvereins die Jahreshauptversammlung mit den Worten: „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“ Ich stutzte und fragte mich: Bin ich eine Mitgliederin? Muss ich mich dann auch als eine Teilin der Gesellschaft sehen, als eine Menschin von 6,8 Milliarden? Wohl kaum. Zu gut gemeinte political correctness hält uns eher davon ab, wichtige Fragen der Gleichstellungsproblematik zu klären. Und davon gibt es wirklich genug.]]></description>
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<div class="picleft"><div class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://farm3.static.flickr.com/2529/4250741551_9393df8ebd_d.jpg" target="_blank" class="liimagelink"><img alt="Nana, Skulptur von Niki de Saint Phalle  (cc von blariog)" src="http://farm3.static.flickr.com/2529/4250741551_9393df8ebd_d.jpg" title="Nana, Skulptur von Niki de Saint Phalle (cc von blariog)" width="300" max-height="500" /></a><p class="wp-caption-text">Nana, Skulptur von Niki de Saint Phalle  (cc von blariog)</p></div></div>
<p>Neulich begann der Vorsitzende meines Sportvereins die Jahreshauptversammlung mit den Worten: „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!“ Ich stutzte und fragte mich: Bin ich eine Mitgliederin? Muss ich mich dann auch als eine Teilin der Gesellschaft sehen, als eine Menschin von 6,8 Milliarden? Wohl kaum. Zu gut gemeinte political correctness hält uns eher davon ab, wichtige Fragen der Gleichstellungsproblematik zu klären. Und davon gibt es wirklich genug.</p>
<p><strong>Greenwashing in der Gleichstellung</strong></p>
<p>Noch immer liegt der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen bei durchschnittlich 23 Prozent – bei gleicher Arbeit und gleicher oder oft sogar besserer Qualifikation der Frau. Wir haben zwar eine Bundeskanzlerin, aber in anderen Führungspositionen großer deutscher Unternehmen sucht man Frauen meist vergeblich. Das ist traurig und muss sich ändern, gesellschaftlich wie politisch – aber sicher nicht, indem sich mehr und mehr abenteuerliche „-innen“-Konstruktionen in den deutschen Sprachgebrauch einschleichen. Was dann nämlich passieren kann, ist folgendes: Unternehmen wenden sich in ihrer internen und externen Kommunikation vorbildlich an ihre „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ und ihre „Kundinnen und Kunden“, ändern tut sich aber trotzdem nichts. Das ist Greenwashing vom Allerfeinsten, nur nicht in der Umweltpolitik, sondern beim Gender Mainstreaming.</p>
<p><strong>Kompetenzquote statt Übergangslösung</strong></p>
<p>Die Frauenquote wird gern als Heilsbringer beschworen, und tatsächlich sind dank der Quote inzwischen viele Frauen in wichtige Ämter in Politik und Gesellschaft gekommen, die es ohne sie nicht durch die Männerdomäne hindurch geschafft hätten. Trotzdem ist die Quote im Grunde nur eine Notlösung und kann höchstens den Übergang zu einer echten Gleichstellung markieren. In manchen Fällen ist die Quote ja sogar kontraproduktiv. Denn mal ehrlich: Ich jedenfalls möchte nicht in irgendein Amt hereinrutschen, dem ich vielleicht gar nicht gewachsen bin, nur weil ich eben eine Frau bin. Genauso wenig sollte mir natürlich ein Amt verschlossen bleiben, für das ich geeignet bin, nur weil ich eben eine Frau bin. Darum ist der Schlüssel für echte Gleichstellung die Kompetenzquote, nicht die Frauenquote. Dafür haben wir uns bei den Jusos Darmstadt-Dieburg schon vor Jahren ausgesprochen.</p>
<p><strong>Alte Klischees ade</strong></p>
<p>Mindestens genauso falsch wie die Diskriminierung von Frauen ist es, ein kollektives Männer-Feindbild heraufzubeschwören und sich für die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau an der Männergeneration von heute rächen zu wollen. Viele Männer von heute sind längst in der neuen Zeit angekommen, übernehmen Haushaltsaufgaben und bleiben für den Nachwuchs in der Elternzeit daheim. Sie jedenfalls verdienen es nicht, mit dem Macho-Feindbild gleichgesetzt zu werden, nur weil sie eben Männer sind. Wer echte Gleichstellung will, darf nicht nur von Männern verlangen, sich zu ändern, sondern muss auch anfangen, sich selbst zu ändern. Wenn wir Frauen einerseits „Gleichstellung“ schreien und andererseits das Prinzesschen spielen und verlangen, dass der Mann im Restaurant immer zahlt und uns die Tür aufzuhalten hat, haben wir unsere eigene Forderung nicht richtig verstanden. Wenn wir das Frau-gehört-an-den-Herd-Image zu Recht loswerden wollen, müssen wir selbst auch bereit sein, alte Klischees aufzugeben, auch die, die ja eigentlich ganz bequem für uns waren.</p>
<p><strong>Alle müssen dazulernen</strong></p>
<p>Viele Frauen müssen noch lernen, sich selbst nicht so sehr in den Schatten zu stellen. Sie haben keinen Grund dafür, denn Mädchen und Frauen haben oft eine bessere Schulbildung als männliche Altersgenossen und gelten als fleißiger und gewissenhafter. Sie müssen sich mehr trauen, um mehr zu kriegen. Zugleich müssen viele Männer noch lernen, dass Testosteron eben nicht der alleinige Herrscher der Welt ist, und dass Frauen nicht nur, wie Kanzler a.D. Schröder es formulieren würde, Experten für „Familie und das ganze andere Gedöns“ sein können. Beides geht nur, wenn wir die Worthülse Gleichstellung endlich mit Taten füllen: Weiterbildungen und Förderung für Frauen und Männer gleichermaßen, flächendeckend genügend Betreuungsplätze für Kinder, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, und vor allem: offen miteinander reden.<br />
Wenn wir das wirklich schaffen, und zwar auf politischer Basis sowie in den Köpfen von uns allen, dann kann ich jedenfalls damit leben, einfach nur als „Mitglied“ eines Sportvereins begrüßt zu werden. Der deutschen Sprache erweisen wir damit sogar auch noch einen Dienst.<br />
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