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	<title>Regioblog &#187; Sigmar Gabriel</title>
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	<description>Artikel und Meinungen aus Südhessen</description>
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		<title>Post an die Vergessenen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 14:47:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike Mittmeyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neu vorgestellt]]></category>
		<category><![CDATA[Südhessen]]></category>
		<category><![CDATA[Erneuerung]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
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		<description><![CDATA[„Unsere SPD befindet sich in einem katastrophalen Zustand“, schreibt der designierte SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in einem Brief an die Genossen der Basis. „Unsere SPD“ – diese Formulierung nutzt Gabriel immer wieder –klingt nach „Wir“, nach guten alten Zeiten, zugleich aber auch nach gemeinsamem, geteiltem Leid.  Dass die Parteispitze endlich anfängt, dieses Leid zu teilen, war nicht nur nötig, sondern lange überfällig. Denn bisher musste die Basis ganz allein damit fertig werden.]]></description>
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<div class="picleft"><div id="attachment_3502" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img src="http://www.regioblog.de/wp-content/images/2009/10/spd-im-dialog.png" alt="SPD im Dialog" width="400" height="274" class="size-full wp-image-3502" /><p class="wp-caption-text">SPD im Dialog</p></div></div>
<p>„Unsere SPD befindet sich in einem katastrophalen Zustand“, schreibt der designierte SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in einem Brief an die Genossen der Basis. (Zum Nachlesen ist der Brief bei der Süddeutschen Zeitung, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/471/491834/text/" target="_blank" class="liexternal">dort</a> ) „Unsere SPD“ – diese Formulierung nutzt Gabriel immer wieder –klingt nach „Wir“, nach guten alten Zeiten, zugleich aber auch nach gemeinsamem, geteiltem Leid.  Dass die Parteispitze endlich anfängt, dieses Leid zu teilen, war nicht nur nötig, sondern lange überfällig. Denn bisher musste die Basis ganz allein damit fertig werden.</p>
<p><strong>Kampf für ein großes Ganzes</strong><br />
Aber wer ist diese Basis eigentlich? Die Basis, das sind die Unerschütterlichen, die sich bei Minusgraden und im strömenden Regen an die Infostände stellen und Wahlkampfwerbung austeilen. Die Basis, das sind die kleinen Ortsvereine, die ihr Grillfest oder ihren Frühschoppen veranstalten und dabei meist weniger einnehmen als sie ausgeben mussten, aber sie tun es weiter. Für die Partei, für ein großes Ganzes. Die Herren an der Spitze gewöhnten sich aber mit der Zeit zu sehr daran, dass das Fußvolk gehorchte und alles schluckte, was sie ihm vorsetzten. Die Basis, das sind vielleicht „die da unten“. Aber blöd ist sie nicht. Sie hat gemerkt, dass sie irgendwann gar nicht mehr für ein großes Ganzes kämpfte. Sondern nur für die Großen da oben.</p>
<p>Und nun haben sie, die Vergessenen, Post erhalten. Es ist das Ehrlichste, das seit langem den Weg aus der Festung Willy-Brandt-Haus runter ins Tal der einfachen Mitglieder gefunden hat. Endlich mal keine PR-Schreibe, die von rosigen Zeiten als Volkspartei und der Rückgewinnung alter Stärke parliert, während Ortsvereine und Unterbezirke in großen Teilen Deutschlands darniederliegen und nur den Kopf schütteln können angesichts solcher Texte.</p>
<p><strong>Die Ehrlichkeit kommt (fast) zu spät</strong><br />
Nein, Gabriels Brief ist anders – ich  möchte glauben, dass er ihn selbst geschrieben hat, und eben nicht einer der PR-Berater, persönlichen Mitarbeiter oder Praktikanten, die immer die freundlichen pseudo-persönlichen Nachrichten in Facebook und studivz eintippen, um den „Unterstützern“ eine geheuchelte Art von persönlicher Nähe vorzugaukeln, die in Wirklichkeit niemals unpersönlicher gewesen ist. Das ist leider eine Ausgeburt unserer ständig vernetzten Online-Gesellschaft: Die Kommunikationswege sind so schnell und einfach geworden, dass es ja viel bequemer ist, vom Praktikanten  mal schnell eine „private Nachricht“ verschicken zu lassen, um den Pöbel zu beruhigen. Das ist schneller und einfacher, als Mitgliederversammlungen anzuberaumen und die wahren Zustände vor Ort anzuschauen. Aber das ist nicht nur in der SPD so. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, das Nähe imitiert und Distanz schafft. Aber lassen wir das.</p>
<p><strong>Was ist also das Ehrliche an Gabriels Brief?</strong><br />
Er spricht aus, was schon lange traurige Realität ist, aber zu lange von der Führung ignoriert wurde:<br />
„… der Zustand vieler Ortsvereine und Unterbezirke hat schon sehr lange nichts mehr mit einer Volks- und Mitgliederpartei zu tun.“ <em>Ja, so ist es</em>!, wird manch einer beim Lesen dieser Zeilen ausgerufen haben, der diesen Zustand aus dem eigenen Ortsverein kennt, in dem das Durchschnittsalter jenseits der 60 liegt und keine jungen Leute mehr nachkommen, die die Arbeit bewältigen können. Dort, wo zum Teil noch nicht einmal Listen für Kommunalwahlen mit Kandidaten gefüllt werden können, weil es keine Kandidaten gibt. Aber wieso, wieso kommt diese Ehrlichkeit erst jetzt? Man muss wohl erst ganz am Boden gelegen haben, um die eigenen Fehler einzusehen. Diese Antwort ist nicht befriedigend, trägt aber viel Wahrheit in sich.</p>
<p>Die „überzogene Flügelbildung“ der SPD – auch mit diesem Thema spricht Gabriel etwas an, das schon lange hätte thematisiert werden müssen, bevor sich „Linke“ und „Rechte“ schier unversöhnlich gegenüberstanden, bevor die hessische SPD sich mit Grabenkämpfen selbst kaputt machte und bevor die Sozialdemokratie auf dem Sterbebett lag. Jetzt, in ihrem Moment der wohl größten Schwäche, ist es sehr viel verlangt, die Kraft für eine Versöhnung aufzubringen. Und zugleich war die Chance dafür nie größer. </p>
<p><strong>Himmelfahrtskommando – im Angesicht des Todes</strong><br />
Mit Karriere hätte das Ganze, also dieser geplante Neuanfang „unserer“ SPD, gar nichts zu tun, versichert Gabriel selbstlos. „Sondern die Früchte unserer Arbeit &#8211; wenn sie denn gelingt &#8211; wird wohl eher die nach uns kommende Generation von Sozialdemokraten ernten.“ Hier und heute Gutes tun, um später, in einem Himmel, in dem die SPD endlich wieder Wahlen gewinnt, dafür entlohnt  zu werden? Das klingt fast schon zu biblisch, um für die SPD glaubwürdig zu sein.<br />
Und siehe da, die Bibel spielt tatsächlich noch eine Rolle in Gabriels Brief: „Ich kann nicht am Freitag vor dem Brandenburger Tor bei der Abschlussveranstaltung des Bundestagswahlkampfes ‚Hosianna‘ rufen und am Montag/Dienstag ‚kreuzigt ihn‘“, schreibt der Beinahe-Vorsitzende mit Blick auf den gescheiterten Kanzlerkandidaten Steinmeier, der in einem fragwürdigen Blitzverfahren zum neuen Fraktionschef wurde.</p>
<p>Die SPD, bekehrt, geläutert? Zu einem Himmelfahrtskommando bereit? Auch wenn man ihr das noch nicht so ganz abnehmen will – vielleicht ist sie tatsächlich bereit dazu, weil es ihre letzte Chance ist. Nicht wenige werden in ihrer letzten Stunde, im Angesicht des Todes, plötzlich wieder fromm, besinnen sich auf alte Normen und Werte. Und der älteste Wert der SPD, das ist nun mal die Gemeinschaft, das ist die Basis.</p>
<p>Nicht „meine“ oder „deine“ SPD, sondern „unsere“: Wenn Sigmar Gabriel das wirklich begriffen hat, wenn die gesamte obere Führung das begriffen hat und wenn vor allem die scheinbar bis aufs Mark verfeindeten Flügel das begriffen haben, dann gibt es noch Licht am Ende des Tunnels. Aber nur, wenn die vergessene, hoffentlich wiederentdeckte Basis dieses eine Mal noch mitspielt – für ein großes Ganzes, das wahrscheinlich noch nie größer gewesen ist als jetzt. Denn es geht diesmal nicht um einen Wahlsieg. Es geht ums nackte Überleben.<br />
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